Skistar Straßer rechnet mit Olympia 2026 ab: „Für'n Arsch“
Der deutsche Skirennfahrer Linus Straßer hat nach seinem letzten olympischen Rennen ein vernichtendes Urteil über die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien gefällt. Der Münchner beendete den Slalom in Bormio auf dem neunten Rang und nutzte die Gelegenheit für eine deutliche Abrechnung mit dem olympischen System.
Sterile Atmosphäre statt olympischem Flair
„Es ist für'n Arsch. Sagen wir, wie es ist“, schimpfte der 33-Jährige unmittelbar nach dem Rennen. Straßer kritisierte vor allem die überregulierte Atmosphäre der olympischen Wettkämpfe, die seiner Meinung nach keine echten Emotionen zulasse. Im Vergleich zu legendären Ski-Klassikern wie Kitzbühel oder Adelboden fehle bei Olympia das Besondere.
„Das willst du doch erleben und nicht so ein steriles Ding“, erklärte der erfahrene Skifahrer. Die alpinen Ski-Männer waren in Bormio isoliert von anderen Sportarten untergebracht, was für viele Athleten und Betreuer eher an einen normalen Weltcup als an olympische Spiele erinnerte.
Vernichtender Vergleich mit Corona-Spielen
Besonders bemerkenswert ist Straßers Vergleich mit den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking, die unter strengen Corona-Bedingungen stattfanden. „Bormio zeigt mir eigentlich, dass Peking gar nicht so schlecht war“, meinte der Skifahrer.
Er erinnerte daran, dass die Spiele in China trotz Pandemie und ohne Zuschauer ein echtes olympisches Dorf, einen riesigen Speisesaal und ein Miteinander verschiedener Sportarten boten. Selbst diese eingeschränkte Erfahrung sei im Vergleich zu Bormio positiver gewesen.
Emotionen unerwünscht: Ginnis-Empfang verboten
Bereits im ersten Durchgang hatte sich Straßer über die strikten olympischen Regeln geärgert. Ihm wurde verboten, im Ziel seinen guten Freund AJ Ginnis nach dessen letztem olympischen Rennen angemessen zu empfangen.
„Das ist typisch Olympia, oder?“, kommentierte Straßer die Situation. „Lasst doch einmal irgendwas... aber gut, alles für die Show, für die sterile.“ Diese Episode steht beispielhaft für die von ihm kritisierte Emotionslosigkeit der Veranstaltung.
Distanz zu Familie und Fans
Besonders schmerzlich empfand Straßer die Distanz zu seinen engsten Vertrauten. Seine Frau und die beiden Kinder sowie weitere Familienmitglieder waren extra nach Bormio gereist, mussten aber weit entfernt von der Strecke stehen.
Zu sehen waren sie nicht – Straßer musste mit seiner Frau per Handy einen gemeinsamen Treffpunkt im Ort vereinbaren. Diese Erfahrung unterstreicht die von ihm kritisierte Entfremdung zwischen Athleten und ihrem persönlichen Umfeld bei den olympischen Spielen.
Die Kritik des erfahrenen Skifahrers wirft grundsätzliche Fragen zur Zukunft der Olympischen Winterspiele auf und zeigt, dass selbst Spitzensportler zunehmend mit der kommerzialisierten und regulierten Atmosphäre unzufrieden sind.



