Müritz-Wasserstand: Behörden verteidigen Steuerung der Oberseen gegen Kritik
Die Diskussion um den Wasserstand der Müritz, Deutschlands größtem Binnensee, hält weiter an. Nach wiederholter Kritik aus der Region hat sich nun das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) Westmecklenburg ausführlich zur Bewirtschaftung der Mecklenburger Oberseen geäußert und dabei verschiedene Vorwürfe relativiert.
Kritik aus Röbel und klare Stellungnahme
Ausgangspunkt der aktuellen Debatte war unter anderem das Engagement von Stefan Kittel aus Röbel, der seit längerer Zeit einen stärkeren Wasserrückhalt in der Müritz fordert und sich dazu an Politik und Verwaltung gewandt hatte. In seiner umfassenden Stellungnahme verdeutlicht das Stalu, dass die Steuerung der Wasserstände einem klar geregelten System folgt und sich nicht allein an einzelnen Messwerten orientieren kann.
„Die Bewirtschaftung der Mecklenburger Oberseen erfolgt nach monatlichen Zielwasserständen, muss aber auch auf die aktuelle hydrologische Lage reagieren“, erklärt Amtsleiter Christoph Linke. Zwar gebe es definierte Zielwerte, etwa 220 Zentimeter am Pegel Waren als oberes Stauziel, doch in der Praxis könne es zu teils deutlichen Abweichungen kommen.
Verdunstung als Hauptfaktor für sinkende Pegel
Einen zentralen Punkt setzt das Amt bei der Frage nach den Ursachen sinkender Wasserstände. Anders als häufig angenommen, spiele nicht in erster Linie die Wasserabgabe über Wehre oder Schleusen die entscheidende Rolle. „In den Sommermonaten kann die Verdunstung auf der gesamten Wasseroberfläche der Oberseen bis zu 19 Kubikmeter pro Sekunde betragen und liegt damit um ein Vielfaches höher als die Abgaben über das Wehr Plau“, heißt es in der offiziellen Mitteilung.
Untersuchungen hätten gezeigt, dass in trockenen Jahren bis zu 80 Prozent des Wasserverlustes auf Verdunstung zurückzuführen seien. So lag der Wasserstand Anfang Februar 2026 rund 17 Zentimeter unter dem Zielwert – Ursache dafür seien vor allem die sehr trockenen Wintermonate gewesen.
Komplexes System mit vielen Interessen
Das Stalu betont zudem, dass die Müritz Teil eines größeren, zusammenhängenden Wassersystems ist. Entscheidungen über Zu- und Abflüsse müssten daher verschiedene Interessen berücksichtigen:
- Den Wasserhaushalt der Seen selbst
- Ökologische Anforderungen, etwa für Fischwanderungen
- Wirtschaftliche Aspekte wie Tourismus und Schifffahrt
- Überregionale Bedeutung für die Trinkwasserversorgung
„Wir haben die Verantwortung, nicht nur unsere eigenen Nutzungsanforderungen zu berücksichtigen, sondern auch diejenigen der Unterlieger in den benachbarten Bundesländern“, so die Behörde. Wasser aus der Müritz fließe über die Havel bis nach Berlin und spiele dort eine wichtige Rolle.
Länderübergreifende Zusammenarbeit und neue Modelle
Vor diesem Hintergrund verweist das Amt auf eine länderübergreifende Zusammenarbeit. Seit 2023 gibt es eine Kooperationsvereinbarung zwischen Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und dem Bund, um die Wasserbewirtschaftung im Einzugsgebiet der oberen Havel besser abzustimmen.
Aktuell werde zudem ein Wasserhaushaltsmodell erarbeitet, das mögliche Anpassungen – etwa bei Stauzielen – untersuchen soll. Ziel sei es, zusätzliche Potenziale für den Wasserrückhalt zu prüfen, ohne neue Probleme für Anwohner oder Infrastruktur zu schaffen.
Wetter bleibt entscheidender Faktor
Unabhängig von der konkreten Steuerung bleibe die Entwicklung des Wasserstandes stark vom Wetter abhängig. Bereits zuvor hatten Fachleute darauf hingewiesen, dass vor allem die Niederschläge im Frühjahr entscheidend sind. Der Hydrologe Peter Stüve hatte Anfang des Jahres erklärt, dass nach einem insgesamt zu trockenen Jahr 2025 vor allem die kommenden Monate darüber entscheiden, ob sich die Lage stabilisieren kann.
Das Stalu betont abschließend, dass die Bewirtschaftung „nach bestem Wissen und Gewissen“ erfolge. Gleichzeitig werde die Aufgabe durch die Folgen des Klimawandels zunehmend anspruchsvoller. Die Steuerung der Oberseen in der Müritzregion bleibt damit ein komplexer Balanceakt zwischen verschiedenen Interessen und natürlichen Gegebenheiten.



