Beste Pizza Münchens: Online-Expertin verrät die Tricks hinter den Google-Bewertungen
Sie suchen ein Lokal und Google nennt immer die gleichen Betriebe? Eine Marketing-Expertin aus Unterschleißheim verrät die Geheimnisse hinter den Rezensionen – und wie eine hilfreiche Nutzer-Kritik aussehen sollte.
Wer als Tourist in eine fremde Stadt kommt oder in der eigenen in einem neuen Viertel ein Restaurant sucht, greift oft zum Smartphone. Die Suche nach einer Trattoria oder einem Café in der Nähe liefert dann stets dieselben Empfehlungen. Doch das kleine griechische Lokal um die Ecke, das so gut schmeckt, wird oft erst nach langem Scrollen gefunden – wenn überhaupt. Schuld daran ist das Bewertungssystem von Google.
Katharina Vogt aus Unterschleißheim ist Expertin für Suchmaschinenmarketing und betreibt eine Online-Marketing-Agentur. Sie erklärt, warum manche Restaurants ganz oben stehen und andere untergehen. Laut Vogt ist es eine Mischung aus Algorithmus und bezahlten Anzeigen, die Betriebe in die Ergebnisse spült. Die Bewertungen, die Endnutzer schreiben, wirken sich direkt darauf aus, wie oft eine Gastronomie angezeigt wird – sowohl positiv als auch negativ.
Negative Bewertungen können auch nützen
Interessanterweise können selbst negative Kritiken einem Lokal nützen. Je mehr Bewertungen ein Restaurant oder Café hat, desto mehr Begriffe kann Google damit verknüpfen und desto häufiger wird es ausgespielt. Die Positivität der Bewertungen spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Sucht jemand nach glutenfreien Speisen, wird ein Lokal auch dann angezeigt, wenn es diese nicht auf der Karte hat, solange der Begriff in den Bewertungen vorkommt. Selbst die Verneinung – „Hat kein glutenfreies Essen“ – führt zur Anzeige. Das Ergebnis: Der Endverbraucher ist unzufrieden.
Vogt rät, in Rezensionen objektiv zu beschreiben, was gut war. Ein Beispiel: Schreibt jemand „beste Pizza Münchens“ und ein anderer „die Prosciutto-Pizza war ganz schlimm“, erkennt Google die Begriffe Prosciutto und Pizza. Bei der Suche nach „Pizzeria München“ werden beide Bewertungen ausgespielt. Je mehr ausführliche Bewertungen ein Restaurant hat, desto sichtbarer wird es.
In Touristenhochburgen wie München führt dies dazu, dass bekannte Lokale mit vielen Bewertungen nach oben schießen, selbst wenn der Durchschnitt nur drei Sterne beträgt. Der kleine Laden in der zweiten Reihe mit weniger Bewertungen zieht den Kürzeren. Vogt empfiehlt, weniger auf die Anzahl der Bewertungen zu achten, sondern mehr auf den Sterne-Schnitt.
Wie man dem Lokal etwas Gutes tut
Wer seinem Lieblingslokal mit einer Bewertung helfen möchte, sollte nur das beschreiben, was er wirklich gegessen hat und positiv bewerten möchte. Schon drei Bewertungen können Vertrauen aufbauen, weil Nutzer sehen, dass echte Menschen bewertet haben. Das bedeutet einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.
Kann ein Laden sogar existenzbedrohliche Probleme bekommen, wenn er bei Google nicht funktioniert? Ja, sagt Vogt. Ein Handwerker, der wenig Zeit für Netzwerken hat, bekommt schnell Schwierigkeiten, neue Anfragen oder Kunden zu generieren, wenn er bei Google nicht gefunden wird.
Fake-Bewertungen erkennen
Für Nutzer ist es wichtig, Fake-Bewertungen zu erkennen. Vogt empfiehlt, die Quellen zu prüfen: Sind es echte Menschen? Wirken die Benutzernamen komisch, etwa mit vielen Unterstrichen oder unleserlichen Schriftzeichen? Auch Bewertungen, die nicht zum Unternehmen passen – zum Beispiel ein Italiener, der für indisches Essen bewertet wird – sollten misstrauisch machen.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband weist auf weitere Anzeichen hin: sehr allgemeine Texte ohne konkrete Nutzungserfahrungen, glatte, fehlerfreie Sprache ohne persönliche Details, wiederkehrende Formulierungen oder gleiche Textbausteine. KI-Texte sind oft auffällig ausgewogen oder logisch widersprüchlich. Zudem werden auch echte, kritische Bewertungen gelöscht, wie der SWR berichtete. Zahlreiche Rechtsanwälte bieten an, Löschungen durchzusetzen.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband schränkt die Vertrauenswürdigkeit nahezu jeder Bewertungsform ein – ob Influencer (die Provision pro Klick oder Einkauf erhalten), andere Käufer (denen oft Fachwissen fehlt) oder Test-Portale (deren Bewertungen oft auf Herstellerangaben und Rezensionen beruhen).
Tipps für die Restaurantwahl
Wer zum ersten Mal in einer Stadt ist und ein gutes Lokal sucht, kann die Bewertungen nach den neuesten Rezensionen filtern. Google sortiert standardmäßig nach der beliebtesten oder als am wichtigsten eingeschätzten Bewertung, die auch Jahre alt sein kann. So lässt sich erkennen, ob sich nach Jahren mit Fünf-Sterne-Bewertungen in den letzten Monaten die schlechten Bewertungen häufen. Ein weiterer Tipp: Suchbegriffe eingeben, wie „glutenfrei“, und dann nach aktuellen Bewertungen suchen. Auch Kundenfotos können hilfreich sein.



