Riesenskorpion Praearcturus gigas: So groß wie ein Labrador
Riesenskorpion: So groß wie ein Labrador

Ein Forschungsteam um Richard J. Howard hat die Fossilien des Praearcturus gigas neu untersucht und zweifelsfrei als einen der größten Skorpione der Erdgeschichte identifiziert. Der riesige Gliederfüßer lebte vor rund 415 Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Englands und Wales. Mit einer Länge von etwa einem Meter und allein 16 Zentimeter langen Scheren war er so groß wie ein Labrador und deutlich größer als heutige Skorpione. Zum Vergleich: Der indische Walskorpion erreicht maximal 23 Zentimeter. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Palaeontology“ veröffentlicht.

Jahrzehntelange Fehldeutung als Riesenassel

Die Fossilien von Praearcturus gigas lagerten seit dem 19. Jahrhundert im Natural History Museum in London. Der britische Forscher Henry Woodward beschrieb die Art 1871 erstmals, hielt sie jedoch nicht für einen Skorpion, sondern für ein riesiges, asselähnliches Krebstier. Diese Fehldeutung spiegelt sich bis heute im Namen wider: Arcturus bezeichnet eine Gruppe lebender Asseln. Erst in den 1980er Jahren kam der Verdacht auf, dass es sich um einen Skorpion handeln könnte. Der Nachweis war jedoch schwierig, da nur einzelne Fragmente erhalten waren und der typische Skorpionschwanz fehlte.

Entscheidender Hinweis durch kanadischen Fund

Die Wende brachte ein anderer Fossilfund: 2015 wurde in Kanada der urzeitliche Skorpion Eramoscorpius beschrieben, dessen Körper deutlich besser erhalten ist. Howard zufolge besitzt Eramoscorpius ein längliches, dreieckiges Brustschild mit einer Rinne in der Mitte an der Unterseite des Vorderkörpers. Ein vergleichbares Merkmal fanden die Forschenden auch bei Praearcturus. Für Howard ist das der entscheidende Hinweis. Die Ähnlichkeit zeige „beyond doubt“, also ohne ernsthaften Zweifel, dass Praearcturus tatsächlich ein Skorpion gewesen sein müsse.

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Bedeutung für die Evolution der Skorpione

Howard betont, dass dieser Befund den Blick auf die Evolution der Skorpione verändert. Wer an riesige Gliederfüßer denke, habe meist die gigantischen Tausendfüßer oder Libellen des Karbonzeitalters vor Augen. „Doch diese Arten lebten mindestens 55 Millionen Jahre nach Praearcturus“, so Howard. Der Riesenskorpion gehört in eine viel frühere Phase der Erdgeschichte, als das Festland biologisch noch kaum erschlossen war. Große Räuber gab es offenbar kaum, sodass Praearcturus eine ökologische Nische fast ohne Konkurrenz besetzte.

Lebensraum zwischen Wasser und Land

Unklar bleibt, ob Praearcturus überwiegend an Land oder teilweise im Wasser lebte. Die Forschenden vermuten, dass frühe Skorpione in einer Übergangsphase zwischen beiden Lebensräumen standen. Howard vermutet, dass solche Tiere einen Teil ihres Lebens im Wasser jagten, um größere Beute wie Fische zu finden. Hinweise liefern Fossilien aus Wales mit lappenartigen Strukturen, sogenannten Epimera, die auch von Hummern und Krabben bekannt sind. Sie könnten auf eine stärkere Anpassung ans Wasser hindeuten.

Mögliche Existenz über 40 Millionen Jahre

Fossilfragmente deuten laut Natural History Museum darauf hin, dass Praearcturus möglicherweise noch über einen Zeitraum von mindestens 40 Millionen Jahren existierte. Spätere Funde aus Portishead in North Somerset werden allerdings nur vorsichtig mit dem Riesenskorpion in Verbindung gebracht. Dennoch zeigt der Befund, wie verbreitet frühe Skorpione gewesen sein könnten – lange bevor andere bekannte Riesen der Gliederfüßer die Erde bevölkerten.

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