Frühlingserwachen gefährdet Amphibien: Krötenschützer kämpfen gegen Zeit
Der schnelle Wechsel von frostigen Temperaturen zu frühlingshafter Milde hat in Deutschland zu einem ungewöhnlich frühen Beginn der Amphibienwanderung geführt. Für Kröten, Frösche und Salamander bedeutet dies das Signal, sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern zu machen. Doch genau dieser frühe Start stellt Naturschützer vor erhebliche Probleme, da vielerorts die lebensrettenden Amphibienzäune noch nicht vollständig installiert sind.
Zaunbau im Zeitdruck
Tobias Langner vom Nabu Barleben e.V. erklärt die prekäre Situation: „Wegen des plötzlichen und vergleichsweise zeitigen Wetterumschwungs sind noch nicht überall Zäune aufgebaut. In den Schnee kann man Zäune nicht gut setzen, deshalb ist es jetzt eng.“ Sein Verein ist damit beauftragt, an 18 verschiedenen Standorten im Landkreis Börde insgesamt etwa 4.900 Meter Schutzzaun zu errichten – eine Aufgabe, die normalerweise zehn Tage in Anspruch nimmt.
Derzeit sind die Freiwilligen und Hauptamtlichen jedoch noch nicht einmal bei der Hälfte der geplanten Zaunlänge angelangt. Diese Verzögerung hat bereits erste tragische Konsequenzen: Zwei tote Kröten wurden an Stellen gefunden, an denen der Zaunbau noch nicht abgeschlossen war. Langner betont, dass dies erst der Anfang sein könnte: „Noch sind es vereinzelte Tiere, der große Ansturm kommt erst noch.“
Ideale Bedingungen für die Wanderung
Die aktuellen Wetterverhältnisse sind für die Amphibien nahezu perfekt: milde Temperaturen kombiniert mit ausreichender Feuchtigkeit. Genau diese Bedingungen beschleunigen jedoch die Wanderung und erhöhen die Dringlichkeit der Schutzmaßnahmen. Die Amphibienzäune dienen dazu, die Tiere von gefährlichen Straßenüberquerungen abzuhalten und sie stattdessen zu sicheren Unterführungen zu leiten.
Gefahr durch den Straßenverkehr
Für Autofahrer gibt es kaum praktikable Möglichkeiten, die wandernden Amphibien zu schützen. Langner stellt klar: „Im Idealfall lassen sie das Auto stehen.“ Im ländlichen Raum sei dies jedoch nicht realistisch. Ab einer Geschwindigkeit von 30 km/h haben die Tiere praktisch keine Überlebenschance. Interessanterweise sterben viele Amphibien nicht durch direkten Kontakt mit Reifen, sondern durch die Luftdruckveränderung, die vorbeifahrende Fahrzeuge verursachen.
Die untere Naturschutzbehörde hat den Auftrag für den Zaunbau erteilt, doch die ungewöhnlich frühe Wärmeperiode hat die Zeitpläne der Naturschützer durcheinandergebracht. Während die Temperaturen weiterhin mild bleiben, arbeiten die Ehrenamtlichen unter Hochdruck, um die verbleibenden Zäune so schnell wie möglich zu installieren und weitere Verluste unter den geschützten Amphibien zu verhindern.



