Reitsport-Skandal in München: Tierquälerei bei Turnier – Kinder verstört, Ermittlungen laufen
Nach den schockierenden Vorfällen auf der Olympia-Reitanlage in München-Riem und dem abrupten Abbruch eines Reitturniers herrschen Entsetzen und Angst in der Reitsportgemeinschaft. Kinder und Jugendliche sind zutiefst verstört, während die Ermittlungen der Polizei und des Kreisveterinäramts auf Hochtouren laufen. Der Bayerische Reit- und Fahrverband sowie die Deutsche Reiterliche Vereinigung haben mit scharfen Verurteilungen und konkreten Maßnahmen reagiert.
Schockierende Details der Tierquälerei
Neue Einzelheiten, die nun an die Öffentlichkeit gelangt sind, deuten deutlich auf gezielte Tierquälerei hin. Wilfried Herkommer, ehemaliger Geschäftsführer des Bayerischen Reit- und Fahrverbandes, berichtete dem Fachportal „equi pages“ von grausamen Vorkommnissen in der Nacht vor dem Turnier. „Sechs Ponys hatten abgeschnittene Mähnen, Schweife und teilweise auch Schöpfe“, sagte Herkommer. Noch erschütternder sei die Tatsache, dass bei mehreren Pferden „die Zungen mit Gummibändern straff umwickelt“ wurden.
Herkommer, der selbst mit seiner Enkelin bei dem Turnier anwesend war, schilderte die Reaktionen der jungen Reiterinnen und Reiter: „Der Schock war bei allen groß. Die Kinder waren zutiefst verstört. Keiner wollte unter diesen Umständen mehr reiten. Jeder wollte nur noch nach Hause.“ Der Jurist vermutet, dass die Täter über Pferdekenntnisse verfügten, da das Umwickeln der Zungen spezielles Wissen voraussetzt. „Möglicherweise waren es auch mehrere Täter, damit einer festhalten konnte“, fügte er hinzu.
Sicherheitsmaßnahmen werden verschärft
Als unmittelbare Reaktion auf die Vorfälle kündigte der Bayerische Reit- und Fahrverband eine Verschärfung des Sicherheitskonzepts auf der Olympia-Reitanlage an. Thomas Schreder, der aktuelle Geschäftsführer des Verbands, betonte in einer offiziellen Mitteilung: „Wir werden alles tun, damit sich Pferde und Pferdefreunde so sicher wie möglich fühlen und der Zutritt zukünftig noch stärker kontrolliert wird.“ Er zeigte sich zugleich erleichtert, dass den betroffenen Ponys nach tierärztlicher Einschätzung keine bleibenden Schäden drohen.
Schreder unterstrich, dass das Wohl der Kinder und Jugendlichen sowie der Ponys im Mittelpunkt stehe. „Unser Hauptaugenmerk gilt dem Wohl der Kinder und Jugendlichen sowie den betroffenen Ponys und den Betreuern und Eltern, die zu Gast auf der Olympia-Reitanlage waren“, sagte er.
Verband verurteilt Vorfälle auf das Schärfste
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hatte am Sonntag erstmals von den tierschutzrelevanten Vorkommnissen berichtet, hatte aber aus ermittlungstechnischen Gründen zunächst keine Details preisgegeben. Dennis Peiler, Vorstandsvorsitzender des Verbands, äußerte sich deutlich: „Wir sind tief erschüttert über die Vorfälle in München-Riem. Wir verurteilen dieses Handeln auf das Schärfste. Der Schutz und das Wohlergehen der uns anvertrauten Pferde und Ponys haben für uns oberste Priorität.“
Peiler betonte, dass eine vollständige Aufklärung und Ahndung der Taten ein großes Anliegen sei. Die Ponys, die an der bayerischen Sichtung zum „Preis der Besten“ teilnahmen, waren in einem Stall auf dem Gelände untergebracht. Dieser Wettbewerb ist eine deutschlandweite Prüfung für die besten Nachwuchsreiter in Dressur, Springen und Voltigieren, die vom 8. bis 10. Mai in Warendorf ausgetragen wird.
Die Ermittlungen von Polizei und Veterinäramt laufen derzeit intensiv, während die Reitsportgemeinschaft mit den psychischen Folgen für die betroffenen Kinder und den Tieren kämpft. Die Vorfälle werfen ernste Fragen zum Schutz von Tieren bei Sportveranstaltungen auf und dürften langfristige Auswirkungen auf Sicherheitsstandards im Reitsport haben.



