Optisch beeindruckend, aber lernresistent: Das sind die am wenigsten intelligenten Hunde
Hunde gelten seit jeher als treue Begleiter des Menschen, doch nicht alle Rassen zeichnen sich durch gleiche Lernfähigkeit und Gehorsam aus. Eine wissenschaftliche Studie des US-amerikanischen Psychologieprofessors Stanley Coren hat nun die Intelligenzunterschiede zwischen verschiedenen Hunderassen systematisch untersucht und ein Ranking der am wenigsten intelligenten Rassen erstellt.
Die wissenschaftliche Grundlage der Untersuchung
In seinem Buch „The Intelligence of Dogs: A Guide to the Thoughts, Emotions, and Inner Lives of Our Canine Companions“ analysierte Coren drei zentrale Aspekte der Hundintelligenz:
- Instinktive Intelligenz: Die Fähigkeit, die ursprünglichen Zuchtaufgaben wie Hüten, Apportieren oder Gesellschaftsleistung zu erfüllen
- Angepasste Intelligenz: Das Vermögen, Probleme eigenständig zu lösen
- Arbeits- und Gehorsamsintelligenz: Die Lernfähigkeit von Menschen
Auf Basis dieser Kriterien erstellte Coren eine umfassende Liste von 79 Hunderassen, deren unterste Plätze von Rassen belegt werden, die über 100 Wiederholungen benötigen, um neue Befehle zu erlernen und diese anschließend nur in etwa 30 Prozent der Fälle zuverlässig befolgen.
Die Top 10 der am wenigsten intelligenten Hunderassen
Platz 1: Afghanischer Windhund
Mit seinem langen, fließenden Fell ist der Afghanische Windhund optisch eine wahre Augenweide, doch in puncto Gehorsam belegt er den letzten Platz. Ursprünglich für die Jagd gezüchtet, zeichnet sich diese Rasse durch Schnelligkeit, Ausdauer und eine ausgeprägte Unabhängigkeit aus. Diese Eigenständigkeit führt laut Coren dazu, dass Afghanische Windhunde als am wenigsten intelligent eingestuft werden.
Platz 2: Basenji
Der aus Zentralafrika stammende Basenji ist seit tausenden Jahren mit Menschen verbunden, bleibt dabei jedoch äußerst eigenständig. Sein ausgeprägter Eigensinn und die Fähigkeit zu eigenständigen Entscheidungen machen ihn im Vergleich zu anderen Rassen schwer erziehbar und erklären seinen zweiten Platz auf der Liste.
Platz 3: Englische Bulldogge
Die kompakte und kraftvolle Englische Bulldogge ist für ihre Loyalität und Zuneigung bekannt, doch ihr Hang zur Dickköpfigkeit beschert ihr Platz drei. Trotz ihrer Beliebtheit als Haushund und Maskottchen zeigt sie bei Gehorsamsübungen deutliche Defizite.
Platz 4: Chow Chow
Mit seiner löwenhaften Erscheinung und der charakteristischen blauen Zunge fällt der Chow Chow sofort ins Auge. Seine ausgeprägte Eigenwilligkeit und Neigung, Gehorsam zu verweigern, machen die Erziehung zu einer besonderen Herausforderung und führen zu Platz vier.
Platz 5: Barsoi
Der russische Barsoi gehört zu den langhaarigen Windhunden und war einst bei Adeligen als Statussymbol beliebt. Seine unerschrockene und selbstbewusste Natur geht mit einer ausgeprägten Unabhängigkeit einher, die ihn für Gehorsam nicht bekannt macht.
Platz 6: Bloodhound/Bluthund
Für seinen außergewöhnlichen Geruchssinn berühmt, ist der Bloodhound ein hervorragender Spürhund. Sein freundlicher und sanfter Charakter wird jedoch durch einen ausgeprägten Eigensinn ergänzt, der ihn gerne eigene Entscheidungen treffen lässt.
Platz 7: Pekinese
Der charmante Pekinese mit seinen tiefen Wurzeln in der chinesischen Kaiserzeit besticht durch Mut und Wachsamkeit. Sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und eigenwilliger Charakter führen jedoch dazu, dass er nicht durch besonderen Gehorsam glänzt.
Platz 8: Beagle
Als beliebter Familienhund zeichnet sich der Beagle durch Geselligkeit und Anpassungsfähigkeit aus. Dennoch zeigt er oft eine gewisse Sturheit und gehorcht meist nur dann, wenn es seinem eigenen Willen entspricht.
Platz 9: Mastiff
Der imposante Mastiff wird traditionell für Schutz- und Wachaufgaben eingesetzt und zeichnet sich durch Gelassenheit und Loyalität aus. Trotz seiner Erziehbarkeit ist sein Gehorsam weniger ausgeprägt als bei anderen Rassen.
Platz 10: Basset Hound
Der kontaktfreudige Basset Hound ist äußerst liebenswert und ausdauernd, doch sein Eigensinn und Selbstbewusstsein führen dazu, dass er sich eher auf eigene Instinkte verlässt als Befehle zu befolgen.
Uneinigkeit unter Experten
Während Coren diese Rassen aufgrund ihrer Gehorsamsdefizite als weniger intelligent einstuft, gibt es durchaus abweichende Interpretationen. Der niederländische Verhaltensforscher Frans de Waal sieht im Verhalten des Afghanischen Windhundes beispielsweise nicht mangelnde Intelligenz, sondern vielmehr Ausdruck eines unabhängigen Geistes. In seinen Augen sind diese Tiere mit Freidenkern vergleichbar und legen ähnlich wie Katzen eine natürliche Eigenwilligkeit an den Tag.
Es bleibt festzuhalten, dass die Stärken dieser Rassen oft in anderen Bereichen liegen: in ihrer Treue, ihrem Charme und ihrer Fähigkeit, tiefe Bindungen mit Menschen einzugehen. Die Intelligenz eines Hundes lässt sich eben nicht allein an seiner Gehorsamsbereitschaft messen.



