Der französische Inlandsgeheimdienst DGSI wird künftig nicht mehr auf die Dienste des umstrittenen US-Tech-Unternehmens Palantir zurückgreifen. Premierminister Sébastien Lecornu verkündete diesen Schritt am Dienstag in einem Online-Video und betonte die Notwendigkeit, strategische Abhängigkeiten im digitalen Bereich zu vermeiden. Stattdessen investiert die französische Regierung 655 Millionen Euro in den Aufbau einer eigenen Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI). Diese Mittel fließen in Forschung, Unternehmen und Industriezweige.
Autonomie als Ziel
Lecornu erklärte, Frankreich dürfe nicht vom „guten Willen bestimmter Partner“ abhängig sein, die den Zugang zu KI-Anwendungen jederzeit sperren könnten. Das Ziel sei es, „echte Autonomie aufzubauen“. Die Entscheidung fiel kurz nachdem die US-Regierung das Unternehmen Anthropic angewiesen hatte, den Zugang zu seinen KI-Modellen Fable 5 und Mythos 5 für Nicht-US-Bürger zu blockieren. Anthropic reagierte, indem es den Zugang für alle Nutzer unterband, was in Frankreich Forderungen nach mehr Unabhängigkeit von den USA in der KI-Entwicklung verstärkte.
Kritik an Investitionshöhe
Der Vorsitzende des französischen Arbeitgeberverbands kritisierte die angekündigten Ausgaben als zu gering. Sie spiegelten „die sehr begrenzten Mittel wider, die Frankreich aufgrund des Zustands seiner öffentlichen Finanzen zur Verfügung stehen.“
Neue Partnerschaft mit Chapsvision
Lecornu kündigte zudem eine Zusammenarbeit mit dem französischen Unternehmen Chapsvision an, das KI-Anwendungen für europäische Unternehmen und Behörden entwickelt. Chapsvision wurde 2019 als Startup gegründet und erzielte 2025 einen Umsatz von 200 Millionen Euro. Das Unternehmen erklärte, dass künftig „zahlreiche Behörden – nicht nur das Innenministerium“ auf seine Dienste setzen würden. Medienberichten zufolge soll auch der deutsche Verfassungsschutz mit Chapsvision kooperieren.
Hintergrund zu Palantir
Palantir, spezialisiert auf Datenanalyse und KI, zählt Regierungen weltweit zu seinen Kunden. Mitbegründer ist der aus Deutschland stammende Techmilliardär Peter Thiel, ein Unterstützer von US-Präsident Donald Trump. Die Software des Unternehmens vereinheitlicht Daten und macht sie mittels KI sofort analysefähig. In Deutschland nutzen die Sicherheitsbehörden in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen Palantir-Software. Aktivisten warnen vor Datenschutzrisiken und Eingriffen in individuelle Freiheiten.
Europäische KI-Unabhängigkeit
Die großen KI-Modelle stammen derzeit überwiegend aus den USA, wo Milliarden in die Branche fließen. Die EU strebt zwar mehr Unabhängigkeit an, doch nach Einschätzung der EU-Kommission fehlen unter anderem die notwendigen Rechenzentren für KI.



