Millionenförderung für elektrisch aktive Implantate: Uni Rostock forscht an Zukunft der Gelenktherapie
Die Menschen werden immer älter, und mit ihnen verschleißen die Gelenke. Ob Hüfte, Knie oder Schulter – der fortschreitende Verschleiß verursacht oft erhebliche Schmerzen und schränkt die Lebensqualität ein. An der Universitätsmedizin Rostock arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an einer innovativen Lösung: elektrisch aktive Implantate, die regenerative Prozesse im Körper beschleunigen sollen. Dieses zukunftsweisende Forschungsvorhaben erhält nun eine substanzielle finanzielle Unterstützung.
12 Millionen Euro für die letzte Förderperiode
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt die Forschungsarbeiten für neuartige Implantate an der Universitätsmedizin Rostock in den kommenden dreieinhalb Jahren mit rund 12 Millionen Euro. Der Sonderforschungsbereich (SFB) „Elaine“, was für „Elektrisch Aktive Implantate“ steht, startet damit offiziell in seine dritte und letzte Förderphase, die bis zum Jahr 2029 andauern wird. Über die gesamte Laufzeit des Projekts, das im Jahr 2017 begann, fließen insgesamt 37 Millionen Euro an DFG-Fördermitteln, wovon 34,5 Millionen Euro direkt an die beteiligten Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern gehen.
Wissenschaftsministerin Bettina Martin (SPD) betonte anlässlich des Starts der neuen Förderperiode: „Elaine ist das Leuchtturm-Projekt der sich rasant entwickelnden Medizintechnik an der Universität und Universitätsmedizin Rostock.“ Rund 80 Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Disziplinen wie Medizin, Biologie, Elektrotechnik und Ingenieurwissenschaften sind an diesem interdisziplinären Projekt beteiligt.
Innovative Ansätze für patientenspezifische Therapien
Das Team arbeitet bereits seit acht Jahren an der Entwicklung elektrisch aktiver Implantate. Diese sollen durch gezielte elektrische Stimulation regenerative Prozesse im Körper beschleunigen und damit innovative Wege für patientenspezifische Therapien eröffnen. Die potenziellen Anwendungsgebiete sind vielfältig:
- Behandlung von Knochen- und Knorpeldefekten, beispielsweise am Kniegelenk
- Tiefe Hirnstimulation zur Therapie neurologischer Erkrankungen wie Parkinson und Dystonie
Im Hinblick auf die alternde Gesellschaft gewinnen derartige intelligente Implantate zunehmend an Bedeutung. Sie könnten nicht nur die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten verbessern, sondern auch langfristig die Gesundheitskosten senken.
Praktische Forschung mit vielversprechenden Ergebnissen
Die Forschungsarbeiten sind bereits weit fortgeschritten. So wurde im Rahmen des Projekts „Elaine“ an der Unimedizin Rostock ein Test-Implantat aus Titan am Kieferknochen eines Hausschweins hergestellt. Solche Versuche sind von großer Bedeutung, um die Wirksamkeit und Sicherheit der elektrisch aktiven Implantate zu überprüfen. Die Forscherinnen und Forscher setzen dabei auf einen interdisziplinären Ansatz, der medizinisches Know-how mit ingenieurwissenschaftlicher Expertise verbindet.
Die kontinuierliche Förderung durch die DFG unterstreicht die nationale Bedeutung dieses Forschungsvorhabens. Mit den nun bereitgestellten Mitteln kann das Team seine Arbeiten intensivieren und die Entwicklung hin zu marktreifen Lösungen vorantreiben. Für die Universitätsmedizin Rostock festigt dieses Projekt ihren Ruf als führendes Zentrum für medizintechnische Innovationen in Norddeutschland.



