Grevesmühlen muss 215-jährige Blutbuche fällen: Pilzbefall gefährdet Standfestigkeit
Grevesmühlen fällt 215-jährige Blutbuche wegen Pilzbefall

Grevesmühlen verliert historische Blutbuche: Pilzbefall erzwingt Fällung nach 215 Jahren

Die Stadt Grevesmühlen steht vor einem schweren Verlust: Eine imposante Blutbuche, die seit mehr als zwei Jahrhunderten das Stadtbild prägt, muss im Februar 2026 gefällt werden. Der Baum am Sparkassenplatz leidet unter einem massiven Pilzbefall, der seine Standfestigkeit erheblich beeinträchtigt hat.

Pilzbefall gefährdet Sicherheit: Wulstiger Lackporling zerstört Holz

Untersuchungen haben ergeben, dass die 215 Jahre alte Blutbuche vom holzzerstörenden Wulstigen Lackporling befallen ist. Technische Messverfahren zeigten deutlich, dass die Standfestigkeit des Baumes nicht mehr gewährleistet ist. Die Stadt Grevesmühlen teilte am 24. Februar 2026 mit, dass der Baum bei starkem Wind oder Sturm umstürzen oder größere Äste verlieren könnte.

Die Schäden sind irreversibel, und der Baum verfügt nur noch über geringe Sicherheitsreserven. Diese Einschätzung wurde im Genehmigungsverfahren von der Unteren Naturschutzbehörde bestätigt. Aufgrund der akuten Gefahr wurde die Entnahme des Baumes zur Gefahrenabwehr empfohlen und letztlich genehmigt.

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Historischer Hintergrund: Vom Schützenverein gepflanzt

Die Blutbuche wurde nach Überlieferungen um 1815 von Mitgliedern des örtlichen Schützenvereins gepflanzt. Der Standort am Sparkassenplatz hat eine bewegte Geschichte:

  • 1782 war hier die Anlage eines Kirchhofs geplant
  • In den 1830er Jahren befanden sich hier die Gärten der Handelsgärtnerei Ludwig Schultz
  • Später entstand das „Blankenburgsche Etablissement“, das 1896 abbrannte
  • Ab 1897 begann die Bebauung der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße

Auf historischen Fotografien aus der Zeit von Bürgermeister Dr. Philipp von Leitner ist der Baum bereits deutlich zu erkennen. Er hat somit mehrere Generationen von Grevesmühlenern begleitet.

Ersatzpflanzungen geplant: Junger Riese und neue Blutbuche

Trotz des Verlusts gibt es Pläne für Ersatzpflanzungen. Ein genetisch verwandter „Junger Riese“, sozusagen ein Ableger der alten Blutbuche, soll an den Bahnhof umgepflanzt werden. Zusätzlich wird im Zuge der geplanten Neugestaltung des Sparkassenplatzes eine neue Blutbuche gepflanzt.

Vor der Entscheidung zur Fällung wurde auch geprüft, ob sich im Baum geschützte Nistplätze oder Quartiere von Vögeln oder Fledermäusen befinden. Nach Angaben der Stadt ist dies nicht der Fall, was den Eingriff in die Natur etwas erleichtert.

Die Fällung ist für den 25. Februar 2026 geplant und markiert das Ende einer Ära in Grevesmühlen. Die Stadt verliert damit nicht nur einen Baum, sondern ein lebendiges Stück lokaler Geschichte, das nun aus Sicherheitsgründen weichen muss.

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