Medizinischer Meilenstein: Krebs-Operation über 2000 Kilometer Entfernung
In einem bahnbrechenden medizinischen Eingriff hat der britische Chirurg Professor Prokar Dasgupta einen 62-jährigen Prostatakrebs-Patienten aus einer Entfernung von rund 2000 Kilometern operiert. Während der Patient Paul Buxton im Operationssaal in Gibraltar lag, steuerte der Mediziner den Eingriff bequem von seiner Londoner Klinik aus.
Historische Premiere in der britischen Medizin
Bei dem am 12. Februar durchgeführten Eingriff handelte es sich um die erste ferngesteuerte Langstrecken-Operation Großbritanniens an einem lebenden Patienten. Der Urologe entfernte dem im britischen Überseegebiet lebenden Buxton erfolgreich die Prostata, ohne dass dieser für die Behandlung nach London reisen musste.
Ohne diese innovative Technologie hätte Buxton zunächst auf einer Warteliste des britischen Gesundheitssystems NHS landen und mehrere Wochen in der Hauptstadt verbringen müssen. Dank der Robotertechnik konnte er stattdessen auf der Halbinsel am südlichen Ende Spaniens bleiben und dennoch von einem der führenden Londoner Spezialisten behandelt werden.
So funktioniert die revolutionäre Roboter-OP
Professor Dasgupta steuerte von seiner Londoner Klinik aus über das sogenannte Toumai-Robotic-System einen Operationsroboter mit 3-D-HD-Kamera und vier Armen. Die Verbindung zwischen der Konsole in Großbritannien und dem Roboter in Gibraltar wurde über hochmoderne Glasfaserverbindungen hergestellt, mit einer zusätzlichen 5G-Verbindung als Absicherung.
Während des gesamten Eingriffs stand ein medizinisches Team in Gibraltar bereit, falls die Technik versagt hätte. Doch die Verbindung hielt zuverlässig, wie Dasgupta betont. So entspannt war die Situation für den Chirurgen, dass er während der Operation nebenbei an seinem Tee nippen konnte.
„Es fühlte sich fast so an, als wäre ich dort gewesen“, beschrieb der Mediziner später seine Erfahrung. Für ihn stellt diese Technik einen medizinischen Durchbruch dar: „Sie erlaubt uns, weit entfernte Patienten zu behandeln, indem wir buchstäblich den besten Chirurgen überallhin bringen können.“
Weitere Tests und internationale Präsentation geplant
Der Eingriff im Februar war der erste von zwei geplanten Tests. Bereits am 4. März wurde ein weiterer Patient in Gibraltar auf dieselbe Weise operiert. Für den 14. März plant Dasgupta einen weiteren Eingriff, der live zu 20.000 führenden urologischen Chirurgen beim Kongress der European Association of Urology übertragen werden soll.
Historischer Hintergrund und Zukunftsperspektiven
Die erste Langstrecken-Operation gelang bereits im Jahr 2001 in den USA, als der Chirurg Jacques Marescaux von New York aus einer Patientin in Straßburg die Gallenblase entfernte. Bis 2035 sollen allein in Großbritannien jährlich 500.000 Operationen mit Roboterunterstützung durchgeführt werden – wenn auch überwiegend vor Ort.
Doch Professor Dasgupta ist überzeugt, dass die ferngesteuerte Langstrecken-OP künftigen Patienten die „enormen Kosten und Unannehmlichkeiten“ von Reisen zur Behandlung ersparen kann. Besonders Menschen in abgelegenen Regionen ohne Zugang zu Spezialkliniken könnten so deutlich besser versorgt werden.
Diese medizinische Innovation markiert einen wichtigen Schritt in der Telechirurgie und könnte die Art und Weise, wie spezialisierte medizinische Versorgung weltweit bereitgestellt wird, nachhaltig verändern.



