Dramatisches Schildkrötensterben: Weibchen flüchten vor Männchen in den Tod
Schildkröten-Weibchen flüchten vor Männchen in den Tod

Dramatisches Schildkrötensterben: Weibchen flüchten vor Männchen in den Tod

Auf der kleinen Felseninsel Golem Grad im nordmazedonischen Teil des Prespasees spielt sich ein stilles, aber brutales Drama ab. Die Population der dort lebenden Hermann-Schildkröten, einer im europäischen Mittelmeerraum verbreiteten Landschildkrötenart, die bis zu 100 Jahre alt werden kann, ist massiv gestört. Laut einer im Fachjournal „Ecology Letters“ veröffentlichten Studie herrscht ein extremes Ungleichgewicht: Auf ein erwachsenes Weibchen kommen im Durchschnitt bis zu 19 Männchen.

Extreme sexuelle Aggression bedroht Weibchen

Für die wenigen Weibchen bedeutet dieser Männerüberschuss ständige Gefahr. Die Forscher berichten von extremer sexueller Aggression, bei der mehrere Männchen gleichzeitig ein Weibchen bedrängen. Sie rammen es, beißen zu – teilweise bis Blut fließt – und setzen dabei eine scharfe Hornspitze am Schwanz ein. Studienleiter Dragan Arsovski beschreibt die Situation drastisch: „Sie wird buchstäblich von Männchen begraben.“ Viele Weibchen tragen nach solchen Attacken schwere Verletzungen im Genitalbereich, fressen weniger und überleben seltener als Vergleichstiere auf dem Festland.

Flucht an die Klippen endet oft tödlich

Um den Nachstellungen zu entkommen, ziehen sich die Weibchen in schwer zugängliche Bereiche nahe den Felskanten zurück. Doch dort lauert die nächste tödliche Gefahr. Immer wieder stürzen Tiere über die bis zu mehrere Dutzend Meter hohen Klippen und sterben. In einem dokumentierten Fall statteten Forscher eine erwachsene, fortpflanzungsfähige Schildkröte mit einem GPS-Sender aus und fanden sie später zerschmettert unterhalb einer Klippe. Berechnungen zufolge könnte das letzte Weibchen auf Golem Grad um das Jahr 2083 verschwunden sein, wenn sich der Trend fortsetzt.

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Ursachen des Männerüberschusses ungeklärt

Wie es zu dem extremen Ungleichgewicht kam, ist nach Darstellung der Mazedonischen Ökologischen Gesellschaft bislang ungeklärt. Eine verbreitete Theorie besagt, dass Menschen die Tiere früher in einem unausgeglichenen Geschlechterverhältnis auf die Insel gebracht haben könnten. Die Forscher betonen die Dringlichkeit weiterer Untersuchungen, um die Population zu retten und ähnliche Szenarien in anderen Ökosystemen zu verhindern.

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