Gemeinde Offenbach an der Queich bewässert Wald mit Flusswasser
In einer ungewöhnlichen Maßnahme gegen die anhaltende Dürre bewässert die Gemeinde Offenbach an der Queich in Rheinland-Pfalz ihren Wald bereits im Winter. Durch das Schließen eines Wehrs in der Queich wird Flusswasser über ein bestehendes Grabensystem in das Waldgebiet geleitet. Diese innovative Methode soll das sinkende Grundwasser auffüllen und die gestressten Bäume stabilisieren.
Dürrestress bedroht den deutschen Wald
Längere Regenpausen im Sommer setzen den Bäumen in deutschen Wäldern massiv zu. Der Trockenstress führt zu reduzierter Fotosynthese, gestopptem Wachstum und vorzeitigem Blattabwurf. In den Wasserleitungsbahnen der Bäume entstehen Luftblasen, die den Wassertransport blockieren. Geschwächte Bäume werden anfälliger für Schädlinge, was schließlich zum Absterben führt.
Im Gemeindewald von Offenbach an der Queich hat sich bereits viel Totholz angesammelt. Ortsbürgermeister Simon Wingerter erklärt: „In den letzten Jahren sind die Sommer immer trockener und wärmer geworden. Das führte zu verstärktem Trockenstress und ließ viele Bäume absterben.“ Das abgestorbene Holz stellt auch eine Gefahr für Spaziergänger dar.
Umgekehrte Funktion alter Gräben
Das Pilotprojekt umfasst etwa 6 Hektar des insgesamt 173 Hektar großen Gemeindewaldes. Für die Bewässerung werden alte Gräben genutzt, die früher in regenreichen Monaten dazu dienten, Wasser aus dem Wald abzuleiten. Bürgermeister Wingerter erläutert: „Wir drehen deren Funktion jetzt quasi um.“ Die Kosten für die Gemeinde seien sehr gering gewesen, da Freiwilligeneinsätze und einige Baggerstunden ausreichten, um die Gräben freizulegen.
Wochenlang musste die 6300-Einwohner-Gemeinde warten, da der Fluss zunächst nicht genug Wasser führte. Jetzt wurde das Wehr geschlossen, das Wasser staute sich und fließt über die Gräben in den Wald. Die zusätzliche Bewässerung soll die Bäume widerstandsfähiger machen. Ob das Projekt wirkt, wird wissenschaftlich überprüft: Im Wald wurden Sonden installiert, die die Bodenfeuchtigkeit in bewässerten und unbehandelten Bereichen messen.
Wissenschaftliche Begleitung und Vorsichtsmaßnahmen
Projektmitarbeiter und Bürgermeister Wingerter überprüfen regelmäßig, ob das in den Wald geleitete Wasser auch versickert. Staunässe würde den Bäumen schaden. Die Gemeinde nutzt das gleiche System bereits zweimal im Jahr zur Bewässerung ihrer Wiesen mit Flusswasser.
Diese bisher einmalige Maßnahme in Rheinland-Pfalz zeigt, wie Kommunen kreative Lösungen entwickeln, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Die Bewässerung im Winter nutzt die aktuell herrschende schwere bis außergewöhnlich hohe Dürre in weiten Teilen Deutschlands, um den Wald für die kommenden trockenen Monate zu stärken.



