Der KI-Hype erreicht das Börsenparkett mit voller Wucht. SpaceX feierte vor einer Woche den größten Börsengang der Geschichte und nahm 75 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von rund 1,8 Billionen Dollar ein. Nun stehen die KI-Start-ups Anthropic und OpenAI in den Startlöchern, die vertrauliche IPO-Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht haben. Auch die KI-Suchmaschine Perplexity drängt an die Börse. Für Fondsmanagerin Laetitia-Zarah Gerbes von Acatis Investment ist dieser Ansturm ein klares Warnsignal.
Warum Unternehmen IPOs lieben
Unternehmen platzieren Börsengänge bevorzugt dann, wenn die Euphorie maximal und die Risikobereitschaft hoch genug ist, um astronomische Preise für Wachstumsfantasien zu bezahlen. Oft lässt die Marktkorrektur nicht lange auf sich warten. Gerbes erinnert an den IPO-Boom 2021 und die Rücksetzer 2022 sowie an die Internetblase 2000, als Firmen möglichst hohe Verluste machten, um schnell zu wachsen. Damals wie heute könnte die Realität die Wachstumsfantasien einholen.
Die Dimensionen der Mega-IPOs
Die Börsengänge von Anthropic und OpenAI könnten zusammen mit dem SpaceX-IPO dem Markt mehr als 200 Milliarden Dollar an Liquidität entziehen. Die summierte Marktkapitalisierung dieser Firmen würde drei bis fünf Billionen Dollar betragen – über fünf Prozent des gesamten S&P-500-Index. Es droht ein massives Überbewertungsrisiko. Die regelmäßige Veröffentlichung der Quartalsberichte nach dem Börsengang birgt erhebliches Volatilitätspotenzial für den gesamten KI-Zyklus.
Preisschlacht in China
Der Weg zur Profitabilität steht unter enormem Druck. In China haben ByteDance, Alibaba und Baidu bereits eine Preisschlacht entfacht und die Abrechnung pro Aufruf um bis zu 99 Prozent gesenkt. Dieser deflationäre Trend schlägt auch auf den Westen durch. Gleichzeitig explodieren die Hardware- und Rechenkosten für komplexe Abfragen. Während Unternehmenskunden verbrauchsabhängig pro Million Token zahlen, schrumpfen die Margen durch Preisverfall und Komplexität neuer Modelle.
Asymmetrie im Konsumenten-Geschäft
Dem steht das Konsumenten-Geschäft gegenüber. Verbraucher nutzen eine starre Pauschale oder greifen auf Gratisversionen zurück. Es herrscht eine fundamentale Asymmetrie: Die realen Erzeugungskosten spiegeln sich nicht im Preis wider. Mit dem Aufkommen von KI-Agenten wird die Token-Anzahl weiter exponentiell steigen.
Die meisten Aktien fallen nach dem IPO
Nachhaltig positive Cashflows fehlen. Anthropic erwartet vor 2028 keine schwarzen Zahlen. OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar äußerte intern bereits erhebliche Zweifel, ob das Umsatzwachstum jemals die horrenden Rechenzentrumsverpflichtungen decken kann. Langzeitstudien von Professor Jay Ritter zeigen: Über einen Dreijahreshorizont verliert der Median aller US-Tech-IPOs rund 31 Prozent seines Wertes gegenüber dem breiten Markt. Investmentbanken nutzen das Gelegenheitsfenster am zyklischen Hochpunkt, wenn die Stimmung euphorisch und die Bewertung maximal ausgereizt ist. Für Anleger bleibt nur das Abwärtsrisiko und die systematische Vernichtung von Kapital.
Acatis setzt auf messbare Werte
Wir bei Acatis bevorzugen messbare, echte Werte und Entwicklungen statt spekulatives Wunschdenken. Zwar sind wir im Acatis-Verbund seit 2016 bei Nvidia investiert, im Handelsblatt-Zukunftsdepot zur Auflage im Jahr 2021, es gibt aber einen Unterschied. Wir haben Nvidia nicht wegen einer vagen KI-Vision gekauft, sondern weil das Unternehmen schon damals hochprofitabel war und reale Cashflows aus dem Gaming- und Rechenzentrumssektor aufwies. Die Qualität war messbar und die Entwicklungen im KI-Bereich waren damals eine fantastische Zusatzoption obendrauf.
Bei SpaceX, Anthropic, OpenAI und Perplexity verhält es sich spiegelverkehrt zu Nvidia: Anleger kaufen eine teure Wette auf Unternehmen, die intransparente Investitionsverpflichtungen mit sich herumschleppen. Im Marktumfeld des Jahres 2026 ist die Generierung von freiem Cashflow das wichtigste Qualitätsmerkmal. Statt Kapital in spekulativen IPO-Luftschlössern zu verbrennen, bevorzugen wir daher Cash-Maschinen, die ihr Kapital effizient einsetzen oder an ihre Aktionäre zurückgeben.



