Putins Propaganda-Camps: Russlands Teenager trainieren für digitale Front
Putins Propaganda-Camps: Teenager trainieren für digitale Front

Mit Uniform, rotem Barett und Smartphone in der Hand: In Moskau lernen Teenager, wie man für den Kreml Stimmung im Netz macht. Russland baut seinen Nachwuchs an Pro-Kriegs-Influencern systematisch auf. Bei sogenannten Content-Camps sollen Jugendliche die harte, antiwestliche Linie des Kremls in die nächste Generation tragen.

Systematische Nachwuchsförderung für Online-Propaganda

Seit dem Einmarsch in die Ukraine 2022 kontrolliert Moskau massiv, welche Informationen im eigenen Land verbreitet werden. Kritik am Krieg steht unter Strafe. Ausländische Medien wurden ausgebremst, staatliche Stellen treiben ihre Agenda in Schulen und Gesellschaft voran. Soldaten besuchen Klassenzimmer und werben für den Kriegseinsatz. 2023 zitierte Kreml-Machthaber Wladimir Putin den ersten Reichskanzler des Deutschen Reiches Otto von Bismarck: „Kriege werden nicht von Generälen gewonnen, sondern von Schullehrern und Dorfpfarrern.“

In diese Kerbe schlägt auch ein neuer Plan des Kremls: Anfang April trafen sich in Moskau über 120 Jugendliche der Kreml-Jugendorganisation „Junarmija“ (Jugendarmee) in grünen Pullovern und roten Baretts zu einem Mediencamp. Soldaten und Reporter staatlicher Medien erklärten den 14- bis 16-Jährigen, wie man Videos produziert, künstliche Intelligenz einsetzt und Reichweite aufbaut. Das Ziel laut der Website von „Junarmija“: Die Jugendlichen sollen in Zukunft über die „wichtigsten patriotischen Ereignisse berichten“ und „Videos zur Unterstützung spezieller Militäroperationen drehen“ – gemeint ist damit Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine. Aktuell sollen schon mehr als 6000 sogenannte Reporter in ganz Russland berichten.

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Militärische Symbolik im Social-Media-Training

Aber auch sonst kommt der Bezug zum Krieg nicht zu kurz: In einem Werbevideo der Veranstaltung jubeln die Jugendlichen, als ein Kadett gegen Junarmija-Chef Wladislaw Golowin (28) antritt – immer gefilmt von den Jugendlichen. Die Aufgabe: Wer lädt ein Scharfschützengewehr schneller nach? Social-Media-Training direkt mit militärischer Symbolik.

Der britische Sicherheitsexperte Keir Giles (58) spricht von einer „konzentrierten Kampagne zur Wiederherstellung des Prestiges des russischen Militärs“. Die 14- bis 16-Jährigen seien „in einem Umfeld aufgewachsen“, in dem sie „nie etwas anderes als Putinismus kennengelernt haben“. Das sei „ihre Realität“. Deshalb dürfe man nicht überrascht sein, „wenn diese neuen Bemühungen zur Verbreitung von Informationen genau diese Realität widerspiegeln.“

Die Schulung junger Menschen für die digitale Front ist Teil einer umfassenden Strategie, die darauf abzielt, die nächste Generation auf die Unterstützung des Krieges einzuschwören. Die Jugendlichen werden nicht nur in der Produktion von Propagandainhalten geschult, sondern auch darin, wie sie diese Inhalte effektiv über soziale Medien verbreiten können. Dies geschieht in einem Umfeld, in dem abweichende Meinungen kaum geduldet werden und die staatliche Kontrolle über die Informationsflüsse nahezu lückenlos ist.

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