Weltwassertag: Die Wasserkrise erreicht Deutschland
Wasser ist die Grundlage allen Lebens – für Menschen, Tiere und Mikroorganismen gleichermaßen. Doch selbst in einem wasserreichen Land wie Deutschland wird die lebenswichtige Ressource zunehmend knapp. Trockenperioden wechseln sich mit extremen Starkregenereignissen ab und schaffen eine prekäre Situation, die längst kein fernes Problem mehr darstellt.
Das Problem der falschen Verteilung
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Menge an nutzbarem Grund- und Oberflächenwasser – das sogenannte Wasserdargebot – starken wetterbedingten Schwankungen unterliegt. Im Jahr 2025 gab es laut Deutschem Wetterdienst zwischen Februar und Mai deutlich zu wenig Niederschlag, während der Juli mit übermäßigen Regenmengen aufwartete.
Diese ungleiche Verteilung verdeutlicht ein zentrales Problem: Es geht weniger um absolute Knappheit, sondern vielmehr darum, dass Wasser häufig zur falschen Zeit am falschen Ort verfügbar ist. Die Naturschutzorganisation BUND warnt vor unmittelbaren Auswirkungen auf Artenvielfalt und Ökosysteme.
„Trocknet ein Fluss, Bach oder See aus, können ganze Populationen von Fischen, Amphibien oder Muscheln sterben“, erklärt der BUND. Gleichzeitig können Böden bei Starkregen die großen Wassermengen nicht vollständig aufnehmen – ein paradoxes Problem, da Pflanzen durch den Klimawandel bedingt längere Vegetationszeiten haben und somit mehr Wasser benötigen.
Regionale Brennpunkte der Trockenheit
Obwohl Deutschland bislang keinen flächendeckenden Wasserstress erlebt – definiert als Situation, in der zu wenig nutzbares Süßwasser im Verhältnis zum Bedarf von Mensch, Landwirtschaft, Industrie und Natur verfügbar ist – kämpft bereits heute jeder zweite deutsche Landkreis mit Wasserknappheit.
Besonders betroffen sind Regionen mit intensiver Landwirtschaft. In Teilen Niedersachsens wird für die Viehzucht viel Grundwasser verbraucht, während in Brandenburg und Sachsen-Anhalt die Pegelstände aufgrund landwirtschaftlicher Bewässerung deutlich gesunken sind. Die Lausitz leidet zusätzlich unter dem Grundwasserstress durch den Kohle-Tagebau.
Entlang des Rheins in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verbraucht die Industrie große Wassermengen, insbesondere für Kühlungszwecke ihrer Anlagen. Die jährliche Wasserentnahme liegt laut aktuellsten Zahlen aus 2022 bei etwa 10,1 Prozent des verfügbaren Wasserdargebots – der Rest steht der Natur zur Verfügung.
Landwirtschaft im Fokus der Diskussion
Die Rolle der Landwirtschaft wird kontrovers diskutiert. Der Deutsche Bauernverband gibt an, dass Land-, Forstwirtschaft und Fischerei nur etwa zwei Prozent der verfügbaren Wassermengen nutzen, wobei größtenteils auf Regenwasser zurückgegriffen werde, das im natürlichen Kreislauf bleibe.
Der BUND weist jedoch auf weitere Probleme hin: Über 90 Prozent der deutschen Gewässer erreichen nicht den geforderten „guten ökologischen Zustand“. In etwa einem Fünftel der Fläche Deutschlands befindet sich das Grundwasser in einem schlechten chemischen Zustand – verursacht durch Pestizide und zu hohe Nitratwerte aus der Düngung.
Entscheidend ist nicht nur die Menge des verbrauchten Wassers, sondern auch seine Qualität, betonen die Naturschützer. Einige Experten zweifeln zudem die vom Bauernverband genannte Größenordnung von zwei Prozent Wassernutzung an.
Klimawandel verschärft die Situation
Dürren, Hochwasser und Starkregen sind reale Folgen des Klimawandels, die auch in Deutschland zunehmen. Global werden solche Extremwetterereignisse nach Expertensicht immer häufiger und haben stärkere Auswirkungen auf die Wasserversorgung.
Das Weltwirtschaftsforum erklärte 2019 Wasserknappheit zur größten Gefahr dieses Jahrzehnts. „Die Auswirkungen des Klimawandels werden sich am unmittelbarsten und akutesten durch Wasser bemerkbar machen“, heißt es vom Global Center of Adaptation, einer internationalen Organisation für Klimaanpassung.
Nach Angaben der Unesco leidet bereits jetzt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung jährlich zumindest zeitweise unter schwerer Wasserknappheit. Die globale Wasserverteilung zeigt deutliche Unterschiede: 72 Prozent entfallen auf die Landwirtschaft, 15 Prozent auf die Industrie und 13 Prozent auf Haushalte und Siedlungen – wobei diese Verteilung je nach wirtschaftlichem Entwicklungsstand variiert.
In Deutschland zeigt sich: Der sichtbare Seegrund im Bodensee und der eingeschränkte Schiffsverkehr auf dem Rhein sind nur die sichtbarsten Anzeichen einer sich verschärfenden Wasserkrise, die auch vor mitteleuropäischen Ländern nicht Halt macht.



