Polens neues Pfandsystem: Was deutsche Besucher jetzt wissen müssen
Wer in naher Zukunft eine Reise nach Polen plant, sollte sich über eine bedeutende Neuerung im Nachbarland informieren. Seit dem 1. Oktober 2025 ist in Polen ein umfassendes Pfandsystem für Getränkeverpackungen in Kraft getreten. Diese Regelung betrifft nicht nur polnische Bürger, sondern ausdrücklich auch deutsche Pendler, Urlauber und Shopping-Gäste, die das östliche Nachbarland besuchen.
So funktioniert das polnische Pfandsystem im Detail
Das sogenannte System kaucyjny sieht für verschiedene Getränkeverpackungen unterschiedliche Pfandbeträge vor. Auf Einweg-PET-Flaschen mit einem Fassungsvermögen bis zu drei Litern sowie auf Metalldosen bis zu einem Liter wird ein Pfand in Höhe von 50 Groszy erhoben, was ungefähr zwölf Eurocent entspricht. Für Mehrwegflaschen aus Glas mit einem Volumen bis zu 1,5 Litern beträgt der Pfandbetrag einen Zloty, etwa 24 Eurocent.
Die Rückgabe der leeren Verpackungen ist an mehreren Stellen möglich:
- In Lebensmittelmärkten mit einer Verkaufsfläche von mehr als 200 Quadratmetern, die Getränke in pfandpflichtigen Verpackungen anbieten
- In kleineren Geschäften unter 200 Quadratmetern, die Getränke in Mehrwegflaschen aus Glas verkaufen (derzeit hauptsächlich Bierflaschen)
- An speziellen Rückgabeautomaten, den sogenannten Butelkomaten, die auch außerhalb von Geschäften aufgestellt werden können
Für die Rückgabe ist kein Kassenzettel erforderlich. Entscheidend ist jedoch, dass die Flaschen und Dosen das offizielle polnische Pfandsymbol tragen, das auf den Verpackungen deutlich sichtbar angebracht ist.
Hintergrund und Ziele der neuen Regelung
Die Einführung des Pfandsystems in Polen basiert auf der EU-Richtlinie 2019/904 zur Reduzierung der Umweltauswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte. Polnische Umweltbehörden erhoffen sich von der Maßnahme mehrere positive Effekte:
- Eine deutliche Einsparung von Ressourcen durch reduzierte Neuproduktion von Verpackungen aus Kunststoff, Aluminium und Glas
- Eine sauberere Umwelt mit weniger weggeworfenen Flaschen und Dosen in Parks, Wäldern und an Gewässern
- Eine höhere Recyclingquote und damit verbunden eine Reduzierung des Abfallaufkommens
Die polnische Vizeministerin für Klima und Umwelt, Anita Sowińska, betonte bei der Vorstellung des Systems, dass damit ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft getan werde. Bereits im Vorfeld der offiziellen Einführung gab es in verschiedenen Supermärkten Testläufe mit Rückgabeautomaten, sodass das Verfahren vielen polnischen Verbrauchern nicht völlig unbekannt sein dürfte.
Praktische Auswirkungen für deutsche Besucher
Für deutsche Pendler, die regelmäßig nach Polen fahren, sowie für Urlauber und Shopping-Touristen bedeutet die neue Regelung:
- Beim Kauf von Getränken in Polen fallen zusätzliche Pfandkosten an, die bei Rückgabe erstattet werden
- Die Rückgabe muss in Polen erfolgen – eine Rückgabe in Deutschland ist nicht möglich
- Besonders bei kurzen Besuchen oder Einkaufstouren ist die Rückgabeplanung wichtig
- Das Pfandsymbol auf den Verpackungen sollte vor dem Kauf überprüft werden
Das polnische Ministerium für Klima und Umwelt weist darauf hin, dass das System langfristig zu einer spürbaren Verbesserung der Umweltqualität beitragen soll. Ähnliche Systeme haben sich in Deutschland bereits seit Jahren bewährt und zu deutlich höheren Rücklaufquoten bei Getränkeverpackungen geführt.



