Im Oktober 1975 brachen sechs Männer an Bord des sowjetischen Frachters „Kapitan Markow“ in die Antarktis auf. Ihr Ziel war die Schirmacher-Oase, wo sie in der Nähe der sowjetischen Station „Nowolasarewskaja“ eine eigene Forschungsbasis der Akademie der Wissenschaften der DDR errichten sollten. Es war der Beginn der ersten Überwinterung deutscher Forscher in der Antarktis.
Die Station bestand aus 20-Fuß-Containern, die bereits in der Heimat vollständig ausgebaut waren. Die Module wurden auf Schlitten montiert und über das Eis gezogen. „In nur 74 Tagen, vom 6. Februar bis 20. April 1976, montierten wir die mitgebrachten Schlittenmodule zu einer funktionsfähigen Forschungsanlage“, erinnert sich Physiker Hartwig Gernandt, Leiter der ersten Überwinterung.
Das modulare Konzept war neuartig. „Dieses Konzept, eine Station aus Modulen, fertig ausgestattet zur Inbetriebnahme, auf Schlitten zum künftigen Standort zu transportieren und vor Ort zu montieren, war vor 50 Jahren ein neuer Ansatz“, so Gernandt. Die Station wuchs über die Jahre um weitere Container für Labore und eine Funkstation ab 1987.
Wissenschaftlich konzentrierten sich die Forscher zunächst auf Polarlichter und Funkwellen. Ab 1985 begann das Ozon-Messprogramm mit Ballonsonden. „Ein Zufallsbefund im ersten Untersuchungsjahr war die Entdeckung eines sogenannten 'Ozonlochs'“, schildert Gernandt. Die Messungen wurden zur längsten kontinuierlichen Ozonprofil-Aufzeichnungsreihe weltweit.
Nach der Wiedervereinigung übernahm das Alfred-Wegener-Institut die Verantwortung. Die Station wurde bis 1996 vollständig abgetragen und die Umwelt wiederhergestellt. Seit 2013 ist der Ort als historische Stätte des Antarktisvertrages anerkannt.
Zum 50. Jubiläum würdigt das Bundesfinanzministerium die Leistungen mit einer Sonderbriefmarke, die am 3. Juni 2026 in Potsdam präsentiert wird.



