Brandenburg baut weltweit höchstes Windrad: 365-Meter-Turm in der Lausitz entsteht
Brandenburg baut weltweit höchstes Windrad in Lausitz

Weltrekord in Brandenburg: Höchstes Windrad der Welt wächst in der Lausitz

Auf der ehemaligen Tagebau-Hochkippe bei Schipkau im Oberspreewald-Lausitz vollzieht sich derzeit eine technologische Revolution. Wo einst Braunkohlebagger die Landschaft prägten, erhebt sich nun ein Bauwerk der Superlative: das weltweit höchste Windrad, das mit seiner innovativen Konstruktion neue Maßstäbe in der Windenergienutzung setzen wird.

Ingenieurleistung mit Budget von bis zu 30 Millionen Euro

Rund 30 Monteure, Ingenieure und Techniker arbeiten unter der Leitung der Dresdner Firma Gicon an diesem wegweisenden Projekt. Im Auftrag der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) realisieren sie mit einem Budget von 20 bis 30 Millionen Euro einen einzigartigen Forschungsturm, der die Windenergienutzung revolutionieren könnte. Professor Jochen Großmann, der das Projekt leitet, betont die bahnbrechende Bedeutung dieser Entwicklung für die erneuerbaren Energien in Deutschland.

Innovative Doppelturm-Konstruktion ermöglicht 365 Meter Höhe

Das Geheimnis hinter dem Weltrekord liegt in einer raffinierte Bauweise: Ein breiter Außenturm umschließt einen schlanken, beweglichen Innenturm, der auf einem tiefen Betonfundament ruht. Während herkömmliche Kräne maximal 180 Meter Höhe erreichen, ermöglicht diese Technik eine Nabenhöhe von beeindruckenden 300 Metern. Bei einer Bauhöhe von 150 Metern werden die schweren Komponenten wie Stromgenerator und Flügel auf die Spitze des Innenturms montiert, bevor eine spezielle Teleskop-Vorrichtung den Innenturm durch den Außenturm nach oben schiebt und dort verankert.

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Mit Rotorblättern von 125 Metern Durchmesser erreicht das Windrad schließlich eine Gesamthöhe von 365 Metern – fast so hoch wie der Berliner Fernsehturm. Diese außergewöhnliche Dimension ermöglicht den Zugang zu bisher ungenutzten Windressourcen in großer Höhe.

Doppelte Stromausbeute durch stärkere Höhenwinde

Professor Großmann erklärt die Vorteile dieses Höhenwindrads: „Das Höhenwindrad hat zwei große Vorteile. Erstens erfordert es keine neue Fläche, da es wie eine zweite Etage zwischen bestehenden Windrädern entsteht. Zweitens produziert es viel mehr Strom, weil der Wind in großen Höhen deutlich stärker und gleichmäßiger weht.“

Diese Annahmen wurden durch einen 300 Meter hohen Messturm der Beventum GmbH und Gicon bestätigt. Die Messungen zeigten, dass die Windenergie in diesen Höhen um satte 40 Prozent zunimmt, was die Stromausbeute im Vergleich zu herkömmlichen Windrädern verdoppelt. Das Windrad soll im Sommer erstmals in Betrieb gehen und nahezu 4.500 Haushalte mit Strom versorgen. Mit größeren Generatoren könnte diese Zahl sogar verdoppelt werden.

Effiziente Bauweise mit Stahlgitter-Konstruktion

Im Gegensatz zu Offshore-Windkraftanlagen, die oft hohe Errichtungs- und Wartungskosten verursachen, reduziert dieses Onshore-Projekt die Kosten erheblich. Das Team setzt schlanke, angeschrägte Stahlgitter-Standfüße anstelle massiver Betontürme ein, was dem Bauwerk Eleganz und Effizienz verleiht. Während der Eiffelturm Millionen von Nieten benötigt, verwendet das Windrad lediglich 80.000 Schrauben – jede einzelne ist so groß wie eine Kurzhantel.

Projektverzögerungen und ambitionierte Zukunftspläne

Das Projekt erlebte Verzögerungen durch Naturschutzauflagen und unpassende Stahlteile, sodass der ursprüngliche Fertigungstermin im Sommer des vergangenen Jahres nicht eingehalten werden konnte. Doch jetzt setzen die Bauarbeiter die Arbeiten mit höchster Präzision fort. Die Ingenieure vermessen und dokumentieren akribisch jede Schraube und jede Verbindung, wobei sie höchsten Wert auf Sicherheit legen.

Dieses Megaprojekt könnte eine Serie von bis zu 1.000 weiteren Höhenwindrädern bis 2030 in ganz Deutschland einleiten. Die Verantwortlichen planen, die neuen Windräder in bestehende Windparks zu integrieren, um die vorhandene Infrastruktur optimal zu nutzen und den Flächenverbrauch so gering wie möglich zu halten. Mit einer angestrebten Nennleistung von 3,8 bis 4,2 Megawatt pro Anlage übertrifft das Windrad die ursprünglichen Erwartungen der Forschung deutlich und zeigt das enorme Potenzial der Höhenwindenergie für die deutsche Energiewende.

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