Olympia-Dramen in Italien: Von Vonn bis Raimund – Die bewegenden Geschichten der Winterspiele
Die Bilder der großen Dramen bei den Olympischen Winterspielen in Italien gingen um die Welt und bewegten ein Millionenpublikum. Vom schweren Sturz der Skilegende Lindsey Vonn über das Kür-Debakel des Eislauf-Wunderkinds Ilia Malinin bis hin zum Slalom-Aus von Lena Dürr am ersten Tor – die emotionalen Momente prägten die Spiele. Daneben stehen die glücklichen Gewinnerinnen und Gewinner, wie Deutschlands Sensations-Olympiasieger Philipp Raimund oder Italiens Doppel-Gold-Gewinnerin Federica Brignone. Ein Überblick über die großen Geschichten dieser Winterspiele und ihre unvergesslichen Bilder.
Lindsey Vonns tragischer Abschied
Trotz einer Kreuzbandverletzung wollte Lindsey Vonn bei Olympia den krönenden Abschluss ihrer großen Karriere feiern. Doch es wurde eine Tragödie: Die Sport-Welt stand still, als der US-Skistar nach einem schlimmen Sturz zu Beginn der olympischen Abfahrt vor Schmerzen schrie. Das Foto der 41-Jährigen unmittelbar vor dem Sturz zeigt ein idyllisches „Grüße aus Cortina“-Motiv mit Sonne und Dolomiten, doch Vonns Haltung deutet bereits an, dass etwas nicht stimmt. Minuten später wurde sie in eine Klinik in Treviso geflogen, wo sie nach einer komplexen Schienbeinverletzung mehrfach operiert wurde. In dieser Zeit verstarb auch ihr Hund Leo. „In so kurzer Zeit habe ich so viel verloren“, sagte Vonn und sprach von den härtesten Tagen ihres Lebens.
Lena Dürrs wiederkehrendes Olympia-Pech
Mit der ersehnten Einzel-Medaille vor Augen ging Lena Dürr als Zweite nach dem ersten Durchgang in ihr letztes olympisches Rennen – und fädelte am ersten Tor ein. Ausgeschieden nach weniger als zwei Sekunden. Was sie in dem Moment gedacht habe? „Gar nichts. Da ist man einfach blank.“ Das Aus im Slalom war das dritte Olympia-Drama für Dürr. 2022 in Peking verpasste sie als Vierte ganz knapp eine Medaille, und in Cortina stand sie sogar im Riesenslalom als Zweite vor einer Medaille – und patzte auch hier. „Es soll wahrscheinlich so sein“, sagte Dürr nach dem Slalom-Drama unter Tränen.
Ilia Malinins Debakel auf dem Eis
Der selbst ernannte Gott der Vierfachsprünge Ilia Malinin ging als haushoher Favorit in die Eiskunstlauf-Kür – und erlebte ein Debakel. Er stürzte mehrfach und schlug sich nach Ende der Kür die Hände vors Gesicht. Mit verzweifelter Miene verließ er das Eis, ein Schock-Moment vor allem in seiner Heimat USA. Das große Wunderkind holte nicht mal eine Medaille, wurde Achter. „Auf der größten Bühne der Welt können selbst diejenigen, die am stärksten wirken, innerlich noch unsichtbare Kämpfe ausfechten“, schrieb der 21 Jahre alte Team-Olympiasieger später. Es folgte eine Debatte über Druck und Online-Hass, wobei viele Stars wie Slalom-Olympiasiegerin Mikaela Shiffrin ihr Mitgefühl aussprachen.
Philipp Raimunds Gold-Coup trotz Höhenangst
Er gewann nie ein Weltcup-Springen und holte dann Olympia-Gold. Skispringer Philipp Raimund jubelte im Zielraum von Predazzo jugendlich ausgelassen über seinen Sensationscoup. „Ich weiß nicht, wie ich es gemacht habe. Aber ich bin so, so stolz drauf“, sagte der 25-Jährige, den vor nicht allzu langer Zeit noch Höhenangst plagte. „Vor dem ersten Sprung war ich scheiße-nervös. Es sind alle hier.“ Nur seine Schwester saß im Zug, und ein Video ihres Jubels in sozialen Medien ging viral. „Ich bin super froh, dass ich es sehen konnte, wie sie im Zug komplett explodiert“, sagte Raimund. „Zum Glück gehört sie zu der Generation, die sich selbst gerne filmt.“
Federica Brignones italienisches Märchen
Nach einem schweren Sturz bei den italienischen Meisterschaften im April 2025 mit mehrfachen Frakturen und einem Kreuzbandriss glaubten viele an ein Karriereende für Federica Brignone. Doch die Italienerin kämpfte sich zurück. 315 Tage nach dem Sturz stand sie in Cortina d'Ampezzo im Zielraum – mit einer Goldmedaille um den Hals. „Nur schon hier zu sein, ist ein Wunder. Aber Olympiasiegerin? Damit hätte ich nie gerechnet“, sagte die 35-Jährige nach dem Gold im Super-G überglücklich. Wenige Tage später feierte die Kämpferin mit dem Tiger-Helm auch Gold im Riesenslalom und schrieb damit ein Olympia-Märchen für Italien.
Weitere bewegende Geschichten der Spiele
- Franziska Preuß' Nerven beim Biathlon: Die deutsche Biathletin scheiterte in Antholz wiederholt an ihren Nerven und kämpfte um den Traum einer Einzelmedaille. „Es wackelt nur noch“, sagte Preuß, die im Massenstart noch eine letzte Chance hatte.
- Atle Lie McGraths Flucht in den Wald: Nach einem Fahrfehler im Slalom warf der Norweger seine Skistöcke weg und stapfte zu Fuß in ein Waldstück. Später erklärte er, dass sein Großvater am Tag der Eröffnungsfeier gestorben war.
- Kirsty Coventrys Tränen nach Helm-Eklat: Die IOC-Präsidentin wurde emotional, als sie den Ausschluss des Ukrainers Wladislaw Heraskewytsch von den Skeleton-Rennen erklären musste, was zu einer ersten Krise ihrer Amtszeit führte.
- Lucas Pinheiro Braathens Gold für Brasilien: Der extrovertierte Ski-Star holte als Brasilianer die erste Medaille Südamerikas bei Winterspielen und feierte mit Samba-Bässen und Tränen.
- Tobias Wendl und Tobias Arlt als Rekord-Olympioniken: Das deutsche Duo krönte sich mit dem siebten gemeinsamen Olympiasieg seit 2014 zu Deutschlands erfolgreichsten Winter-Olympioniken.
Diese Olympischen Winterspiele in Italien boten eine Mischung aus Triumph und Tragödie, die die Herzen der Zuschauer weltweit berührte und unvergessliche Momente im Sport hinterließ.



