Burgunderblutalge färbt Gewässer an der Seenplatte rot-braun
An der Mecklenburgischen Seenplatte ist erneut ein auffälliges Naturphänomen zu beobachten: Die sogenannte Burgunderblutalge färbt aktuell mehrere Gewässer in der Region südlich der Müritz in intensive Rot- und Brauntöne. Betroffen sind unter anderem die Elde und der Müritzsee bei Buchholz, wo sich das Wasser spektakulär verfärbt hat. Was auf den ersten Blick faszinierend wirkt, erfordert jedoch Vorsicht im Umgang.
Kontakt mit dem Wasser vermeiden
Obwohl es sich grundsätzlich um ein natürliches Phänomen handelt, das in naturbelassenen Gewässern regelmäßig auftritt, warnt der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ausdrücklich vor dem Kontakt mit dem verfärbten Wasser. Die Burgunderblutalge ist eigentlich keine echte Alge, sondern gehört zu den Cyanobakterien, die in fast jedem Gewässer vorkommen. Landkreissprecher Nils Henke erklärt: „Sie sind essenzieller Bestandteil der Natur. In der warmen Jahreszeit, also im Sommer und Spätfrühling, finden sich diese Bakterien normalerweise in tieferen, kälteren Wasserschichten. Die Badesaison wird daher kaum beeinflusst.“
Derzeit führt die Abkühlung der Wasseroberfläche im Herbst und Winter zu einer Durchmischung des Wassers. Dadurch wandern die Bakterien nach oben, können sich stark vermehren und das Wasser deutlich färben. „Dieses Phänomen sehen wir aktuell an vielen Seen im Landkreis“, so Henke weiter.
Ursachen und regionale Verbreitung
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass mehrere Faktoren die Anreicherung der Burgunderblutalge in oberflächennahen Schichten begünstigen könnten. Dazu zählen:
- Eine Zunahme von Nitrat- und Phosphatkonzentrationen durch landwirtschaftlichen Eintrag
- Steigende durchschnittliche Wassertemperaturen
- Eine geringere Durchmischung der Wasserschichten
Ähnliche Rotfärbungen von Gewässern wurden bereits in Süddeutschland, der Schweiz und in der Vergangenheit auch in der Seenplatte beobachtet, beispielsweise im April 2023 im Mürtzsee bei Neustrelitz. Bereits Anfang Februar dieses Jahres wurde die Burgunderblutalge in der jetzt betroffenen Region südlich der Müritz festgestellt. „Aus einer im vergangenen Jahr begonnenen ganzjährigen Überwachung von aktuell 16 Binnengewässern, die vom kreislichen Umwelt- und Gesundheitsamt betreut werden, erhoffen wir uns weitere Aufschlüsse“, erläutert Henke.
Gesundheitsrisiken und natürlicher Verlauf
Die Burgunderblutalge kann Toxine bilden, die allergische Reaktionen, Magen-Darm-Probleme sowie negative Wirkungen an Leber und Nerven verursachen können. Diese Reaktionen werden durch Verschlucken von Wasser oder Kontakt mit den Algen ausgelöst und sind in der Regel leicht und vorübergehend. Dennoch warnt der Landkreis eindringlich: Empfindliche Menschen sowie Kinder sollten sich von den Schlieren fernhalten, und Tiere dürfen nicht mit dem Wasser getränkt werden.
Gegenmaßnahmen gegen das vermehrte Auftreten der Cyanobakterien werden nicht ergriffen, da es sich um einen natürlichen Vorgang handelt. Henke betont: „Wie in der Vergangenheit auch, werden sich die Bedingungen für die Burgunderblutalge mit zunehmender Wassertemperatur immer weiter verschlechtern, sodass sie in tiefere Wasserschichten absinken wird.“ Das Phänomen sollte somit in den nächsten Wochen von selbst verschwinden, wenn sich die Wassertemperaturen weiter erhöhen.



