Brandenburgs Heidelbeer-Rekord: 3.845 Tonnen trotz Frostrisiken und Mindestlohn-Druck
Im Sommer werden wieder die ersten Heidelbeeren von den Sträuchern gepflückt. Das blaue Obst kann meist bis September geerntet werden. Trotz einer Rekordernte bei Heidelbeeren im vergangenen Jahr in Brandenburg bleibt der Gartenbauverband mit einer Prognose für die diesjährige Beerensaison vorsichtig. Denn die Betriebe wissen: Spätfröste können zu erheblichen Ertragseinbußen führen.
Rekordergebnis bei Ertrag 2025 trotz reduzierter Anbaufläche
Kulturheidelbeeren wurden 2025 auf 405 Hektar angebaut – das sind 20 Hektar weniger als im Vorjahr, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg in dieser Woche mitgeteilt hatte. Dennoch wurde mit einer Erntemenge von 2.955 Tonnen und einem Hektarertrag von 7,29 Tonnen ein Rekordergebnis für Brandenburg erzielt. Einen ähnlich hohen Ertrag gab es zuletzt im Jahr 2014.
Insgesamt wurden 3.845 Tonnen Strauchbeeren geerntet, wobei Heidelbeeren den Löwenanteil ausmachen. Rund 10 Prozent der Heidelbeeren wurden laut Behörde im ökologischen Anbau produziert. Nach Niedersachsen gehört Brandenburg zu den bedeutendsten Produzenten dieser Strauchbeerenart in Deutschland. Allerdings gibt es auch starke Importe aus dem Ausland, die den Markt beeinflussen.
Gartenbauverband warnt vor Unwägbarkeiten
Der Präsident des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg, Klaus Henschel, zeigte sich nicht verwundert von den Ernteergebnissen 2025: „Im Jahr davor gab es hohe Frostschäden und viele Betriebe haben nur mit staatlicher Hilfe überlebt.“ Generell sei ein guter Ertrag dann zu erzielen, wenn verschiedene Kriterien stimmten:
- Ausreichend Sonne für genügend Photosynthese
- Richtige Bewässerung der Pflanzen
- Kein Pech mit Schädlingen
Deshalb lasse sich eine erfolgreiche Ernte auch nicht zuverlässig vorhersagen. Unter anderem der anstehende Spätfrost sei gefährlich für die Blüten der Obstpflanzen und könne die gesamte Saison gefährden.
Mindestlohn-Anhebung zwingt Betriebe zum Umdenken
Viele Obst-Betriebe leiden nach Darstellung Henschels unter der Anhebung des Mindestlohns, zumal der Verkaufspreis der blauen Beeren im Einzelhandel nicht entsprechend steige. Seit Januar 2026 gilt ein Mindestlohn von 13,90 Euro brutto pro Stunde. Anfang 2027 soll der Mindestlohn weiter auf 14,60 Euro ansteigen.
Deshalb setzten viele Betriebe vermehrt auf das Selbstpflücken, weil sie sich so Personalkosten sparen können. Doch für eine erfolgreiche Selbsternte vom Feld brauche man „einen langen Atem“, so Henschel. Das müsse sich bei den Kunden herumsprechen, und die Beeren müssten ausgezeichnet schmecken, um die Verbraucher anzulocken.
Die Kombination aus klimatischen Risiken und wirtschaftlichem Druck macht die Zukunft der Heidelbeer-Produktion in Brandenburg unsicher, trotz der aktuellen Rekordzahlen.



