Vattenfall-Chefin warnt: Platzmangel für Windparks in der Nordsee bremst Ausbau
Platzmangel in Nordsee bremst Windpark-Ausbau

Vattenfall-Chefin warnt: Platzmangel für Windparks in der Nordsee bremst Ausbau

Die deutschen Offshore-Windkraftflächen in der Nordsee, einst als lukrativ gepriesen, stehen vor erheblichen Herausforderungen. Anna Borg, Vorstandschefin des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall, äußert sich besorgt über die begrenzten Möglichkeiten für neue Windparks. „In der deutschen Nordsee sind die Flächen für Offshore begrenzt“, sagte sie in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Diese Einschränkung erschwere nicht nur die Planung, sondern führe auch zu technischen Problemen wie dem sogenannten Wake-Effekt, bei dem ein Windpark den anderen abschattet und so die Effizienz mindert.

Debatte um Attraktivität der Windkraftflächen

In Deutschland tobt eine hitzige Debatte darüber, ob die Windkraftflächen in der ausschließlichen Wirtschaftszone noch attraktiv genug für Investoren sind. Im August 2025 konnte die Bundesnetzagentur zwei Flächen in der Nordsee nicht versteigern, was auf ein wachsendes Desinteresse hindeutet. Zudem hat die Bundesregierung eine für dieses Jahr geplante Ausschreibung verschoben, was die Unsicherheit in der Branche weiter verstärkt.

Vattenfall selbst hat die im vergangenen Jahr ausgeschriebenen Flächen geprüft, sich aber aus wirtschaftlichen Gründen gegen ein Gebot entschieden. „Für uns erschien es nicht attraktiv“, erklärte Borg. Sie wies darauf hin, dass eine Absicherung von Preisrisiken durch die Bundesregierung die Bewertung möglicherweise positiv beeinflusst hätte.

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Eigene Projekte ohne staatliche Förderung

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen bleibt Vattenfall in Deutschland aktiv. Der Konzern, der Deutschland zu seinen Kernmärkten zählt, plant die Errichtung der Windparks Nordlicht 1 und 2 in der deutschen Nordsee. Die finale Investitionsentscheidung fiel erst im Januar, wobei der Bau von Nordlicht 1 noch in diesem Jahr beginnen soll und Nordlicht 2 voraussichtlich 2027 folgt. „Wir bauen die Windparks ohne staatliche Förderung“, betonte Borg.

Der Strom aus diesen Anlagen wird bereits von namhaften Industrieunternehmen abgenommen, darunter:

  • BASF, ein führender Chemiekonzern
  • Salzgitter, ein bedeutender Stahlproduzent
  • LyondellBasell, ein niederländisch-amerikanisches Chemieunternehmen

Lösungsansätze und europäische Perspektiven

Eine Analyse des Fraunhofer-Instituts Iwes hat gezeigt, dass der Bau von deutschen Windparks in europäischen Nachbarländern die Energiewende kostengünstiger gestalten könnte. Der Bundesverband Windenergie Offshore schätzt, dass so Milliardenbeträge eingespart werden könnten. Borg äußerte sich zurückhaltend zu der Idee, Windparks allein für den deutschen Markt in dänischen oder schwedischen Meereszonen zu errichten. „Gleichzeitig haben wir bereits ein integriertes europäisches Energiesystem, in dem Strom zwischen Deutschland und anderen Märkten transportiert wird“, sagte sie. Dieses System werde auch in Zukunft bestehen bleiben und den Austausch erleichtern.

Ein Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit ist der Windpark DanTysk westlich von Sylt, an dem neben Vattenfall auch die Stadtwerke München beteiligt sind. Dies unterstreicht die Bedeutung grenzüberschreitender Kooperationen in der Windenergiebranche.

Insgesamt zeigt die Situation, dass die Expansion der Offshore-Windkraft in der Nordsee nicht nur von technischen, sondern auch von wirtschaftlichen und politischen Faktoren abhängt. Während Vattenfall auf eigene, ungeförderte Projekte setzt, bleibt die Frage, wie die Bundesregierung die Attraktivität der Flächen steigern kann, um die Energiewende voranzutreiben.

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