Innovative Therapie gegen Inkontinenz im Müritz-Klinikum Waren
Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Blasen- oder Darminkontinenz, ein Thema, das trotz seiner weiten Verbreitung häufig tabuisiert wird und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Im Müritz-Klinikum in Waren wird nun eine fortschrittliche Therapieform eingesetzt, die Betroffenen neue Hoffnung geben soll: die Sakrale Neuromodulation (SNM).
Moderne Medizintechnik für mehr Lebensqualität
Die Sakrale Neuromodulation gilt als innovativer Therapieansatz bei Funktionsstörungen des Beckenbodens. Dabei wird ein implantierter Schrittmacher verwendet, der Nerven im Kreuzbeinbereich stimuliert, die für die Kontrolle von Darm und Blase verantwortlich sind. Jenny Thoma, Assistentin der Geschäftsführung beim Medi-Clin Müritz-Klinikum, beschreibt dieses Verfahren als einen Weg zurück in ein aktives Leben für Menschen mit schweren Inkontinenzproblemen.
Erste Erfolge wurden bereits verzeichnet: Zwei Patienten mit schwerer Stuhlinkontinenz konnten im Müritz-Klinikum erfolgreich behandelt werden. Unter der Leitung von Oberarzt John Töpfer aus der Klinik für Chirurgie erhielten sie nach einer positiven Teststimulation einen sakralen Nervenschrittmacher und berichteten anschließend von einer spürbaren Verbesserung ihrer Lebensqualität.
Hohe Dunkelziffer und regionale Bedeutung
Oberarzt John Töpfer betont die hohe Dunkelziffer bei Inkontinenz: "In Deutschland leiden schätzungsweise fünf Millionen Menschen an einer Stuhlinkontinenz, Frauen deutlich häufiger als Männer. Auch in Mecklenburg-Vorpommern trauen sich viele Betroffene nicht, darüber zu sprechen – obwohl es gute und wirksame Behandlungsmöglichkeiten gibt." Das Müritz-Klinikum gehört zu den wenigen Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern, die diesen spezialisierten Eingriff anbieten.
Das eingesetzte Interstim-X-System ermöglicht es Patienten, ihren Schrittmacher über ein Smartphone selbst zu steuern. Die Geräte haben eine Lebensdauer von etwa zehn Jahren und können bei Bedarf ausgetauscht werden, was eine langfristige Lösung darstellt.
Interdisziplinäre Betreuung im Beckenboden-Zentrum
Neben John Töpfer betreut im Beckenboden-Zentrum des Klinikums auch die Leitende Oberärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Dr. Nadine Schadow, Patientinnen, die aus gynäkologischer Sicht für eine sakrale Neuromodulation infrage kommen. Beide Ärzte sehen großes Potenzial für die Zukunft und möchten das Verfahren stärker publik machen.
Dr. Nadine Schadow erklärt: "Der Bedarf an Aufklärung über Kontinenz- und Blasenentleerungsstörungen, an fachgerechter Diagnostik, Beratung und Therapieangeboten reicht weit über unsere Region hinaus. Blasenschwäche und Stuhlinkontinenz sind behandelbar."
Die Sakrale Neuromodulation bietet somit eine vielversprechende Option für Menschen, die unter den Folgen von Inkontinenz leiden, und trägt dazu bei, das Tabu um dieses weit verbreitete Gesundheitsproblem zu brechen.



