Frühlingserwachen der Bienen: Was Imker und Völker jetzt bewegt
Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen die Natur wecken und die Tage spürbar länger werden, ist der Frühling endlich da. Für die meisten Menschen bedeutet dies Aufatmen und Freude, doch für die faszinierende Welt der Bienen markiert dieser Übergang eine Zeit tiefgreifender Veränderungen und intensiver Vorbereitungen. In den Bienenstöcken vollzieht sich ein beeindruckender Generationswechsel, während Imker wie Karl-Heinz Sperfeldt aus dem Jerichower Land ihre Völker für die kommende Honigsaison fit machen.
Die Durchlenzung: Ein natürlicher Übergang
„In Imkerkreisen nennt man das Durchlenzung“, erklärt der erfahrene Imker Karl-Heinz Sperfeldt. In dieser entscheidenden Phase bauen die überwinterten Altbienen, die etwa ein halbes Jahr gelebt haben, das neue Volk aus körpereigenen Reserven auf. „Die neuen Sommerbienen sind nicht mehr so langlebig und sterben innerhalb von vier bis sechs Wochen“, so Sperfeldt. Die Wärme bringt Bewegung in die Bienenvölker, und die Königin steigert ihre Legeleistung dramatisch: Ab spätestens Anfang Mai legt sie bis zu 2.000 Eier täglich – ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichts.
Herausforderungen für Imker und Bienen
Doch die idyllische Frühlingsstimmung trügt: Imker stehen vor gewaltigen Problemen. „Heute haben wir deutlich mehr Krankheiten und Lebensraumverlust bei den Bienen als früher“, berichtet Sperfeldt, der seit 51 Jahren imkert. Die Kosten seien „enorm gestiegen“, und es sei schwer geworden, Honig kostendeckend abzusetzen. Diese Faktoren führen zu Nachwuchssorgen in der Imkerei. „Junge Menschen, die ohne Vorkenntnis in die Imkerei einsteigen wollen, haben heute ein schweres Los“, so der 68-Jährige.
Nach Angaben des Imkerverbands Sachsen-Anhalt kämpfen Imker zusätzlich mit bürokratischen Hürden, fehlender ehrenamtlicher Unterstützung und der Ausbreitung der Asiatischen Hornisse. Besonders besorgniserregend ist die Verbreitung von Pflanzenschutzmitteln. „Selbst mitten in Städten finden wir Wirkstoffe“, sagt Verbandsvorsitzender Paul Schenk. Um die Belastung der Bienen mit Umweltgiften besser messen zu können, nutzen die Imker sogenannte Klotzbeuten – ausgehöhlte Baumstämme, die von den Bienen auf natürliche Weise ausgebaut werden. „Viele Umweltgifte binden sich an das Wachs der Waben“, erklärt Schenk.
Auszeichnung und Engagement
Trotz aller Herausforderungen gibt es auch Erfolge zu feiern: Karl-Heinz Sperfeldt wurde jüngst vom Deutschen Imkerbund mit dem Ehrenpreis für Echten Deutschen Honig ausgezeichnet – eine Ehre, die seit 2008 deutschlandweit nur 49 Mal verliehen wurde. Sein prämierter Kornblumenhonig aus der Saison 2025 ist das Ergebnis jahrzehntelanger Leidenschaft. Heute betreut der Rentner etwa 40 bis 50 Bienenvölker und verkauft seinen Honig auf Weihnachts- und Wochenmärkten.
Schutzmaßnahmen und Forderungen
Als mögliche Schutzmaßnahmen und zusätzliche Nektarquellen könnten Sträucher und Bäume außerhalb des Waldes dienen. „Leider wird dem Erhalt dieser Strukturen derzeit zu wenig Bedeutung beigemessen“, kritisiert Verbandsvorsitzender Schenk. Die Verbreitung von Pflanzenschutzmitteln werde durch Wind und zu hohe Arbeitsgeschwindigkeiten bei der Bearbeitung von Agrarflächen begünstigt. „Bienen und andere Insekten sind dem schutzlos ausgeliefert“, warnt Schenk eindringlich.
Der Frühling mag für die Bienen eine Zeit des Aufbruchs sein, doch für die Imker ist er auch eine Phase der Sorge und des Kampfes um den Erhalt ihrer wertvollen Völker. Während die Natur erwacht, wird deutlich, wie fragil das Gleichgewicht zwischen Mensch, Biene und Umwelt geworden ist.



