Cyberangriffe auf Verwaltung: 100% Sicherheit gibt es nicht
Cyberangriffe: Verwaltung setzt auf KI und Backups

Die Bedrohung durch Cyberangriffe auf öffentliche Verwaltungen wächst stetig. Allein im Landkreis Uckermark gehen täglich rund 4000 E-Mails ein, etwa sieben Prozent davon sind Spam oder Phishing. Landrätin Karin Dörk (CDU) betont: „Schon eine einzige unerkannte Nachricht kann die Geschäftsabläufe massiv beeinträchtigen.“ Die Verwaltung betreibt rund 6000 Computer und Endgeräte sowie unzählige IP-Adressen – ein riesiges Einfallstor für Kriminelle.

80 Prozent Sicherheit, 20 Prozent Restrisiko

Viola Bettin, Informationssicherheitsbeauftragte der Kreisverwaltung, gibt eine realistische Einschätzung: „Unsere Systeme sind zu 80 Prozent sicher, ein Restrisiko bleibt immer.“ André Reichow, Leiter des Amtes für technische Dienste und Digitalisierung, ergänzt: „Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht.“ Täglich werden Daten mit Bürgern und Institutionen ausgetauscht, was zusätzliche Angriffspunkte schafft.

Landesweit zunehmende Gefahr

Brandenburgs Digitalminister Dr. Benjamin Grimm (SPD) warnte bereits Anfang des Jahres vor einer Zunahme von Cyberattacken auf Kommunen. Betroffen waren unter anderem Hoppegarten, Hohen Neuendorf, Lübben und das Amt Falkenberg-Höhe. In der Uckermark selbst legten Hacker 2021 das gesamte IT-System der Stadt Angermünde lahm – erst im Juni waren alle Systeme wiederhergestellt.

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Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind öffentliche Einrichtungen im Visier. 2024 wurde ein Ransomware-Angriff auf die Stadtverwaltung Bergen registriert, zwei DDoS-Angriffe trafen die Leitstelle Westmecklenburg und die Webpräsenz von Landesregierung und Polizei. Letzterer führte zu eingeschränkter Erreichbarkeit. 2025 wurde die Polizei-Website erneut attackiert, aber erfolgreich abgewehrt.

KI und mehrstufige Backups als Schutz

Der Landkreis Uckermark setzt auf mehrere Schutzmaßnahmen. Details werden aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht. Fest steht: „Wir nutzen Systeme, die Angriffe frühzeitig erkennen“, so Viola Bettin. Künstliche Intelligenz hilft dabei, verdächtige Aktivitäten zu identifizieren und deren Schwere einzuschätzen.

Die Zahl der Spam- und Phishing-Mails stieg von 2024 auf 2025 um 15 Prozent. Bislang blieb der Landkreis von erfolgreichen Angriffen ausländischer Hacker verschont – doch die Bedrohung durch Gruppen aus Russland, China, Nordkorea und Indien ist real. Deutschland und Frankreich gelten als häufige Ziele. Reichow ist überzeugt: „Mit unseren Systemen lassen sich viele Angriffe erkennen.“

Hohe Kosten bei Ausfällen

Laut Bitkom-Studie verursachten digitale und analoge Attacken auf deutsche Unternehmen 2024 Schäden von 266,6 Milliarden Euro – ein Anstieg um knapp 30 Prozent. Für die Kreisverwaltung wäre ein Totalausfall existenzbedrohend: „Im schlimmsten Fall wäre ein Millionenbetrag nötig, um die Systeme wiederherzustellen“, schätzt Reichow.

Der Landkreis investiert jährlich einen sechsstelligen Betrag in IT-Sicherheit. Unter anderem wurde ein mehrstufiges Backup-System aufgebaut, inklusive einer Direktleitung zu einem externen Standort. So können Daten nicht nur zusätzlich gesichert, sondern auch bei Bränden, Wasserschäden oder Gebäudeschäden wiederhergestellt werden.

Mitarbeiter als Schlüsselfaktor

Technik allein reicht nicht. „Unsere Leute müssen die Systeme verstehen, bedienen und im Alarmfall richtige Entscheidungen treffen“, betont Reichow. Die hohe Sensibilität der Mitarbeiter habe den Landkreis bislang vor Schaden bewahrt. „Ich bin sehr stolz auf ihre Einsatzbereitschaft und Flexibilität.“ In seinem Amt trägt er Verantwortung für 48 Mitarbeiter. Um mit technischem Fortschritt und Vernetzung Schritt zu halten, sucht der Landkreis ständig Fachkräfte – aktuell sind fünf Stellen offen.

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