Olympia-Drama im Teamsprint: Deutsche Kombinierer stürzen aus Medaillenrennen
Voller Enttäuschung und mit leerem Blick nahm Vinzenz Geiger die Schuld für das Sturz-Drama bei den Olympischen Winterspielen auf sich. „Es tut mir wahnsinnig leid. So hart gekämpft, so hart gearbeitet die ganzen Monate und dann so ein blöder Fehler. Das ist sehr, sehr bitter“, sagte der Nordische Kombinierer nach dem verpassten Medaillengewinn im Teamsprint von Tesero und Predazzo.
Gold-Kurs nach Sprüngen, dann das Unglück
Geiger und sein Teamkollege Johannes Rydzek lagen nach den Skisprüngen voll im Medaillenrennen und hatten sich eine hervorragende Ausgangsposition erarbeitet. Im weißen Flockenwirbel sprang Rydzek 123 Meter weit, Geiger landete nach 122,5 Metern. Eigentlich war alles angerichtet für den Langlauf, doch dann kam das Drama.
Bei schwierigen Bedingungen und heftigem Schneefall stürzte Geiger gleich zweimal, kollidierte mit einem Konkurrenten und verlor wertvolle Zeit. „Ich habe einfach nicht viel gesehen. Meine Brille war zu. Dann bin ich in ein Loch reingefahren“, berichtete der Athlet. Am Ende reichte es nur für Platz fünf – eine bittere Enttäuschung für das deutsche Team.
Erstmals seit 1998 ohne Olympia-Medaille
Damit steht nun fest: Erstmals seit den Winterspielen 1998 verlässt das deutsche Kombi-Team Olympische Spiele ohne Edelmetall. Im Ziel pfefferte Geiger seinen Stock wütend weg, fiel erst in den tiefen Schnee und dann in die tröstenden Arme von Rydzek. Das Olympia-Debakel war perfekt.
Bundestrainer Eric Frenzel zeigte sich komplett niedergeschlagen: „Die zwei haben heute grandiose Sprünge gemacht, haben sich in eine Ausgangssituation gebracht, die eigentlich ideal war. Dann passiert halt einfach so ein beschissenes Unglück.“
Teamgeist trotz Enttäuschung
Johannes Rydzek, für den es die letzten Olympischen Spiele waren, bewies trotz der Enttäuschung Teamgeist: „Man gewinnt und man verliert zusammen und heute müssen wir leider zusammen verlieren. Wir sind trotzdem ein Team.“ Der erfahrene Athlet bleibt bei vier Olympia-Medaillen – zweimal Gold und je einmal Silber und Bronze.
Mut hatte zuvor die überraschende Bronzemedaille seiner Schwester Coletta Rydzek mit Laura Gimmler im Langlauf gemacht. Nach der riesigen Enttäuschung war Coletta Rydzek im Athletenbereich als Trostspenderin gefragt.
Zukunft der Nordischen Kombination ungewiss
Ob noch weitere Olympia-Medaillen für die deutschen Kombinierer dazukommen können, liegt nicht nur in ihrer Hand. Noch ist unklar, ob die Nordische Kombination auch in vier Jahren in Frankreich noch zum Olympia-Programm gehört. Auch ob Geiger überhaupt so lange weitermacht, ließ er in Tesero offen.
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry machte sich im Val di Fiemme selbst ein Bild von der traditionsreichen Sportart. Der Deutsche Olympische Sportbund will sich für den Verbleib der Disziplin bei Winterspielen einsetzen. Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees darüber soll im Sommer fallen – dann geht es auch darum, ob die Kombiniererinnen in Zukunft dabei sind. Ein Verbleib der Kombination im Programm ohne Frauen gilt als ausgeschlossen.



