Fünf Schweinezucht-Anlagen in Mecklenburg-Vorpommern insolvent - Tausende Ferkel betroffen
Wenn Unternehmen in die Insolvenz rutschen, stehen normalerweise Maschinen still. Doch bei dieser Pleite geht es um Lebewesen: Tausende Ferkel, die dringend weiter versorgt werden müssen. Die gute Nachricht: Das Futter für die Tiere ist vorerst gesichert. Eine langfristige Lösung für die betroffenen Betriebe steht jedoch noch aus.
Insolvenzverfahren für zwei Schweinezuchtbetriebe eröffnet
Das Amtsgericht Rostock hat am 1. April 2026 zwei Insolvenzverfahren eröffnet. Betroffen sind die BLF Schweineaufzucht GmbH in Bernitt sowie die MV Babyporc GmbH in Gnoien. Beide landwirtschaftliche Betriebe produzieren Ferkel, die an Großhändler weiterverkauft werden. Insgesamt sind fünf Schweinezucht-Anlagen im Landkreis Rostock und in der Mecklenburgischen Seenplatte von der Insolvenz betroffen.
Insolvenzverwalter Stephan Zickuhr (55) erklärt gegenüber BILD: „Anders als in vielen anderen Branchen lässt sich ein Zuchtbetrieb mit tragenden Tieren nicht einfach kurzfristig stilllegen.“ Die Versorgung der Tiere habe oberste Priorität.
Futterversorgung vorerst gesichert
Eine Bürgschaft wurde bereitgestellt, um die Versorgung der Ferkel zu garantieren. „So haben uns Landkreis und Amtstierärztin in den ersten Wochen überhaupt ermöglicht, die Tiere weiter zu versorgen“, sagt Zickuhr. Die Bürgschaft musste jedoch nicht in Anspruch genommen werden, da das notwendige Futter aus den Erlösen des Betriebes bezahlt werden konnte.
Damit konnten auch Tierarztkosten, Besamung, Strom, Wasser und Gas bezahlt werden. Allerdings reichten die Mittel nicht aus, um Altschulden und fällige Kredite zu bedienen.
28 Mitarbeiter betroffen - Suche nach Käufern läuft
Die beiden Gesellschaften beschäftigten zusammen 28 Mitarbeiter: 16 bei der MV Babyporc GmbH und 12 bei der BLF Schweineaufzucht GmbH. Beide Unternehmen haben dieselbe geschäftsführende Gesellschafterin.
Erste Gespräche mit potenziellen Interessenten laufen bereits. Der Insolvenzverwalter zeigt sich optimistisch: „Es gibt eine rege Nachfrage für die Höfe und die Ställe. Ich sehe sehr gute Chancen für einen Weiterbetrieb.“
Mehrere Faktoren führten zur Insolvenz
Zu den Gründen für die Insolvenz zählen strukturelle Probleme der Branche. Insolvenzexperte André Zimmermann (40) nennt gegenüber BILD mehrere Faktoren:
- Lange Transportwege zu den Schlachthöfen - Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verfügen über keinen einzigen großen industriellen Schlachthof mehr
- Hohe Energie- und Versorgungskosten
- Ständig steigende bürokratische Anforderungen und strengere Tierhaltungsvorschriften
- Dramatisch gefallene Schweinepreise
- Rückforderung von Corona-Darlehen und Bürgschaften in Höhe von 2,5 Millionen Euro
Die beiden Betriebe produzieren bis zu 2.500 Ferkel pro Woche, maximal 115.000 Tiere im Jahr. Über die Rechtmäßigkeit der Rückforderung der Corona-Hilfen wird noch gestritten.
Die Situation zeigt die prekäre Lage in der Schweinezucht-Branche, wo strukturelle Probleme und externe Faktoren selbst etablierte Betriebe in existenzielle Schwierigkeiten bringen können.



