Schwarzfahrerkatze Sheila: Eine ungewöhnliche Reise durch die Bahnstrecken
Während die meisten Katzen Mäuse jagen, hat Sheila aus Berne eine ganz besondere Vorliebe entwickelt: Sie fährt leidenschaftlich gern Bahn. Die schwarz-weiße Vierbeinerin ist entlang der Strecke zwischen Nordenham und Bremen längst kein Unbekannter mehr. Mehrfach ist sie bereits als blinder Passagier in Regionalzügen aufgetaucht – stets ohne Ticket, ohne Gepäck, aber mit offensichtlich großer Reiselust.
Der spektakuläre Einsatz am Bremer Hauptbahnhof
Am 6. Februar gegen 19.12 Uhr erreichte die Nordwestbahn eine ungewöhnliche Meldung: Eine Katze lief orientierungslos durch den Regionalzug RS4 aus Nordenham. Am Bremer Hauptbahnhof stand bereits die sogenannte Quattro-Streife bereit – ein Einsatzteam bestehend aus Bundespolizei, Landespolizei, Ordnungsamt und DB Sicherheit.
Die „vierbeinige Schwarzfahrerin“, wie die Bundespolizei sie später nannte, ließ sich erstaunlich problemlos einfangen. Aufgrund ihrer ausgeprägten Zutraulichkeit wurde sie sogar auf dem Arm eines Beamten vom Bahnsteig getragen – ein Service, der vermutlich besser war als mancher zahlende Fahrgast ihn erhält.
Eine Nacht in der Ausnüchterungszelle
Endstation der ungewöhnlichen Reise war das Bundespolizeirevier. Hier bekam Sheila Wasser und verbrachte mehrere Stunden in einer Ausnüchterungszelle. Nicht etwa wegen Randale oder Alkoholkonsum am Gleis, sondern schlichtweg, weil dies der sicherste Raum war, bis die Bremer Katzenhilfe die Vierbeinerin übernehmen konnte. Eine Gefängniserfahrung, die wohl nur wenige Katzen in ihrem Lebenslauf vorweisen können.
Wiederholungstäterin mit Vorliebe für öffentlichen Nahverkehr
Rein juristisch betrachtet wäre Schwarzfahren eine Straftat – das sogenannte „Erschleichen von Leistungen“. Doch die Bundespolizei verzichtete großzügig auf eine Anzeige. Zum einen wäre es schwierig gewesen, einer Katze Vorsatz nachzuweisen. Zum anderen gestaltet sich das Eintreiben eines erhöhten Beförderungsentgelts kompliziert, wenn der Beschuldigten sowohl das nötige Kleingeld als auch ein Geldbeutel fehlen.
In Berne ist Sheila längst bekannt. Tierschützer berichten, dass die Katze bereits mehrfach Zug gefahren ist – sowohl Richtung Nordenham und Kirchhammelwarden als auch nach Bremen. Wo genau sie zusteigt, bleibt unklar. Eine offene Tür, ein unbeobachteter Moment – und schon sitzt sie im Waggon. Offenbar hat sie eine ausgeprägte Vorliebe für den öffentlichen Nahverkehr entwickelt.
Die Suche nach einem neuen Zuhause
Inzwischen wurde Sheila im Tierheim Oldenburg abgegeben. Ihre bisherige Halterin sei nicht mobil gewesen und mit der energiegeladenen Katze überfordert. Nun wird dringend ein neues Zuhause für die abenteuerlustige Vierbeinerin gesucht – möglichst mit Garten und mit großem Abstand zur nächsten Bahnstrecke.
Denn eines steht fest: Wenn irgendwo eine Zugtür aufgeht, könnte Sheila schon wieder unterwegs sein. Ihre Leidenschaft für Bahnfahrten scheint tief verwurzelt zu sein, und wer weiß, welche Abenteuer sie als nächstes erleben wird.



