Schweriner Stadttaube Hugo kehrt in die Freiheit zurück
Der Schweriner Marktplatz wurde am Sonnabend, dem 14. Februar, zur Bühne für eine besondere Freilassungsaktion. Punkt 12.45 Uhr stand ein kleiner Transportkorb im Mittelpunkt des Geschehens, aus dem nach sechs Wochen intensiver Pflege die Stadttaube „Hugo“ in die Freiheit entlassen wurde.
Sechswöchige Genesung nach schwerem Parasitenbefall
Tierschützerin Aileen Wosniak vom Verein Tiere in Not Schwerin und Umgebung begleitete gemeinsam mit Mitstreiter Maik die emotionale Rückkehr des Vogels in den Schwarm. „Vor anderthalb Monaten war das Tier hier aufgefallen: mit kahlern Hals, geschwächt und ohne jeden Fluchtinstinkt“, berichtet Wosniak. Eine aufmerksame Taubenfreundin konnte das geschwächte Tier einfangen und in Sicherheit bringen.
Die anschließende Untersuchung im Tier-Gesundheitszentrum ergab einen massiven Wurm- und Parasitenbefall. Nach wochenlanger Behandlung und Pflege war Hugo endlich genesen und konnte seinen Platz in der Schweriner Taubenpopulation wieder einnehmen.
Debatte um betreute Taubenschläge für Schwerin
Für die engagierte Tierschützerin ist dieser erfolgreiche Moment jedoch nur eine Zwischenstation in einem größeren Kampf. „Stadttauben sind keine Wildtiere, sondern domestizierte Haustiere, für deren Bestand der Mensch die Verantwortung trägt“, betont Wosniak nachdrücklich.
Die Tiere vermehrten sich bis zu achtmal im Jahr, unabhängig vom verfügbaren Futterangebot. Nachhaltig lasse sich die Population nur mit betreuten Taubenschlägen regulieren: „Das bedeutet unter anderem medizinische Versorgung, gebündelter Aufenthalt und Austausch der Eier“, erklärt die Tierschützerin.
Ein entsprechendes, 25 Seiten starkes Konzept liegt bereits der Stadtverwaltung vor. Eine Umsetzung wurde bislang jedoch abgelehnt, was bei den Tierschützern auf Unverständnis stößt.
Tauben als „Ratten der Lüfte“ – Vorurteile abbauen
Während auf dem Marktplatz das vertraute Gurren der Tauben ertönt, verfolgt nicht jeder Passant die Freilassungsaktion mit Begeisterung. Für viele Menschen gelten Tauben immer noch als „Ratten der Lüfte“, die als Krankheitsüberträger und Verschmutzer wahrgenommen werden.
Ein interessierter Beobachter geht auf die Tierschützer zu: „Ach, Sie sind das mit den Tauben.“ Er deutet eine gewisse Belästigung durch die Tiere an. Es entwickelt sich ein kurzer, aber konstruktiver Gedankenaustausch. Visitenkarten werden getauscht und man vereinbart, sich in den kommenden Tagen weiter zu verständigen.
Wosniak zeigt sich erleichtert über diese Entwicklung: „Hier war tatsächlich ein Gespräch möglich. Das ist genau der Dialog, den wir brauchen, um Vorurteile abzubauen und Lösungen zu finden.“
Streunende Katzen in Schweriner Stadtteilen
Kaum ist Hugo sicher in der Luft, beginnt für die Tierschützer der zweite Teil ihres anstrengenden Tages. In verschiedenen Schweriner Stadtteilen wie Görries, Dreesch rund um die Mendelejewstraße, im Bereich der Suchtklinik, an der Pecser Straße und Wittenberger Straße existieren weitere Brennpunkte tierischen Leids.
Dort leben nach Angaben der Tierschützer Dutzende unkastrierte Katzen, von denen viele krank, verletzt oder geschwächt sind. „Die Tiere müssen gesichert, tierärztlich versorgt und wenn möglich kastriert werden“, fordert Wosniak mit Nachdruck.
Mehr als 50 streunende Katzen allein auf dem Dreesch
Parallel zur Taubenaktion erfassen ehrenamtliche Helfer Bestände in der Eisenbahnstraße. Das Ergebnis ist ernüchternd: „Zwei Katzen konnten wir sichern“, berichten die Aktiven. Die winterliche Witterung erschwert die Arbeit erheblich, fehlende Abstimmungen mit einzelnen Fütternden bremsen die Bemühungen zusätzlich.
„Bei diesem Wetter sind die Katzen weniger aktiv. Sie kommen kaum an die Futterstellen. Das wird im Frühjahr einfacher“, erklärt Caroline Dehl, die 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins.
Dabei ist aus Sicht der Initiative dringend Tempo geboten. Allein auf dem Dreesch würden schätzungsweise 50 unkastrierte Katzen leben. Eingefangene Tiere werden zur tierärztlichen Betreuung gebracht und in seltenen Fällen ins Neustrelitzer Katzenparadies vermittelt. Die restlichen Tiere müssen laut Bestimmung nach möglicher Kastration in ihren Lebensraum zurückkehren.
Verein im Aufbau – Ehrenamtliche tragen Kosten selbst
Der Verein Tiere in Not Schwerin und Umgebung befindet sich noch im Aufbau. Fördermittelverfahren laufen, doch derzeit tragen die Beteiligten Fahrten, Fangaktionen und Erstversorgung aus eigener Tasche. Die Arbeit geschieht ehrenamtlich und meist unbeachtet von der Öffentlichkeit.
Dennoch geben die engagierten Tierschützer nicht auf. Die erfolgreiche Freilassung von Taube Hugo zeigt, dass ihr Einsatz Früchte trägt – auch wenn der Weg zu einer tierfreundlicheren Stadt noch lang ist.



