Nachbarschaftsstreit um Gänsehaltung in Ostfriesland beendet
Ein monatelanger Konflikt um die Haltung von Gänsen in der ostfriesischen Gemeinde Marienhafe hat nun ein trauriges Ende gefunden. Der 81-jährige Ludwig Smidt hat sich nach einem zermürbenden Nachbarschaftsstreit schweren Herzens von seinen drei Gänsen Paul, Pauline und Wilma getrennt und sie an einen Tierpark im Landkreis Aurich abgegeben.
Jahrzehntelange Tradition endet im Konflikt
Ludwig Smidt hielt nach eigenen Angaben jahrzehntelang Gänse auf seinem Grundstück in dem ländlich gelegenen Dorf. Doch im vergangenen Sommer entflammte ein Streit, der bundesweit für Aufsehen sorgte. Nachbarn wandten sich mit einer Beschwerde an den Landkreis Aurich und fühlten sich durch das Geschnatter der Tiere sowie durch Gerüche gestört. Sie forderten die Behörde auf, gegen die Kleintierhaltung vorzugehen.
Die Kreisverwaltung prüfte seitdem, ob die Haltung der Gänse überhaupt zulässig ist. Während dieser Zeit kämpfte der Senior darum, seine Tiere behalten zu dürfen. Dabei erfuhr er viel Solidarität von anderen Nachbarn, die sich nicht von den Gänsen gestört fühlten. Eine von Nachbarn initiierte Online-Petition für den Verbleib der Gänse im Dorf unterschrieben inzwischen 75.000 Menschen.
Gesundheitliche Gründe zwingen zur Entscheidung
Nun hat der 81-Jährige jedoch die Entscheidung getroffen, seine Gänse abzugeben. „Ich kann es nicht mehr“, sagte Smidt, den Tränen nahe. Vor kurzem habe er sich einer langen Operation am Kopf unterziehen müssen. „Die Ärzte haben gesagt, ich darf keinen Ärger mehr haben“, erklärte der Rentner. Die anhaltenden Auseinandersetzungen mit den Nachbarn und die ungewisse rechtliche Situation hätten ihm die Kraft geraubt.
Am Samstag brachte Smidt seine Gänse persönlich in einem Bollerwagen zu dem Tierpark im Landkreis Aurich. „Ich bin froh, dass die Gänse hier untergekommen sind“, sagte er. „Hier haben sie es gut. Es gibt einen Teich mit Wasser, Futter und einen Stall.“ Mit seiner Entscheidung kommt er einer endgültigen behördlichen Regelung in dem Streit zuvor.
Lebenslanges Besuchsrecht im Tierpark
Der Abschied von seinen Tieren fiel dem 81-Jährigen äußerst schwer. Die Gänse Paul, Pauline und Wilma waren über Jahre seine täglichen Begleiter gewesen. Als Trost sicherte ihm der Tierpark in Rechtsupweg – nur wenige Autominuten von Marienhafe entfernt – ein lebenslanges Besuchsrecht zu. Smidt plant, seine ehemaligen Hausgenossen dort regelmäßig zu besuchen.
Der Fall hat eine grundsätzliche Diskussion über Tierhaltung in ländlichen Gemeinden ausgelöst. Während einige Nachbarn die traditionelle Kleintierhaltung als störend empfinden, sehen andere darin ein Stück dörflicher Kultur und Lebensqualität. Die emotionale Debatte zeigt, wie sensibel das Zusammenleben in kleinen Gemeinden sein kann, wenn unterschiedliche Vorstellungen aufeinandertreffen.



