Gift-Gefahr statt Badespaß: Grünower See soll durch Umbau gerettet werden
Gift-Gefahr statt Badespaß: See-Umbau geplant

Gift-Gefahr statt Badespaß: Wie der See wieder zum Paradies werden soll

Die Idylle am Jugendwaldheim Steinmühle trügt. In jedem Sommer muss damit gerechnet werden, dass der Grünower See, an dessen Ufer das Heim liegt, von giftigen Blaualgen überzogen wird. Denn in den See gelangen seit Jahren zu viele Nährstoffe.

Grabensystem speist den See

Das liegt auch an der Entstehungsgeschichte des Sees, der kein natürliches Gewässer ist. Der See entstand im 15. Jahrhundert, als hier die Wassermühle errichtet wurde, wie Carpins Bürgermeister Claus Weber erklärt. „Um ausreichend Wasser auf dem Mühlrad zu haben, wurden viele weitere Feuchtgebiete durch ein eigens dafür geschaffenes Grabensystem an den Grünower See angeschlossen. Später kamen weitere Entwässerungen von den oberhalb gelegenen Feldfluren dazu“, beschreibt er.

Schätzungsweise sechzig Prozent des Wassers gelange über Dränagenleitungen von den Feldern in den See. „Und genau das ist das Problem, womit dieser See seit Jahrzehnten belastet wird“, macht Weber deutlich.

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Fördermittel für Seesanierung beantragt

Dem soll mit mehreren Baumaßnahmen begegnet werden. Sie sind Teil eines umfangreichen Sanierungsplanes, der vom Land zu hundert Prozent finanziell gefördert wird. Die Gemeinde Carpin hat für eine von insgesamt vier Baumaßnahmen kürzlich die Fördermittel beantragt.

Der Antrag ist wie folgt überschrieben: „Modifizierung der Einleitung des Godendorfer Mühlenbaches und Phosphatfällung bei Bergfeld“. Was darunter zu verstehen ist, beschreibt Bürgermeister Claus Weber so: „Das Bachbett wird aufgeweitet, um die Fließgeschwindigkeit zu verringern. So können sich Nitrat- und Phosphatbestandteile ablagern und gelangen nicht mehr in den Grünower See“, sagt er. Die weiter oberhalb – bei Bergfeld – aufgestellte Fällstation befördere diesen Prozess zusätzlich. Denn hier werden dem Wasser spezielle Fällmittel beigesetzt.

Land, Bund und EU zahlen

Für beide Maßnahmen hat die Gemeinde 168.000 Euro in ihrem aktuellen Haushalt als Ausgabe vorgesehen. „Wir orientieren uns an den ersten Kostenschätzungen. Ob das Geld letztlich ausreicht, wird sich zeigen. Aber wir bekommen es vom Land, vom Bund und der EU erstattet“, sagt Weber. Ein entsprechender Antrag sei beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) der Seenplatte eingereicht worden. Die Bewilligung werde derzeit vorbereitet, wie Amts-Chef Christoph Linke auf Nordkurier-Nachfrage bestätigte.

Die Gemeinde Carpin hat noch einiges an Hausaufgaben zu erledigen, bevor die Bagger tatsächlich anrollen können. So stehen noch die wasserrechtlichen Genehmigungen aus. Auch die konkreten Bauplanungen sind noch in Arbeit. Im StALU geht man davon aus, dass „bei dem aktuellen Stand“ im Jahr 2027 mit der Umsetzung gerechnet wird.

Für die anderen drei Maßnahmen zur Sanierung des Grünower Sees – die Errichtung eines Filtergrabens, der Rückbau von Verrohrungen sowie die Abkoppelung des Plansees oberhalb von Ollendorf – seien noch keine Fördermittelanträge gestellt worden, heißt es aus dem StALU.

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