Trauriges Ende nach sechs Jahrzehnten: Gänse-Opa trennt sich von seinen Tieren
Ein herzzerreißendes Kapitel hat sich in Marienhafe in Ostfriesland geschlossen. Ludwig Smidt, ein 81-jähriger Mann, der seit 60 Jahren leidenschaftlich Tiere hielt, musste am vergangenen Sonnabend seine letzten drei Gänse in einen Tierpark bringen. Diese Entscheidung fiel ihm unendlich schwer, zumal mehr als 73.300 Menschen ihn in einer Online-Petition unterstützt hatten.
Der Streit, der zum Ende führte
Sechs Jahrzehnte lang lebten auf dem Hof von Ludwig Smidt drei Gänse namens Paul, Pauline und Paula zusammen mit Laufenten, Hühnern und einem Hahn. Alle Tiere waren wohlgenährt und führten ein friedliches Leben. Doch dann beschwerte sich ein Nachbar über das Geschnatter der Gänse. Die zuständige Behörde, der Landkreis Aurich in Niedersachsen, gab dem Nachbarn recht und verwies darauf, dass Smidts Grundstück in einem Wohngebiet liege. Die Tiere mussten weg.
„Ich kann den Streit nicht mehr ertragen“, erklärte Ludwig Smidt gegenüber Medien. „Vor ein paar Monaten haben Ärzte vier Stunden meinen Kopf operiert. Aufregung ist Gift für mich.“ Trotz eines eingelegten Widerspruchs bei der Behörde entschied sich der Senior, nicht weiter zu kämpfen. Über den nachbarschaftlichen Konflikt sagte er: „Der soll sich was schämen, dabei habe ich ihm vor ein paar Jahren sogar noch eine Weihnachtsgans vorbeigebracht und gehofft, dass er Ruhe gibt.“
Überwältigende Unterstützung aus der Bevölkerung
Die Geschichte des Gänse-Opas, wie er von vielen liebevoll genannt wurde, bewegte tausende Menschen. Mehr als 73.300 Unterschriften sammelte eine Online-Petition zu seinen Gunsten. Sogar eine Demonstration organisierten unterstützende Nachbarn, um auf sein Schicksal aufmerksam zu machen. Doch all dieser Zuspruch konnte die behördliche Entscheidung nicht mehr umkehren.
Ludwig Smidt steckte seine drei Gänse schließlich in eine Schubkarre und brachte sie drei Kilometer entfernt in Birgits Tiergarten. Der kleine Tierpark beherbergt etwa 400 Tiere. „Es war das Beste für sie“, sagte Smidt mit leiser Stimme. „Einen Zentner Weizen als Futter habe ich heute Morgen noch mitgenommen. Sie sollen es ja gut haben.“
Ein versprochenes Wiedersehen
Für den 81-Jährigen ist der Abschied von seinen gefiederten Freunden nicht endgültig. Er versprach, Paul, Pauline und Paula regelmäßig zu besuchen – „solange ich lebe, das verspreche ich“. Die Gänse konnten ihr neues Zuhause bereits in Augenschein nehmen und werden dort fortan leben.
Diese Geschichte wirft Fragen zum Umgang mit traditioneller Tierhaltung in Wohngebieten und zum Einfluss von Nachbarschaftsbeschwerden auf. Sie zeigt auch, wie sehr Tiere für manche Menschen Lebensmut und Freude bedeuten können – und wie schmerzhaft der Verlust sein kann.



