Kormoran auf dem Teller: Vom Aussterben bedroht zur Delikatesse
Kormoran auf dem Teller: Vom Aussterben bedroht zur Delikatesse

Der Kormoran, einst in Europa vom Aussterben bedroht, erlebt eine unerwartete Renaissance: Immer mehr Jäger und Köche entdecken sein Fleisch als Delikatesse. In Mecklenburg-Vorpommern, wo die Bestände sich in den letzten Jahrzehnten erholt haben, sorgt dies für eine kontroverse Debatte.

Vom Schädling zum Gourmetgericht

Fischer und Angler betrachten Kormorane seit jeher als Konkurrenten, da die Vögel täglich bis zu 350 Gramm Fisch fressen. Doch nun rückt ihr Fleisch in den Fokus der Gastronomie. In Bayern servierte die Wirtin Ruth Koch im Brauhaus Floss Kormoranbrüstchen, die sie mit Eisbock-Bier verfeinerte. Das Gericht stieß auf großes Interesse – nicht zuletzt, weil befreundete Jäger von den kulinarischen Qualitäten schwärmten.

Bestände erholen sich dank Schutz

Vor 40 Jahren galten Kormorane in Deutschland als fast ausgestorben. Heute zählen Ornithologen in Mecklenburg-Vorpommern über 10.000 Brutpaare. Der gesetzliche Schutz trug maßgeblich zur Erholung bei. Jäger dürfen die Tiere jedoch zwischen August und März außerhalb von Schutzgebieten schießen. Im Jagdjahr 2023/24 wurden 313 Kormorane erlegt – der niedrigste Stand seit der Jahrtausendwende.

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Kontroverse um Abschuss und Nutzung

Während einige die Nutzung des Fleisches befürworten, lehnt der NABU den Abschuss grundsätzlich ab. Pressesprecherin Manuela Heberer betont: „Der Kormoran ist eine geschützte Vogelart. Abschüsse sollten nur die letzte Lösung sein.“ Stattdessen fordert der Verband passive Abwehrmaßnahmen an Fischteichen. Die Vogelgrippe betrifft ebenfalls Kormorane: 2024 wurden in Mecklenburg-Vorpommern über 100 tote Tiere eingesammelt.

Kulinarische Trends und andere Exoten

Der Kormoran ist nicht der erste ungewöhnliche Gast auf dem Teller. Bereits 2022 sorgte Wildfleischer Michael Reiß mit Waschbären-Bouletten für Schlagzeilen, und der österreichische Koch Max Stiegl verarbeitete einen Biber zu verschiedenen Gerichten. Diese Beispiele zeigen einen Trend zur Nutzung von Wildtieren, die oft als Schädlinge gelten.

Ob sich der Kormoran als Delikatesse etabliert, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Debatte über Naturschutz, Jagd und Nutzung ist eröffnet.

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