Streit um KI-Klausel: Deutsche Synchronsprecher boykottieren Netflix
Streit um KI-Klausel: Deutsche Synchronsprecher boykottieren Netflix

In der Filmbranche ist ein Grundsatzstreit über das Recht an der eigenen Stimme entbrannt. Viele deutsche Synchronsprecher arbeiten derzeit nicht mit Netflix zusammen, da der Streaming-Dienst eine neue KI-Klausel in Verträgen verlangt. Die Auswirkungen sind bereits hörbar: Bei der Ankündigung der Fortsetzung der Serie "Stranger Things" auf YouTube beschweren sich Fans über das Fehlen der bekannten deutschen Synchronstimmen.

Die Rolle von Jim Hopper wurde bisher von Peter Flechtner synchronisiert, der den neuen Vertrag nicht unterschreiben möchte. Laut Anna-Sophia Lumpe vom Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) sind schätzungsweise 80 Prozent der Synchronsprecher, die normalerweise für Netflix arbeiten, derzeit nicht im Studio. Auch Patrick Winczewski, die deutsche Stimme von Hugh Grant und Tom Cruise, hat bereits Projekte mit Netflix abgesagt. Er bezeichnet die Klausel als "Knebelvertrag", da die Sprecher keine Entscheidungsfreiheit hätten.

Die KI-Klausel erlaubt Netflix, Stimmaufnahmen zu Trainingszwecken in KI-Systeme einzuspeisen. Die Synchronsprecher befürchten einen Kontrollverlust über ihre Stimme, die ihr wichtigstes Arbeitsmittel ist. Winczewski betont, dass es nicht um eine grundsätzliche Ablehnung von KI gehe, sondern um Kontrolle und Mitsprache. Die Sprecher fordern das Recht, selbst zu entscheiden, ob ihre Stimme für KI-Training genutzt wird, und eine Vergütung für die Nutzung.

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Der VDS fordert einen Lizenzmarkt für KI-Training: Vergütung für die Nutzung der Stimme und das Recht, diese explizit zu verweigern, ohne berufliche Nachteile. Bisher wurde den Sprechern eine Vergütung nur in Aussicht gestellt, wenn ihre KI-generierte Stimme tatsächlich eingesetzt wird. Viele Sprecher sehen dies als unzureichend an, da bereits die Bereitstellung der Stimme einen Mehrwert für das Unternehmen darstelle.

Ein Netflix-Sprecher teilt mit, die Diskussionen würden ernst genommen. Bisher sei noch kein Titel ohne deutsche Synchronisation veröffentlicht worden, und man gehe nicht davon aus, dass sich dies in naher Zukunft ändere. Gleichzeitig hat Netflix laut einem Bericht von DWDL.de in einem Schreiben an Synchronsprecher davor gewarnt, bei anhaltendem Boykott auf deutsche Untertitel zurückgreifen zu müssen. Synchronsprecher Patrick Winczewski beschreibt den Druck als enorm, da er für seine Familie sorgen müsse.

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