Pseudowut-Alarm in MV: Jägerin verliert zwei Hunde an tödliche Tierseuche
Pseudowut-Alarm: Jägerin verliert zwei Hunde an Tierseuche (03.03.2026)

Pseudowut-Alarm in Mecklenburg-Vorpommern: Tödliche Gefahr für Hunde

Die sogenannte Aujeszky-Krankheit, im Volksmund als Pseudowut bekannt, sorgt derzeit für erhebliche Besorgnis in Mecklenburg-Vorpommern. Diese gefährliche Tierseuche betrifft nicht nur die Jägerschaft, sondern stellt auch für Waldspaziergänger und Tierhalter in Waldnähe eine ernste Bedrohung dar. Während die Erkrankung primär Wild- und Hausschweine befällt, sind insbesondere Jagdhunde und frei laufende Vierbeiner im Wald extrem gefährdet – mit stets tödlichem Ausgang nach qualvollem Krankheitsverlauf.

Lebenslange Infektion bei Wildschweinen

Veterinär Dr. Olav Henschel vom Fachdienst Veterinär- und Lebensmittelüberwachung des Landkreises Ludwigslust-Parchim erklärt die Hintergründe: „Die Aujeszky-Krankheit wird durch ein Herpesvirus verursacht, das im Schwarzwildbestand weit verbreitet ist. Ähnlich wie beim Humanherpesvirus schlummert der Erreger oft und das Tier bleibt lebenslang infiziert.“ In Mecklenburg-Vorpommern schätzen Experten, dass etwa 10 bis 20 Prozent des Wildschweinbestandes das Virus in sich tragen.

Wildschweine fungieren als Reservoir für den Erreger, oft völlig unbemerkt. Unter Stresssituationen wie während der Rausche, bei Bejagung oder Futtermangel kann das Virus aktiv werden und infektiös werden. „Bei Schweinen zeigen sich meist nur dezentere Symptome, bei Wildschweinen bleibt die Infektion häufig völlig symptomlos“, so Henschel. Ganz anders verhält es sich bei Hunden und anderen Haustieren, bei denen die Erkrankung dramatisch verläuft.

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Tragischer Doppelverlust einer Jägerin

Die aktuelle Brisanz der Pseudowut verdeutlicht sich durch einen besonders tragischen Fall: Anja Blank, Geschäftsführerin des Landesjagdverbands Mecklenburg-Vorpommern, verlor innerhalb weniger Tage gleich zwei ihrer geliebten Jagdhunde an die tückische Krankheit. „Bei meiner Hündin Finte begann es mit leichtem Kopfkratzen“, berichtet die betroffene Jägerin. „Über Nacht verschlimmerte sich der Zustand so dramatisch, dass sie sich das Gesicht blutig kratzte. Der Verlauf war brutal schnell – kaum 24 Stunden später war sie tot.“

Ihr zweiter Hund Dorn zeigte kurz darauf völlig andere Symptome: „Er begann plötzlich zu erbrechen, bekam schweren Durchfall und litt unter massiven Schmerzen.“ Die behandelnden Tierärztinnen konnten zwar eine Schilddrüsenentzündung diagnostizieren, „aber es war bereits zu spät. Wir mussten ihn einschläfern lassen – das war der schlimmste Hundetod, den ich je erleben musste“, schildert Blank die traumatischen Ereignisse.

Infektionswege und alarmierende Symptome

Die Übertragung des Virus erfolgt hauptsächlich durch direkten Kontakt mit infizierten Wildschweinen oder deren Überresten. Speichel, Augensekrete und Blut stellen die Hauptinfektionsquellen dar. „Hunde können sich infizieren, wenn sie solche Sekrete aufnehmen“, warnt Veterinär Henschel. Bereits das Trinken aus Suhlen, das Aufnehmen von Kot oder der Kontakt mit Innereien und Blut kann zur Ansteckung führen – sowohl in der Jagdpraxis als auch beim normalen Waldspaziergang mit freilaufendem Hund.

