Apple, bekannt für eine der robustesten Lieferketten der Welt, sieht sich nun mit erheblichen Kostensteigerungen bei Speicherchips konfrontiert. Konzernchef Tim Cook gab bekannt, dass man im laufenden Quartal mit „erheblich“ höheren Kosten für Speicher rechnen müsse. Diese Entwicklung sei auf die exorbitante Nachfrage nach Speicher für KI-Rechenzentren zurückzuführen, die bereits seit Monaten die Preise in die Höhe treibt. Ein Ende der Knappheit sei nicht absehbar, da der Aufbau neuer Kapazitäten Jahre dauere.
Doppelte Chip-Probleme bei Apple
Apple hat gleich mit zwei Chip-Problemen zu kämpfen. In den vergangenen Monaten unterschätzte der Konzern die Nachfrage nach iPhones und einigen Mac-Modellen, die Entwickler gerne für KI-Arbeiten nutzen. Cook erklärte, es werde Monate dauern, um die Nachfrage zu decken. Besonders das günstigere MacBook Neo verkaufte sich besser als erwartet. In Zeiten des KI-Booms findet selbst ein Großkunde wie Apple nicht schnell genug Kapazitäten für die Produktion der Chipsysteme, die als Gehirn der Geräte fungieren. Diese Engpässe bremsten das iPhone- und Mac-Geschäft in den vergangenen Monaten, so Cook.
Quartalszahlen zeigen Gewinnplus
Trotz der Herausforderungen verbuchte Apple bei den jüngsten Quartalszahlen kräftige Zuwächse. Der Gewinn stieg im Jahresvergleich um gut 19 Prozent auf 29,58 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 25,2 Milliarden Euro). Der iPhone-Umsatz wuchs um fast 22 Prozent auf knapp 57 Milliarden Dollar, verfehlte damit jedoch die Analystenerwartungen von durchschnittlich 57,2 Milliarden Dollar. Die Engpässe schienen für Anleger eine plausible Erklärung zu sein. Die Aktie, die zunächst leicht nachgab, notierte nach Cooks Erklärung rund drei Prozent im Plus. Der Konzernumsatz übertraf die Markterwartungen mit einem Plus von 17 Prozent auf 111,2 Milliarden Dollar. Ein großer Treiber war der Erlöszuwachs um 16 Prozent auf knapp 31 Milliarden Dollar im Dienstleistungsgeschäft, etwa mit Abos für Musik, Streaming-Video oder Speicherplatz.
Zoll-Rückzahlung und Zukunftsaussichten
Cook kündigte an, dass Apple eventuelle Rückzahlungen von US-Importzöllen in den USA investieren werde. Der Oberste Gerichtshof der USA hatte einem großen Teil der von Präsident Donald Trump verhängten Zölle die rechtliche Grundlage entzogen. Wann es Rückzahlungen geben könnte, ist jedoch unklar. Laut dem Investor und langjährigen Branchenanalysten Gene Munster könnte Apple etwa fünf Milliarden Dollar zurückbekommen.
Der bisherige Hardware-Manager John Ternus, der am 1. September den Chefposten von Cook übernehmen soll, hatte einen kurzen Auftritt in der Telefonkonferenz mit Analysten. Er versicherte, bei Finanzentscheidungen mit Bedacht vorzugehen. Ternus steht unter anderem vor der Aufgabe, die mit KI verbesserte Version der Sprachassistentin Siri auf die Geräte der Nutzer zu bringen. Cook bekräftigte, dass die Software in diesem Jahr eingeführt werden soll.



