Saatgut-Tauschbörse in Brüssow: Paradies für Gartenfreunde bewahrt Artenvielfalt
Saatgut-Tauschbörse in Brüssow bewahrt Artenvielfalt

Saatgut-Tauschbörse in Brüssow: Ein Paradies für Gartenfreunde öffnet seine Pforten

Im Kulturhaus der uckermärkischen Kleinstadt Brüssow herrschte am 1. März reges Treiben, als die 15. Saatgut-Tauschbörse ihre Türen öffnete. Gartenfreunde aus der gesamten Region und darüber hinaus strömten in das alte Kino, das vom Verein Lebendiges Brüssow e.V. betrieben wird, um Samen, Zwiebeln und Kartoffeln zu tauschen und sich über den Erhalt alter Sorten auszutauschen.

Ein Fest für Sinne und Artenvielfalt

Mandy Möhwald von der Initiativgruppe Saatguttauschbörse Uckermark hatte mit ihren Mitstreitern ein vielfältiges Programm vorbereitet. Neben dem eigentlichen Tauschgeschäft lockten kulinarische Kostproben die Besucher an. Wer hätte gedacht, dass Bohnenbrownies oder koffeinfreier Kaffee auf Lupinenbasis so viele neugierige Gaumen finden würden? Ein Glas mit Hummus aus Platterbsen war ebenfalls dicht umringt und sorgte für interessierte Kommentare.

Die aufwendig gestaltete Bohnen- und Hülsenfrüchte-Ausstellung zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig diese Pflanzen sein können. Von einst 100 regional erprobten Sorten sind heute nur noch 76 übrig – ein klarer Aufruf zum Handeln. „Jede Einzelne hat ihre Qualitäten“, schwärmte Mandy Möhwald von der Diversität der Bohnensorten, von denen manche besonders schmackhaft, andere wiederum äußerst dekorativ sind.

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Ehrenamtliches Engagement für das Allgemeingut

Die Initiativgruppe arbeitet komplett ehrenamtlich und finanziert sich durch Spenden. Wer nichts zum Tauschen dabei hatte, konnte gegen eine kleine Gebühr Saatgut mitnehmen. Der Erlös deckt Ausgaben für öffentlich zugängliche Tauschboxen und zwei Tauschfahrräder, die ab Mitte März in der Region unterwegs sein werden.

„Anliegen der Initiativgruppe ist es, dass das Saatgut Allgemeingut bleibt“, betonte Mandy Möhwald. Sie verwies darauf, dass seit Jahrhunderten Menschen weltweit ihr eigenes Saatgut vermehren, um sich selbst und andere zu versorgen. Auf diese Weise entstanden zahlreiche regional angepasste und samenfeste Sorten.

Bedrohung durch moderne Pflanzenzüchtung

Doch diese Vielfalt ist in Gefahr. „Im Zuge der modernen Pflanzenzüchtung, die sich vorrangig auf die Ansprüche der industriellen Landwirtschaft ausrichtet, gehen unsere alten und nachbaufähigen Gemüsesorten zugunsten von Hybrid-Züchtungen immer mehr verloren“, erklärte Möhwald. Die Tauschbörse versteht sich daher als aktiver Beitrag gegen diesen Verlust.

Um Punkt 15 Uhr begann das große Tauschen im Saal, wo sich an mehreren Ständen angeregte Diskussionen entspannten. Fachkundige Beratung gab es zu:

  • Saatgut von Gemüse, Kräutern und Blumen
  • Knollen und Zwiebeln verschiedener Sorten
  • Kartoffeln mit regionaler Anpassung

Ein Nachmittag für die ganze Familie

Die Veranstaltung bot auch Unterhaltung für Kinder und Entspannung für Eltern. Bei Tee, Kaffee und ausgewählter Gartenliteratur vom Büchertisch ließ sich der Nachmittag gemütlich ausklingen. Der reich bestückte Kuchenbasar sorgte für großen Andrang und bot auch Veganern sowie Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten köstliche Alternativen.

Die treue Fangemeinde, die sich über die Jahre gebildet hat, und die zahlreichen Besucher von weither zeigen: Das Engagement für den Erhalt alter Sorten und regionaler Artenvielfalt findet immer mehr Unterstützer. In Brüssow ist ein lebendiges Zentrum für dieses wichtige Anliegen entstanden.

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