Brandenburgs Wälder in historischer Krise: Geheimer Bericht zeigt dramatischen Zustand
Brandenburgs Wälder: Geheimer Bericht enthüllt dramatische Schäden

Brandenburgs Wälder in historischer Krise: Geheimer Bericht zeigt dramatischen Zustand

Die Wälder Brandenburgs befinden sich in einem alarmierenden Zustand, wie nie zuvor dokumentiert. Dies geht aus dem Waldzustandsbericht für das Jahr 2025 hervor, den das Potsdamer Landwirtschaftsministerium offenbar unbeabsichtigt im Januar auf seiner Website veröffentlicht hatte und der unserer Redaktion vorliegt. Die Zahlen sind erschütternd und zeigen eine tiefgreifende Krise der brandenburgischen Forstwirtschaft.

Besorgniserregende Zahlen: Fast 40 Prozent der Wälder geschädigt

Laut dem Bericht weisen fast 40 Prozent der gesamten Waldfläche in Brandenburg deutliche Schäden auf. Nur noch 8 Prozent der Bäume können als gesund eingestuft werden. Im Durchschnitt fehlen den Bäumen mittlerweile rund 28 Prozent ihrer Nadeln oder Blätter – ein neuer Höchstwert, der die dramatische Entwicklung unterstreicht. Fast jeder dritte Baum ist sichtbar geschwächt und zeigt deutliche Anzeichen von Stress und Erkrankungen.

Hauptursachen: Wassermangel und Spätfröste setzen den Bäumen zu

Die Hauptursachen für diesen besorgniserregenden Zustand sind Wassermangel und Spätfröste, die den Bäumen in den vergangenen Jahren massiv zugesetzt haben. Besonders betroffen ist die Kiefer, die mit rund 69 Prozent den größten Anteil des brandenburgischen Waldes ausmacht. Hier zeigen 29 Prozent der Bestände deutliche Schäden. Noch dramatischer ist die Situation bei der Eiche: 75 Prozent der Eichenflächen weisen deutliche Schäden auf, nur 1 Prozent ist noch ohne erkennbare Beeinträchtigung. Auch die Buche bleibt kritisch, mit 56 Prozent geschädigten Beständen.

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Strukturelle Probleme: Naturverjüngung und Wildverbiss

Hinzu kommt ein strukturelles Problem, das die langfristige Erholung der Wälder gefährdet. Nur auf 57 Prozent der Waldfläche wachsen ausreichend Jungbäume nach. Viele junge Pflanzen werden vom Wild verbissen, was die natürliche Verjüngung der Wälder erheblich behindert. Rudolf Hammerschmidt, Vorsitzender der „Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg“, kommentierte die Situation am Dienstag in Potsdam: „Der Waldzustand im Jahr 2025 ist ein deutliches Warnsignal. Wir erleben keine kurzfristige Schwächephase, sondern strukturelle Schäden.“

Hammerschmidt betonte, dass für klimaresiliente Mischwälder die Naturverjüngung ermöglicht werden müsse. Dafür seien die richtigen jagd- und forstpolitischen Rahmenbedingungen erforderlich. Auch Malte Eberwein, Vorsitzender des Waldbesitzerverbands Brandenburg, forderte im Interview mit unserer Redaktion Veränderungen beim Jagdrecht. „Waldeigentümer tragen die Verantwortung und das wirtschaftliche Risiko des Waldumbaus“, so Eberwein. „Dafür brauchen wir ein praxistaugliches und rechtssicheres Jagdrecht.“ Der Zustand der Wälder lasse keinen Aufschub zu.

Politische Reaktionen und Forderungen

Der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Roick, der selbst Förster ist und ein eigenes Waldstück besitzt, nannte die Schäden erwartbar. „Die letzten Jahre waren einfach zu trocken“, sagte Roick. „Man kann nur hoffen, dass das Frühjahr nicht wieder so wird wie letztes Jahr.“ Roick wies darauf hin, dass die Temperaturen, die im Wetterbericht gemeldet werden, oft nicht die Realität für die Bäume widerspiegeln. „So ein Baum ist aber 20 Meter hoch und steht in der prallen Sonne. Das ist etwas grundlegend anderes.“

Auch Roick sprach sich für mehr Naturverjüngung aus, betonte aber: „Das kann allerdings nur klappen, wenn es nicht zu viel Wild gibt. Und man kann zumindest feststellen, dass da, wo straff und streng gejagt wird, die Naturverjüngung größere Chancen hat.“

Ministerin Mittelstädt: Situation muss ernst genommen werden

Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt (SPD) äußerte sich ebenfalls besorgt: „Die Situation im Brandenburger Wald müssen wir sehr ernst nehmen. Die Auswirkungen der Klimaveränderungen – mit Trockenjahren, ausbleibenden Frostperioden und damit auch der Zunahme von Schadinsekten – zeigen sich in dem deutlich gestiegenen Anteil an geschädigten Bäumen.“

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Mittelstädt betonte, dass man beim Waldumbau noch besser werden müsse. „Herausfordernd für übergreifende Konzepte sind nach wie vor die kleinteiligen Eigentumsstrukturen mit fast 100.000 privaten Kleinstwaldbesitzenden.“ Die Ministerin setzt auf Dialogveranstaltungen, um die verschiedenen Interessen zu diskutieren. Im Mai wolle sie mit dem neuen Format „Talk im Wald“ Akteurinnen und Akteure aus der Forstwirtschaft, Verbände, Verwaltung und Politik an einen Tisch holen.

„Im Ergebnis soll eine gemeinsame Plattform entstehen, die Lösungen für einen zukunftsfähigen Wald erarbeitet“, so Mittelstädt. Im Tagesgeschäft müsse man weiterhin Anreize für Privatwaldbesitzer schaffen, wie zum Beispiel die Förderung von Forstbetriebsgemeinschaften, um den Waldumbau voranzubringen. Die Ministerin betonte die Dringlichkeit der Situation und die Notwendigkeit, schnell und entschlossen zu handeln, um die brandenburgischen Wälder für die Zukunft zu sichern.