Kormoran pickt an Notaufnahme: Experte schließt gezielte Hilfesuche aus
Kormoran pickt an Notaufnahme: Kein gezielter Hilferuf

Kormoran pickt an Notaufnahme: Experte schließt gezielte Hilfesuche aus

Ein verletzter Kormoran mit einem Angelhaken im Schnabel hat gegen die Tür einer Notaufnahme in Bremen gepickt – ein außergewöhnlicher Vorfall, der Fragen nach tierischer Intelligenz aufwirft. Nach Einschätzung eines Fachmanns handelte es sich dabei jedoch höchstwahrscheinlich um einen bemerkenswerten Zufall und nicht um einen bewussten Hilferuf des Vogels.

Ein außergewöhnlicher Zufall an der Kliniktür

Der Vorfall ereignete sich am Wochenende in Bremen, als ein Kormoran mit einem Angelhaken im Schnabel gegen die Scheibe der Notaufnahme eines Krankenhauses pickte. Feuerwehrleute und medizinisches Personal konnten den Haken entfernen, die Wunde versorgen und den Vogel anschließend wieder freilassen. Thomas Brandt, Vorsitzender der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass eine gezielte Hilfesuche des Tieres auszuschließen sei.

„Das ist ganz sicher ein bemerkenswerter Zufall“, betonte Brandt. Solche gedanklichen Transferleistungen, bei denen ein Tier bewusst menschliche Hilfe sucht, seien nur sehr wenigen Tierarten vorbehalten. Der Kormoran sei demnach sehr wahrscheinlich zufällig an der Klinik gelandet.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Unterschiede in der Vogelintelligenz

Brandt wies darauf hin, dass es erhebliche Unterschiede in der Intelligenz verschiedener Vogelarten gibt. Grundsätzlich diene Intelligenz dem Überleben, etwa wenn Nahrung schwer zu finden oder zu erreichen sei. Einige Arten zeigen einsichtiges Verhalten oder nutzen sogar Werkzeuge.

Als besonders intelligent gelten vor allem Rabenvögel, so der Experte. Unter ihnen dürften einzelne Arten zu den klügsten Vögeln überhaupt gehören – beispielsweise die in Asien beheimatete Hauskrähe. Allerdings sei bislang nur ein kleiner Teil der weltweit mehr als 11.000 Vogelarten genauer auf ihre kognitiven Fähigkeiten untersucht worden.

Verletzungen durch Angelhaken sind keine Seltenheit

Dass sich Vögel an Angelschnüren oder Haken verletzen, kommt nach Brandts Angaben immer wieder vor. Betroffen seien neben Kormoranen auch Fischadler, Eisvögel, Reiher oder Enten. Der Experte rief Angler daher zu besonderer Sorgfalt auf, um zurückgelassenen Müll in der Natur zu vermeiden und so solche Unfälle zu reduzieren.

Der Kormoran: Ein faszinierender Wasservogel

Kormorane sind große, dunkel gefiederte Wasservögel mit langem Hals und hakenförmiger Schnabelspitze. Sie ernähren sich überwiegend von Fischen und können mehrere Meter tief tauchen, um ihre Beute zu fangen. In Niedersachsen brüten die Kormorane nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) vor allem an fischreichen Binnengewässern sowie an der Küste.

Historisch war der Kormoran in Deutschland zeitweise nahezu ausgerottet, da er lange als Konkurrenz für die Fischerei galt. Erst dank einer Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union erholten sich die Bestände wieder. Heute steht der Kormoran laut Nabu Niedersachsen als heimische Vogelart unter besonderem Schutz des Naturschutzrechts – auch wenn es regional Ausnahmen, etwa zum Schutz von Fischbeständen, geben kann. Im Jahr 2010 wurde der Kormoran in Deutschland zum Vogel des Jahres gewählt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration