Nach Gold-Sensation: Deutsches Skisprung-Team verpasst Bronze hauchdünn bei Olympia
Der zweite große Coup ist dem deutschen Skisprung-Team bei den Olympischen Winterspielen in Predazzo nicht gelungen. Nach dem sensationellen Olympia-Gold für Philipp Raimund im Einzelwettbewerb reichte es im Mixed-Teamwettbewerb nur für Platz vier. Die deutsche Mannschaft verpasste damit eine weitere Medaille äußerst knapp.
Enttäuschung nach dem Goldrausch
Auf die Gold-Sensation folgte eine herbe Enttäuschung: Das deutsche Skisprungteam um Einzel-Olympiasieger Philipp Raimund hat eine Medaille im Mixed-Wettbewerb der Winterspiele nur knapp verpasst. Raimund, Felix Hoffmann, Selina Freitag und Agnes Reisch sprangen von der Normalschanze im italienischen Predazzo lediglich auf den vierten Platz.
Die Goldmedaille sicherte sich Slowenien mit den Geschwistern Prevc überlegen vor Norwegen und Japan. Das japanische Team lag nach acht Sprüngen lediglich 1,2 Punkte vor dem deutschen Quartett – ein hauchdünner Rückstand, der besonders schmerzt.
Deutsche Athleten analysieren die Leistung
„Es hätte im ersten Sprung ein bisschen mehr sein können. Wir haben es probiert, wir haben alles gegeben“, sagte Philipp Raimund im ZDF-Interview nach dem Wettkampf. Der frischgebackene Olympiasieger konnte nicht an seine herausragende Leistung vom Vortag anknüpfen.
Männer-Bundestrainer Stefan Horngacher erklärte rückblickend: „Bei uns ist leider nicht alles gelungen heute. Bei Philipp war der Tag lang“, und verwies damit auf den emotionalen Triumph Raimunds am Montag, der offenbar Kraft gekostet hatte.
Knapper Rückstand schmerzt besonders
Bereits nach dem ersten Durchgang waren die Aussichten auf ein zweites Skisprung-Gold innerhalb von 24 Stunden nur noch gering. Reisch (26), Hoffmann (28) und auch Raimund (25) gelangen trotz der Unterstützung durch die zahlreichen deutschen Fans ordentliche Sprünge, herausragend war allerdings niemand.
Selina Freitag (24), die im Einzelwettbewerb noch Platz sieben erreicht hatte, erwischte auf der kleinen Schanze keinen guten Versuch. „Ich habe im ersten einfach ein bisschen was liegen gelassen, was natürlich weh getan hat“, sagte die enttäuschte Springerin.
Felix Hoffmann fügte hinzu: „Dass am Ende noch so knapp geworden ist, macht es vielleicht noch bitterer“. Die deutsche Mannschaft musste zusehen, wie Japan sich mit minimalem Vorsprung die Bronzemedaille sicherte.
Slowenische Dominanz im Mixed-Wettbewerb
Als Viertplatzierter war der Rückstand auf Favorit Slowenien mit den Geschwistern Domen Prevc und Nika Prevc bereits deutlich. Die beiden dominierenden Athleten der Weltcup-Saison hatten in den jeweiligen Einzelwettbewerben noch einige Schwierigkeiten – Nika Prevc verpasste das erwartete Gold, Domen Prevc sprang sogar an einer Medaille vorbei.
Doch im Mixed-Wettbewerb waren die Slowenen zusammen mit Anze Lanisek und Nika Vodan nicht zu bezwingen und sicherten sich überlegen die Goldmedaille. Nika Prevc konnte sich damit nach Tränen-Silber im Einzel doch noch über Olympia-Gold freuen.
Keine Veränderungen im Finaldurchgang
Auch der Final-Durchgang brachte keine entscheidenden Veränderungen. Die deutschen Sprünge waren teilweise gut, den Rückstand konnten weder Reisch noch Hoffmann jedoch entscheidend verkürzen. „Ich habe nicht gezaubert, aber ich habe meine Leistung gebracht“, sagte Agnes Reisch selbstkritisch.
Selina Freitag konnte sich im Vergleich zum ersten Sprung immerhin verbessern. Philipp Raimund griff in seinem letzten Versuch noch einmal an, doch es wurde nichts mit einer Medaille für das deutsche Team.
Norwegen jubelt – mit besonderer Note
Norwegen jubelte über den zweiten Rang – mit einer besonderen historischen Note. Vor rund einem Jahr hatte es bei der Weltmeisterschaft einen Skandal gegeben: Marius Lindvik und Johann André Forfang waren wegen manipulierter Anzüge disqualifiziert worden.
Nach seinem Olympiasieg am Montag hatte Philipp Raimund erzählt, dass seine Freundschaft mit Lindvik im Zuge dieser Ereignisse kaputtgegangen sei. Nun sicherte ausgerechnet Lindvik den Skandinaviern eine Medaille von der Normalschanze.
Nächste Chance auf der Großschanze
Auf der Großschanze geht es erst am 14. Februar weiter. Philipp Raimund wollte sich daher am Dienstagabend auch noch das ein oder andere Bier gönnen, wie er zuvor angekündigt hatte. Doch dann richtet sich der Blick auf das zweite Einzelspringen, diesmal auf der Großschanze.
„Da ist er auch schon Dritter gewesen im Sommer. Die kann er auch“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher über weitere Medaillenchancen von Olympiasieger Raimund. Allerdings gilt der Slowene Domen Prevc am Samstag als großer Favorit für den Wettkampf auf der Großschanze.
Das deutsche Skisprung-Teum muss die Enttäuschung über den knapp verpassten Podestplatz nun verarbeiten, bevor die nächsten Wettkämpfe in Predazzo anstehen.



