Autonomer Einkaufshelfer: Roboter liefert in Hamburg aus
Surrend rollt der Lieferroboter über den Gehweg im Hamburger Stadtteil Barmbek. Passanten bleiben stehen, einige lächeln, andere staunen über das ungewöhnliche Gefährt. Besonders Aufmerksamkeit erregt der Roboter, wenn er plötzlich „Hallo“ sagt oder sich für freie Wege bedankt. Bei „Lieferbot 2.0“ handelt es sich um ein Pilotprojekt des Supermarktriesen Rewe, das in Deutschland bisher einzigartig ist.
Technische Details des autonomen Lieferwagens
Der 38 Kilogramm schwere Roboterwagen bewegt sich mit knapp sechs Kilometern pro Stunde durch die Straßen Hamburgs. Ausgestattet mit zwölf Kameras, einer umfangreichen Sensorsuite, Radar und Time-of-Flight-Technologie (TOF) scannt er kontinuierlich seine Umgebung. Künstliche Intelligenz analysiert die Daten in Echtzeit und lenkt das Fahrzeug sicher ans Ziel. Der Roboter erkennt Hindernisse wie Mülltonnen, hält an roten Ampeln und überquert Straßen nur bei grünem Licht.
Für bessere Sichtbarkeit verfügt das Gefährt über zwei Lampen und eine orangefarbene Markierung. Der Akku hält bis zu 18 Stunden, die Technologie stammt vom Unternehmen Starship. Rund 10.000 Haushalte im zwei Kilometer-Umkreis des Rewe-Marktes Holsteinischer Kamp in Barmbek können den Service montags bis samstags von 8 bis 21 Uhr nutzen.
So funktioniert der Lieferdienst
Der Roboter trifft in der Regel innerhalb von 30 bis 45 Minuten nach Bestellung ein. Geliefert werden Obst, Gemüse, Backwaren, Milchprodukte und Trockenwaren. Auch alkoholische Getränke und Tabakwaren sind erhältlich, allerdings nur gegen Vorlage eines Altersnachweises bei der Übergabe. Die erste Bestellung wird kostenlos ausgeliefert, ab der zweiten Lieferung fallen 1,99 Euro Gebühr an. Bei einem Einkaufswert von mindestens 35 Euro entfällt die Liefergebühr, der Mindestbestellwert liegt bei 10 Euro.
Das Transportfach des Roboters bleibt während der Fahrt verschlossen und kann erst am Zielort per Smartphone entsperrt werden. Wird das Fahrzeug angehoben oder manipuliert, löst es sofort Alarm aus.
Politische Reaktionen und Konkurrenz
Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) zeigt sich begeistert: „Der Rewe-Lieferbot zeigt, wie Innovation direkt auf den Bürgersteig kommt. In Hamburg werden Zukunftsideen umgesetzt – hier wird nicht nur über Innovation gesprochen, hier fährt sie durch die Stadt.“
Andere Supermarktketten verfolgen unterschiedliche Strategien. Edeka setzt aktuell auf den Partner Picnic für Lieferdienste, während Aldi Nord betont, weiterhin stationärer Lebensmitteleinzelhändler bleiben zu wollen. Kaufland prüft zwar digitale Neuerungen, plant aber derzeit keinen Einsatz von Lieferrobotern.
Das Hamburger Pilotprojekt demonstriert, wie sich die letzte Meile der Lebensmittellieferung durch autonome Technologie verändern könnte. Während der Roboter weiterhin Aufmerksamkeit auf Hamburgs Gehwegen erregt, testen die Verantwortlichen, wie sich der Service im Alltag bewährt.



