Starke Ablehnung bei Einwohnerversammlung zum Windpark Karstädt-Techentin
Die Stadthalle Ludwigslust war am Donnerstagabend gut gefüllt, als die Stadtverwaltung und Planer der Energieallianz MV über den möglichen Windpark zwischen Techentin und Karstädt informierten. Das Interesse der Bevölkerung war enorm, doch die Stimmung deutlich ablehnend. Für das Projekt, das 16 bis 20 Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von etwa 250 Metern vorsieht, gab es von den Bürgern ordentlich Gegenwind.
Bürger fordern klare Antworten und drohen mit Bürgerentscheid
Bürgermeister Stefan Pinnow erläuterte zu Beginn, dass die Karstädter bereits einen Schritt weiter seien und dort der Aufstellungsbeschluss gefasst wurde. „Wir wollen Ihnen heute Abend erst einmal das Projekt und die Fakten vorstellen. Jeder kann sich über das Vorhaben informieren und sich eine Meinung bilden“, so Pinnow. Doch schon vor Beginn der eigentlichen Informationsstände gab es Kritik am Format.
Robér Balmer aus Techentin äußerte deutlich: „Ich frage mich, was dabei rumkommen soll bei dieser Menge an Menschen. Wir haben Fragen gesammelt und wollen darauf Antworten erhalten. Außerdem sollen die Stadtvertreter wissen, dass wir diesen Windpark nicht möchten. Wenn notwendig, initiieren wir einen Bürgerentscheid.“ Seine Worte wurden mit Applaus bedacht.
Informationsstände zu Schall, Schatten und Landschaftsbild
An insgesamt acht verschiedenen Ständen konnten sich die Einwohner über verschiedene Aspekte des Projekts informieren:
- Schall und Schattenwirkungen
- Natur- und Artenschutz
- Das veränderte Landschaftsbild
- Technische Details der Anlagen
Besonders gut besucht war der Stand zum zukünftigen Landschaftsbild, wo Visualisierungen zeigten, wie die Windräder von verschiedenen Standorten aus sichtbar wären. Auf der Gemarkung Ludwigslust könnten bis zu elf Windkraftanlagen entstehen.
Lärmbelastung und emotionale Debatten
Die Planer gaben an, dass tagsüber mit einem Schallpegel von bis zu 45 Dezibel zu rechnen sei, nachts mit bis zu 35 Dezibel. „Aber will man den ganzen Tag einen Kühlschrank neben sich haben?“, fragte eine besorgte Techentinerin am Informationsstand. Zum Vergleich: Ein Kühlschrank erzeugt etwa 35 Dezibel, ein Geschirrspüler 40 Dezibel.
Jendrick Schmitt von der Firma Alterric, Teil der Energieallianz MV, versuchte die Sorgen der Bürger zu adressieren: „Ich habe das Gefühl, dass ich einigen Bürgern ihre Ängste und Sorgen nehmen konnte. Aber für die meisten ist das Thema einfach sehr emotional.“
Stadtwerke ohne ausreichende Finanzkraft
In der Abschlussrunde wurde auch die Frage aufgeworfen, warum die Stadtwerke Ludwigslust-Grabow nicht selbst Windkraftanlagen bauen und die Gemeinde versorgen. Geschäftsführerin Viola Bortsch erklärte: „Wir wollen die Versorgung aus der Region endlich aufbauen, aber wir haben dafür einfach nicht die Finanzkraft. Wir schaffen das nicht alleine.“
Tobias Bartlau aus Techentin kritisierte den Abend: „Viele von uns haben sich auch schon intensiv mit dem Thema beschäftigt und wir wollen, dass die Bevölkerung die ganze Wahrheit erfährt.“ Er schlug eine Unterschriftensammlung gegen den Windpark vor.
Entscheidung im Juni und möglicher Baubeginn 2032
Nach gut zweieinhalb Stunden endete die Einwohnerversammlung. Bürgermeister Pinnow kündigte an, dass das Projekt in den städtischen Ausschüssen und Ortsteilvertretungen weiter besprochen werden soll. Er forderte bessere Visualisierungen von den Planern.
„Die große Beteiligung heute Abend hat uns gezeigt, wie wichtig das Thema ist. Wir müssen die Vor- und Nachteile abwägen und am Ende entscheiden, ob wir das Projekt in die Wege leiten wollen oder nicht“, so Pinnow. Voraussichtlich Ende Juni soll die Stadtvertretung Ludwigslust darüber entscheiden. Sollte dem Projekt zugestimmt werden, könnten die Windkraftanlagen frühestens 2032 in Betrieb gehen.



