Güstrow startet 2026 neuen Lehrgang für Moorspezialisten: Klimaschutz durch Moorrenaturierung
Funktionierende Moore besitzen eine enorme Kapazität zur Bindung von Kohlendioxid, während austrocknende Moorflächen zu bedeutenden CO₂-Quellen werden. In Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit der größten Moorfläche Deutschlands, bedecken etwa 300.000 Hektar Moor rund 14 Prozent der Landesfläche. Die fortschreitende Austrocknung dieser Moore stellt die größte Einzelquelle für Treibhausgasemissionen im Land dar und verantwortet schätzungsweise 30 bis 35 Prozent der Gesamtemissionen.
Bundesweite Bedeutung der Moorproblematik
Deutschlandweit tragen entwässerte Moorböden mit 37 Prozent zu den landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen bei, obwohl sie lediglich etwa sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche einnehmen. Diese Diskrepanz unterstreicht die dringende Notwendigkeit von Maßnahmen zur Moorrenaturierung und Wiedervernässung.
Ausbildungskonzept: Theorie und Praxis vereint
Seit 2025 qualifiziert Mecklenburg-Vorpommern bereits Moorspezialisten über das am Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) in Güstrow angesiedelte Institut für die Ausbildung (IMS). Das dreijährige Programm verbindet theoretische Inhalte, die durch die geförderte Professur für Moorkunde der Universität Greifswald vermittelt werden, mit praktischen Einsätzen in verschiedenen Institutionen.
Die praktischen Ausbildungsteile umfassen:
- Einsätze bei Wasser- und Bodenverbänden
- Mitarbeit bei Vorhabenträgern und Behörden
- Praktika in Planungsbüros
- Vermittlung von Kenntnissen in Wasserhaushalt und Wasserbau
- Schulungen in Boden- und Naturschutz
- Einblicke in das Wasserrecht
Neue Ausbildungsplätze ab Sommer 2026
Für den zweiten Jahrgang ab Sommer 2026 schreibt das Land nun 18 neue Ausbildungsplätze in Mecklenburg-Vorpommern sowie zwei zusätzliche Plätze in Niedersachsen aus. Bewerben können sich Bachelor- und Masterabsolventen verschiedener Fachrichtungen. Institutionen, die als praktische Einsatzstellen fungieren möchten, haben bis zum 15. April 2026 die Möglichkeit, sich in einem Interessenbekundungsverfahren zu melden.
Finanzierung und politische Unterstützung
Das Qualifizierungsprogramm ist als Modellvorhaben im Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“ verankert und verfügt über ein Gesamtbudget von 34 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt zu 90 Prozent durch Mittel des Bundesumweltministeriums über das Bundesamt für Naturschutz, ergänzt durch Landesmittel aus dem Sondervermögen „Natürlicher Klimaschutz“.
Umweltminister Till Backhaus (SPD) betonte die Bedeutung des Programms: „Dieser Lehrgang ist ein wichtiger Baustein, um die Klimaschutzziele unseres Landes zu erreichen. Die praktische Ausbildung vermittelt genau jene Fachkenntnisse, die wir für die sachgerechte und zügige Umsetzung von Moorprojekten benötigen.“
Erfolgreicher Start und Zukunftsperspektiven
Antonia Stefer, Leiterin des IMS, hob die professionelle Umsetzung hervor: „Durch das umfangreiche Budget und die intensive Unterstützung aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Fachpraxis können wir die Qualifizierung auf höchstem Niveau realisieren.“ Die ersten Teilnehmer des Programms hätten bereits nach einem halben Jahr beeindruckende Expertise entwickelt.
Die beiden in Niedersachsen geplanten Ausbildungsplätze werden inhaltlich und organisatorisch durch das IMS in Mecklenburg-Vorpommern betreut, was die bundesländerübergreifende Bedeutung des Themas unterstreicht.



