Schafbock stundenlang im Kofferraum eingesperrt: Polizei-Einsatz in Wels
Es gibt Geräusche, die man in einer Tiefgarage erwartet: Motorenlärm, Hupen oder quietschende Reifen. Doch das anhaltende Blöken eines Schafes gehört definitiv nicht dazu. Genau dieses ungewöhnliche Geräusch hörten jedoch drei aufmerksame junge Frauen vor drei Tagen in einer Tiefgarage in der oberösterreichischen Stadt Wels.
Alarmierende Entdeckung führt zu Polizeieinsatz
Ein deutliches „Määäh“ drang wiederholt aus dem Kofferraum eines geparkten SUV. Die besorgten Zeuginnen reagierten umgehend und verständigten die Polizei. Die Beamten trafen kurz nach ein Uhr nachts am Tatort ein und konnten zunächst ihren Ohren nicht trauen. Doch die Realität bestätigte sich schnell: Im Kofferraum des Fahrzeugs befand sich tatsächlich ein lebendiger Schafbock.
Durch eine Überprüfung des Nummernschildes ermittelten die Polizisten den 46-jährigen Halter des Wagens. Dieser schlief zu diesem Zeitpunkt seelenruhig in seiner Wohnung. Auf Aufforderung öffnete er schließlich den Kofferraum in Anwesenheit der Ordnungshüter. Zum Vorschein kam ein schwarzer Schafbock, der die Anwesenden mit seinen dunklen Knopfaugen ansah.
Tier ohne Versorgung eingesperrt
Der Jungbock lag völlig allein im Fahrzeug – ohne Zugang zu Wasser oder Futter. Lediglich etwas Stroh hatte der Mann als Unterlage bereitgelegt. Die Polizeibeamten erklärten dem Halter umgehend, dass diese Haltungsbedingungen weder sachgemäß noch tiergerecht seien. Seine erstaunliche Rechtfertigung: „Einen Hund würde man auch nicht anders transportieren.“
Was der Mann genau mit dem Schaf vorhatte, bleibt unklar. Er gab an, das Tier bei einem Bauern in Oberösterreich gekauft zu haben und es zur Zucht verwenden zu wollen. Wie lange der Schafbock bereits im Kofferraum eingesperrt war, konnte nicht genau festgestellt werden. Der beißende Geruch, der dem Fahrzeug entströmte, ließ jedoch auf mehrere Stunden schließen.
Rettungsaktion durch Tierrettungsorganisation
Die Polizei alarmierte die österreichische Icara-Tierrettung, deren Mitarbeiter sich sofort um das Tier kümmerten. Sie gaben dem Schafbock den Namen Manni und versorgten ihn zunächst mit lebenswichtigem Wasser. Tierretter Georg Pold, der seit sechs Jahren im Tierschutz aktiv ist, berichtete: „Wir haben uns um ihn gekümmert und das Tier noch in derselben Nacht ins Tierheim nach Freistadt gebracht.“
Pold zeigte sich von dem Vorfall schockiert: „Ich habe schon viel erlebt, aber so etwas Kurioses noch nicht.“ Der Halter behauptete später, er sei gegen 23 Uhr abends angekommen und habe sich schlafen gelegt – das Schaf habe er einfach vergessen.
Happy End für den geretteten Schafbock
Zum Glück geht es Manni nach der Befreiung gut. Der weitere Verlauf der Geschichte nahm eine positive Wendung: Der ehemalige Besitzer rief im Tierheim an und schenkte den Schafbock der Einrichtung, da ihm die Auflagen für eine artgerechte Haltung zu hoch erschienen. Damit darf Manni nun dauerhaft im Tierheim bleiben und dort sein gesamtes Leben verbringen.
Dieser außergewöhnliche Vorfall in Wels zeigt einmal mehr, wie wichtig aufmerksame Bürger und schnelles Handeln der Behörden für den Tierschutz sind. Die Rettungsaktion endete glücklicherweise mit einem positiven Ausgang für das betroffene Tier.



