Straßers vernichtendes Olympia-Fazit: „Für'n Arsch“ - Kritik an steriler Atmosphäre in Bormio
Straßer: Olympia in Bormio ist „für'n Arsch“

Straßers vernichtendes Olympia-Fazit: „Für'n Arsch“ - Kritik an steriler Atmosphäre in Bormio

Der deutsche Skirennfahrer Linus Straßer hat nach dem olympischen Slalom in Bormio ein vernichtendes Urteil über die Winterspiele 2026 gefällt. Mit einem neunten Platz und verpasstem Podest verabschiedete sich der 33-Jährige aus seiner Olympia-Karriere - doch sportliche Enttäuschung war nicht sein Hauptthema.

„Steriles Ding“ statt olympischem Flair

„Es ist für'n Arsch. Sagen wir, wie es ist“, lautete Straßers deutliche Bewertung der Spiele in Mailand und Cortina mit ihrem Ski-Ableger in Bormio. Der Routinier kritisierte insbesondere die fehlende emotionale Atmosphäre. Mit Tribünen in großer Entfernung und einer strikten Trennung zwischen Athleten und Fans sei Olympia deutlich weniger mitreißend als Weltcup-Klassiker wie Kitzbühel, Adelboden oder Schladming.

„Das willst du doch erleben und nicht so ein steriles Ding“, erklärte Straßer. In Bormio, wo bei diesen auf ganz Norditalien verteilten Winterspielen nur die alpinen Ski-Männer - und erst nach deren Abreise die Skibergsteiger - im Einsatz waren, sei kein olympisches Flair oder echtes Miteinander zu spüren gewesen.

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Container neben dem Friedhof statt olympischer Gemeinschaft

Wolfgang Maier, Sportvorstand des Deutschen Skiverbandes, teilte diese Kritik. „Bei der Eröffnungsfeier hat man gezeigt, wie man die olympischen Ringe zusammenführt und wie man Menschen verbindet über den Sport“, sagte der erfahrene Trainer und Funktionär. „Und jetzt sind wir hier in der Enklave und die Container stehen knapp neben dem Friedhof.“

Tatsächlich wurden das Zielstadion, die Presse- und Funktionärszelte sowie weitere Technik-Container in Bormio direkt neben einem Friedhof aufgebaut. In genau diese Richtung lief Straßer nach dem Rennen mit den Skiern über der Schulter, um seine Frau, die beiden Kinder und andere Verwandte zu treffen - die er im Zielbereich nicht in Sichtweite finden konnte.

Peking im Vergleich gar nicht so schlecht

Straßers Resümee fiel so bemerkenswert aus, dass er sogar die Olympischen Spiele 2022 in Peking positiv hervorhob. „Bormio zeigt mir eigentlich, dass Peking gar nicht so schlecht war“, sagte der Athlet des TSV 1860 München. „Das zwar mit Corona, das war ein bisschen anstrengend alles, aber wir waren in einem olympischen Dorf, Eiskanal-Athleten waren dabei, es war ein Riesen-Speisesaal, es war ein Miteinander.“

Besonders wurmte den Deutschen die räumliche Trennung von den Skirennfahrerinnen in Cortina, die mehr als fünf Autostunden entfernt waren. „Wie gern hätte ich mit der Emma die Medaille gefeiert“, bedauerte Straßer mit Verweis auf die Silbermedaille von Emma Aicher in der Abfahrt. „Mit der einmal anstoßen, das wäre cool gewesen.“

Verbotene emotionale Geste für Weggefährten

Bereits im ersten Durchgang hatte sich Straßer über die Olympia-Organisation geärgert, als ihm verboten wurde, im Ziel seinen guten Freund AJ Ginnis nach dessen letztem Rennen gebührend zu empfangen. „Das ist typisch Olympia, oder?“, kommentierte er. „Lasst doch einmal irgendwas... aber gut, alles für die Show, für die sterile.“

Im Skirennsport ist es üblich, dass Athleten nach ihren letzten Fahrten im Ziel von Weggefährten in Empfang genommen werden. Straßer kritisierte solch ein Verhalten der Olympia-Macher als „nicht würdig“ gegenüber den Sportlern.

Deutsche Medaillenflaute hält an

Sportlich fehlte Straßer im Slalom mehr als eine Sekunde auf den dritten Platz, den der Norweger Henrik Kristoffersen belegte. Sieger wurde der Schweizer Loic Meillard vor dem Österreicher Fabio Gstrein. Meillard holte damit seine dritte Medaille bei diesen Spielen und unterstrich nach WM-Gold vor einem Jahr seine aktuelle Dominanz im Torlauf.

Durch die verpasste Medaille hält die Durststrecke deutscher Ski-Männer bei Olympia weiter an. Markus Wasmeiers Doppel-Gold 1994 waren die bis dato letzten Medaillen eines männlichen deutschen Skirennfahrers bei Winterspielen. Doch solche Statistiken waren Linus Straßer an diesem Montag in Bormio herzlich egal - er wollte einfach nur weg von diesem Ort, der für ihn alles andere als olympisch war.

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