Sibirische Kälte in Vorpommern: Wie Wildtiere den Extremfrost überleben
Sibirische Kälte: Wie Wildtiere den Extremfrost überleben

Sibirische Kälte in Vorpommern: Wie Wildtiere den Extremfrost überleben

Eine eisige Katastrophe hat sich im Anklamer Hafen entwickelt, nachdem Väterchen Frost seinen sibirischen Eismantel über den gesamten Peenehafen gelegt hat. Seit mehreren Wochen herrschen bitterkalte Temperaturen zwischen Peenemünde, Pasewalk und Penkun. Es gibt keine offenen Wasserstellen mehr am Mühlgraben im Ducherower Land, an der Uecker oder der Randow. Vorpommern ist bis zu 50 Zentimeter tief im Erdboden erstarrt, was die Tierwelt in einen Ausnahmezustand versetzt.

Die innere Uhr der Wasservögel tickt anders

Wissenschaftler erklären, dass Wasservögel normalerweise eine innere Uhr besitzen, die ihnen signalisiert, wann es Zeit zum Abzug ist. Doch bei Kormoranen und Reihern tickt diese Uhr seit Jahrzehnten anders. Alles begann zu DDR-Zeiten, als Eisbrecher die Peene und Boddengewässer teilweise offenhielten und bis 1990 tausende Kormorane im Kühlwasserauslaufbereich des Atomkraftwerkes Lubmin am Greifswalder Bodden überwinterten. In den Vorjahren waren Frostperioden zwar manchmal heftig, aber meist recht kurz, sodass die Vögel schnell wieder an Fische gelangten.

Tausende Kormorane, Gänsesäger und Reiher fanden durch diesen schnellen Wechsel immer genügend Nahrung. Doch aktuell verkennen die Wasservögel den Ernst der Lage und verweilen weiterhin mit 62 Kormoranen, zwei Graureihern, 23 Stockenten, drei Bless- und zwei Teichrallen im Hafen. Lediglich die Silberreiher sind fortgezogen.

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Erstaunliche Anpassungsstrategien der Vögel

Besonders bemerkenswert im Anklamer Hafen ist, dass Kormorane seit Tagen dicht im Gras unmittelbar an der Eisenbahnbrücke sitzen – nur wenige Schritte entfernt von vorbeidonnernden Zügen. Hier, an der windgeschützten Südwestseite, nehmen sie besonders viele Sonnenstrahlen auf. Einige der schwarzen Gesellen an den Schienen heben nicht einmal die Köpfe, sondern schlafen tief, während andere auf die Peene starren und wahrscheinlich von besseren Zeiten träumen.

Völlig ungewöhnlich, denn normalerweise ruhen Kormorane auf Bäumen oder an der Kaikante, nicht auf dem Gleiskörper. Diese Vögel gehören in Deutschland zu den Arten, die am besten Sonne „tanken“ können und so ihren Kreislauf in Schwung halten. Auch andere Vögel wie Wacholderdrosseln und Amseln sitzen kugelartig in den Sträuchern von Parkanlagen und Gärten, um Wärme zu speichern.

Physiologische Überlebensmechanismen

Gleichwarme Tiere, zu denen auch Vögel zählen, versuchen stets, ihre Körpertemperatur von bis zu 42 Grad Celsius zu halten. Dazu haben sie die Fähigkeit entwickelt, ihr Gefieder so stark aufzuplustern, dass sie wie Federkugeln aussehen. Diese Form ist kein Zufall: Die Kugel bietet im Verhältnis zum Körpervolumen die geringste Oberfläche, sodass kaum Wärme abgegeben wird. Das Gefieder wirkt wie eine hochwertige Daunenjacke mit einem isolierenden Luftpolster.

Ein spezielles Wärmeaustauschsystem verhindert, dass Vögel – einschließlich Kormorane und Reiher – über ihre nackten Beine Wärme verlieren. Verantwortlich ist das abwärtslaufende Blut, das seine Wärme rechtzeitig an das in den Körper zurückfließende Blut abgibt und so die Beine auf exakt null Grad kühlt. Nur so können sie auf dem Eis der Peene stehen, ohne anzufrieren oder dass ihre Füße absterben.

Stoffwechsel im Energiesparmodus

In besonders kalten Nächten können Vögel ihre Körpertemperatur künstlich herunterfahren. Sie fallen dann in eine Art Starre, die den Stoffwechsel und damit den Energieverbrauch erheblich reduziert. Zur Aufrechterhaltung der Körperwärme ist jedoch primär die Energiezufuhr durch Nahrung notwendig. Die Kormorane im Hafenbereich haben deshalb eine spezielle Jagdmethode entwickelt.

In einer engen Spalte zwischen Spundwand und dem Peene-Eis befindet sich eine sehr schmale Wasserzone, wo sie unter Lebensgefahr eintauchen oder in Bauchlage vom Eis aus Fische ergreifen. Beobachtungen zeigen, dass einige Kormorane eintauchten und nicht mehr an die Oberfläche gelangten – sie ertranken qualvoll bei der Fischjagd. Die Todesrate hält sich trotz dieser Gefahren in Grenzen: Gezählt wurden 14 tote Kormorane und drei tote Graureiher.

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Naturwanderungen als Kraftquelle

Für alle, die dem wundervollen Klang der Umwelt lauschen und beim Anblick von Wildsäugern, Adlern, Silberreihern und Blühwundern Stress abbauen möchten, bieten geführte Naturwanderungen die Möglichkeit, Kraft zu tanken. Diese Exkursionen ermöglichen einen tiefen Einblick in die Überlebensstrategien der Tierwelt während extremer Wetterbedingungen.