Schwierige Rettungsaktion: 100 Stunden bis in die Freiheit
Martin Bocklage aus Altwarp hat seinen Fährbetrieb auf dem Stettiner Haff eingestellt und ist nach Wismar geeilt, um einen gestrandeten Buckelwal zu retten. Der 42-jährige Reeder und Kapitän, der auch den Schlepper Robin Hood mit Heimathafen in Stralsund steuert, war bereit für einen Spezialeinsatz in der Ostsee. Sein Plan, den mehr als zwölf Meter langen Meeressäuger in die Nordsee zu schleppen, nahm jedoch eine überraschende Wendung.
Überraschende Selbstbefreiung des Wals
Das bereits am 31. März vor Poel gestrandete Tier hatte sich am Montagmorgen überraschend selbst aus dem Schlick befreit und schwamm durch die Wismarbucht. Gestiegener Wasserstand und starker Wind hatten ihm geholfen. Ob Martin Bocklages Aufgabe damit beendet ist, bevor sie richtig angefangen hat, blieb im Laufe des Montags unklar. Offenbar hält sich der Kapitän weiterhin bereit für den Fall, dass er auf der Ostsee gebraucht wird.
„Mein Mann hat den Auftrag bekommen und ist vor Ort“, teilte Christine Bocklage gegen 10.30 Uhr mit. „Wir haben großen Respekt davor.“ Über den weiteren Werdegang wüssten beide selbst nicht Bescheid. „Wir planen aber den Stillstand für unsere Fährverbindung erstmal eine Woche ein.“ Martin Bocklage selbst war zunächst nicht zu sprechen, da ihn der Einsatz für den Wal stark in Anspruch nahm.
Unternehmerische Opfer und öffentliche Unterstützung
Auf seiner Internetseite meldete das Unternehmen seinen Fährbetrieb mit dem Kutter Lütt Matten in Vorpommern bis zum 26. April „aufgrund der Wal-Rettung“ als geschlossen. „Es ist für uns eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, und wir bitten um Verständnis“, hieß es von der Reederei mit Hauptsitz in Altwarp. Der Bildzeitung hatte Martin Bocklage am Wochenende bestätigt: „Ich freue mich auf diese neue Herausforderung und warte, dass es endlich losgeht.“
Auf seiner Facebook-Seite informierte „euer Käpt'n Lütt Matten“: „Wir drücken die Daumen, dass die Rettung ein gutes Ende nimmt. Wir bitten um Verständnis.“ Dem Nachrichtenportal News 5 hatte der Kapitän am Sonntag gesagt: „Das ist etwas ganz Seltenes. Normalerweise schleppt man keine Wale ins Wasser.“ Die öffentliche Resonanz war überwältigend: Mehr als 360 Nutzer nahmen die Information wohlwollend zur Kenntnis, 114 kommentierten.
Details der geplanten Rettungsaktion
Der Plan vor Wismar hatte vorgesehen, den Wal mittels Luftkissen anzuheben, auf ein zwischen Pontons gespanntes Netz zu hieven und ihn im Schritttempo in die Nordsee, vielleicht sogar in den Atlantik zu ziehen. Rund 100 Stunden hatte Martin Bocklage für die Aktion angesetzt. Normalerweise schleppt seine Crew mit der knapp 27 Meter langen und 900 Pferdestärken motorisierten Robin Hood Windmühlenteile und Last-Pontons.
Bereits im Januar war die Robin Hood öffentlich in Erscheinung getreten, als sie den vor Kühlungsborn in Brand geratenen Tanker Annika in den Rostocker Hafen schleppte. Mit ihrem Fährbetrieb auf dem Stettiner Haff war Familie Bocklage zuletzt in schwieriges Fahrwasser geraten, weil im Spätsommer wegen der in Polen wieder eingeführten Grenzkontrollen vor allem Radtouristen „fast komplett weggeblieben“ waren.
Zusammenfassung und Ausblick
Die Rettungsaktion für den Buckelwal Timmy zeigt das Engagement von Martin Bocklage und seiner Crew, die bereit sind, unternehmerische Opfer für den Tierschutz zu bringen. Trotz der überraschenden Selbstbefreiung des Wals bleibt die Situation dynamisch, und der Kapitän hält sich für weitere Einsätze bereit. Die öffentliche Unterstützung und die Danksagungen aus ganz Deutschland unterstreichen die Bedeutung solcher Missionen für die Gemeinschaft.