Das Leitsymptom bei Hunden ist ein entsetzlicher, unstillbarer Juckreiz, der so intensiv werden kann, dass sich die Tiere das Fell buchstäblich von den Knochen kratzen. „Letztendlich sterben sie jedoch nicht am Juckreiz, sondern an zentralnervösen Störungen und fortschreitenden Muskel-Lähmungen“, erklärt Henschel. Während sich nahezu alle Tierarten infizieren können, besteht für Menschen keine Gefahr – das Virus ist nicht auf den Menschen übertragbar.

Experten warnen vor unterschätzter Gefahr

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim sind seit Herbst mehrere Fälle infizierter Hunde innerhalb kurzer Zeit aufgetreten. Landesweit sind offiziell, Stand Februar 2026, lediglich fünf Fälle der Aujeszky-Krankheit dokumentiert. Doch Veterinär Henschel warnt eindringlich vor einer deutlich höheren Dunkelziffer: „Es werden zwar keine Hunderte Hunde daran sterben, aber dass es tatsächlich nur fünf Fälle in ganz MV gibt, das bezweifle ich stark.“

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Infolge von Anja Blanks tragischem Verlust haben sich mehrere Tierkliniken, der Landesjagdverband und das Friedrich-Loeffler-Institut mit deutlichen Warnungen an die Öffentlichkeit gewandt. „Wir müssen uns bewusst sein, dass sich das Risiko nicht geändert hat, nur weil jetzt Fälle bei Hunden bemerkt wurden“, appelliert Henschel an die allgemeine Vorsicht. Die Viruslast im Schwarzwildbestand sei generell gegeben und erfordere kontinuierliche Aufmerksamkeit.

Monitoring und Impfstoff-Dilemma

Eine aktuelle Untersuchung von 398 Proben im Landkreis Ludwigslust-Parchim ergab 71 positive Befunde – das entspricht einer Infektionsrate von 17,8 Prozent. „Etwa jedes fünfte Wildschwein ist infiziert“, fasst Henschel die alarmierenden Zahlen zusammen. Ob ein landesweites Monitoring wirklich zielführend ist, bleibt unter Experten umstritten, da es lediglich bestätigen würde, was bereits bekannt ist: Die Krankheit existiert im Schwarzwildbestand.

Für Hausschweine existiert zwar ein Impfstoff, dessen Anwendung in Deutschland jedoch verboten ist, da das Land seit 2003 offiziell als Aujeszky-frei gilt. Impfungen könnten diesen Status gefährden und den internationalen Schweinefleischhandel beeinträchtigen. Für Hunde und andere Haustiere gibt es bislang überhaupt keinen verfügbaren Impfstoff. „Hunde haben in bisherigen Studien nicht zuverlässig Antikörper entwickelt“, erklärt Dr. Kirsten Thorstensen von Boehringer Ingelheim Vetmedica. „Das Risiko wäre also trotz Impfung nicht gebannt, weshalb die Entwicklung aktuell keine Priorität hat.“

Anja Blank hofft dennoch auf intensivierte Forschungen: „Es handelt sich um ein globales Problem, wie Berichte aus Frankreich und anderen Bundesländern zeigen. Ein Impfstoff könnte unsere Arbeit als Jäger sicherer machen, und wir wären bereit, dafür zu zahlen.“

Prävention als einziger Schutz

„Ein völliger Schutz vor der Krankheit wird nicht möglich sein“, ist Veterinär Henschel überzeugt. Aktuell können Jäger und Hundehalter nur präventiv handeln. Die klare Botschaft der Experten lautet: Hundehalter, insbesondere im jagdlichen Bereich, sollten extrem wachsam bleiben und die Handlungsempfehlungen der Verbände strikt beachten. Waldspaziergänger sollten ihre Tiere unbedingt anleinen, um Kontakte mit potenziellen Infektionsquellen zu vermeiden. Das Risiko einer Infektion mit der tödlichen Pseudowut darf keinesfalls unterschätzt werden.