Mehr als 100 Gäste bei Lesung zum Schutz des Biosphärenreservats
Lesung zum Schutz des Biosphärenreservats begeistert

In der Uckermark haben sich Aktivisten zusammengeschlossen, um das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zu schützen. Bei den sogenannten Warnitzer Lesungen informierten sie über die geplante Überarbeitung der Biosphärenreservatsverordnung und erreichten damit ein breites Publikum. Mehr als 100 Gäste lauschten andächtig den vorgetragenen Texten.

Hintergrund der Proteste

Die brandenburgische Landesregierung hat angekündigt, die Verordnung für das Biosphärenreservat zu überarbeiten. Ursprünglich wurde sie 1990 kurz vor dem Ende der DDR als letztes Gesetz der ersten frei gewählten Volkskammer verabschiedet. Im Jahr 2025 erfolgten im Rahmen des Verwaltungsakt-Vereinfachungsgesetzes erste Änderungen. Kritiker befürchten, dass damit der Schutzstatus des Reservats aufgeweicht wird. Konkret geht es um einfachere Genehmigungen für Bauvorhaben, die bis zu 300 Meter über die bisherigen Siedlungsränder hinausgehen.

Sechs Reservate in der ehemaligen DDR

Insgesamt gibt es sechs Biosphärenreservate auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, die alle in das UNESCO-Netz integriert sind. Diese Modellregionen dienen dazu, zu erproben und zu demonstrieren, wie Naturschutz und menschliche Nutzung miteinander vereinbart werden können. Die geplante Überarbeitung der Verordnung in Brandenburg könnte weitreichende Folgen haben, insbesondere eine Zersiedlung der Landschaft wird befürchtet.

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Bürgerinitiative „Wir sind Biosphäre“

Gegner der Novellierung setzen alles daran, die Öffentlichkeit zu mobilisieren. Es geht ihnen nicht um Aktivismus oder Panikmache, sondern um Aufklärung und echte Bürgerbeteiligung. Sie fordern Gespräche, Diskussionen und Foren, in denen die Betroffenen zu Wort kommen und ihre Stimmen Gewicht haben. Die Warnitzer Lesungen sind Teil dieser Informationskampagne.

Die Lesung in der „Deutschen Eiche“

Der Saal der Gaststätte „Deutsche Eiche“ in Warnitz war voll. Die Stühle reichten nicht aus, viele Gäste standen an Tischen, Pfeilern, Wänden und am alten Tresen. Zunächst führten Cornelia Jentzsch, Initiatorin des Warnitzer Literaturformats, und der Forstwirtschaftler und Waldökologe Dr. Michael Egidius Luthardt in das Thema ein. Sie berichteten von der Gründung der Bürgerinitiative „Wir sind Biosphäre“ vor wenigen Wochen in Joachimsthal.

Prominente Unterstützer

Anschließend wurde aus verschiedenen Texten vorgelesen, unter anderem aus der Zusammenfassung des Evaluierungsberichts für das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin für die Jahre 2013 bis 2022. Mehrere prominente Uckermärker liehen dem Thema ihre Stimmen: die Fotografin und Kamerafrau Donata Wenders, die Autorin und Radiomoderatorin Manuela Reichart, der Autor und FAZ-Journalist Simon Strauß, der Dokumentarfilmregisseur Andres Veiel sowie Nicola Hümpel von „Nico and the Navigators“. Die Zuhörer lauschten andächtig den vorgetragenen Passagen.

Einmaligkeit der Natur im Fokus

Die komprimierte Fassung des Berichts führte die Einmaligkeit der Natur in der Biosphäre detailliert vor Augen und beschrieb die gewachsene Kulturlandschaft. Im anschließenden Publikumsgespräch mit Hartmut Lindner von der Aktionsgruppe „Wir sind Biosphäre“ und Dr. Michael Egidius Luthardt wurde deutlich, dass es bereits jetzt Graubereiche bei Eingriffen in die Natur gibt.

Warnung vor nachrangigem Naturschutz

Die Begründer der Initiative warnten, dass der politische Wandel der letzten Jahre dazu führe, dass Naturschutz nachrangig werde. Es gehe nicht mehr um Nachhaltigkeit und Behutsamkeit im Umgang mit der Natur, sondern um einen leichteren Zugriff auf dieselbe. Vieles von dem, was an dem Abend besprochen wurde, klingt faktisch. „Doch lebt man hier, macht sich die Besonderheit dieser Natur bewusst, sieht es anders aus“, sagte Cornelia Jentzsch. Sie selbst habe in den letzten Wochen ihren Blick auf die Region verändert.

Petition und weitere Termine

Beim Hinausgehen griffen viele Gäste nach den bereitgelegten Unterschriftenlisten für die gestartete Petition. Weitere Veranstaltungen sind geplant. Die nächste Lesung findet am Freitag, dem 24. April, um 19 Uhr im NABU-Erlebniszentrum „Blumberger Mühle“ statt.

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