Wildtiernah Berlin: Über 600 Anfragen in drei Monaten - Erste Bilanz des Projekts
Wie verhält man sich richtig, wenn man einen verletzten Fuchs oder einen hilflosen Schwan entdeckt? Antworten auf diese und viele weitere Fragen bietet das Projekt Wildtiernah Berlin, das nun nach drei Monaten Laufzeit eine erste Zwischenbilanz zieht. Die zentrale Anlaufstelle für Wildtierfragen in der Hauptstadt verzeichnete bereits mehr als 600 Kontaktaufnahmen.
Zahlreiche Beratungen und tierärztliche Behandlungen
Seit dem Start im November vergangenen Jahres wurde das Team von Wildtiernah Berlin in über 600 Fällen sowohl für Beratungen als auch für tierärztliche Behandlungen kontaktiert. Dies teilte eine Sprecherin des Projekts auf Anfrage mit. Das Projekt des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) wird von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt gefördert und verfügt über ein neunköpfiges Team aus Tierärzten, Wildtierberatern, Kommunikationsexperten und einer Koordinatorin.
Vielfältige Tierarten und häufige Anfragen
Die Resonanz aus der Bevölkerung ist groß, sowohl die Hotline als auch die E-Mail-Beratung werden intensiv genutzt. Die Tierärzte kümmern sich auch direkt um wilde Tiere, beispielsweise in Auffangstationen für Igel oder Fledermäuse oder mit dem Wildtiermobil, einer fahrbaren Klinik. Seit November wurden mehr als 250 verletzte oder hilfsbedürftige Wildtiere betreut.
Insgesamt gab es Anfragen zu mehr als 20 verschiedenen Tierarten, darunter:
- Biber
- Greifvögel
- Wildschweine
Besonders häufig wurden Fragen zu Füchsen, Schwänen, Stadttauben und Waschbären gestellt.
Herausforderungen im Winter und Tipps für Bürger
Der Start von Wildtiernah Berlin fiel in eine Zeit mit teils sehr niedrigen Temperaturen, Schnee und Frost. Kalte Winter sind für Wildtiere immer eine Herausforderung, aber die meisten heimischen Arten sind gut angepasst, erklärte die Sprecherin. Bei längeren Kälteperioden kann es jedoch für kranke, geschwächte oder sehr junge Tiere schwieriger werden, ausreichend Nahrung zu finden, was sie anfälliger für Krankheiten macht. In diesem Winter betrifft in Berlin vor allem Höckerschwäne die Vogelgrippe, wobei zuletzt einige tote Schwäne auf vereistem Wasser gefunden wurden.
Wichtige Verhaltensregeln im Umgang mit Wildtieren
Die Sprecherin warnte davor, tote oder apathisch wirkende Vögel zu berühren, und riet, solche Funde den zuständigen Veterinärämtern zu melden. Nicht jedes Tier, das im Winter beobachtet wird, benötigt Hilfe – manchmal sitzen Tiere regungslos auf dem Eis, um Energie zu sparen. Bei Unsicherheit gilt: anrufen und beraten lassen.
Grundsätzlich sollten Wasservögel nicht gefüttert werden, da in Berlin ein Fütterungsverbot gilt. Brot ist beispielsweise sehr schädlich für Wasservögel wie Schwäne und bietet keine Unterstützung im Winter. Fütterungen führen zudem zu größeren Ansammlungen der Vögel, was die Ansteckungsgefahr mit Vogelgrippe erhöht. Generell lautet die Empfehlung: beobachten statt vorschnell eingreifen, da die Interaktion mit Menschen für die meisten Wildtiere Stress bedeutet.



